Gastkommentar

Vorsicht bei Aktien von Tiger Telematics, KFX und Wynn Resorts

Von John Dorfman, Bloomberg/Dorfman Investments
02.03.2005
, 15:35
Mit dem „Shorten“ überbewerteter Aktien macht John Dorfman im Durchschnitt gute Erfahrungen. Im vergangenen Jahr sind die Aktien allerdings gestiegen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, es aufs neue zu versuchen.
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Jedes Jahr schwenke ich eine rote Fahne, um vor Unternehmen zu warnen, die mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von mehr als 100 notieren - eine Bewertung, die ich einfach lächerlich finde.

Seit dem Jahr 2000 habe ich zu 25 solcher Titel eine entsprechende Warnung ausgesprochen. Von diesen 25 haben 21 während der darauffolgenden zwölf Monate an Wert verloren. In den vergangenen zwölf Monaten lag ich mit meiner Warnliste vollkommen schief, schnitt sie doch tatsächlich besser ab als der Standard & Poor's 500 Index.

Leerverkäufe gehen nicht immer auf

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Die Papiere von Wynn Resorts legten im Zeitraum vom 24. Februar 2004 bis einschließlich 25. Februar 2005 um 118 Prozent zu und die von Sirius Satellite Radio um 91 Prozent. Dies allein brachte der Liste eine durchschnittliche Rendite von 15 Prozent ein, obwohl fünf andere Titel - Human Genome Sciences, NPS Pharmaceuticals, Onyx Pharmaceuticals, Telik und Vicuron Pharmaceuticals - Federn lassen mußten. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, daß man nie in Aktien investieren sollte, die mit einem KUV von 100 gehandelt werden.

Im folgenden ist die Zwölf-Monats-Performance meiner vergangenen fünf Warnlisten aufgeführt, gemessen an der absoluten Rendite einschließlich Dividenden:

- 2000: minus 91 Prozent.
- 2001: minus 50 Prozent.
- 2002: minus 68 Prozent.
- 2003: plus 1,2 Prozent.
- 2004: plus 15 Prozent.

Im Schnitt weisen die fünf Listen eine negative Rendite von 42 Prozent auf, womit sie dem S&P 500 um 40 Prozentpunkte hinterherhinken.

In diesem Jahr habe ich sechs Titel ausfindig machen können, deren KUV bei 100 oder gar darüber liegt und deren Marktkapitalisierung mit mindestens einer Milliarde Dollar zu Buche schlägt. Drei von ihnen - Wynn Resorts, Human Genome Sciences und Vicuron Pharmaceuticals - sind alte Gesichter.

Tiger Telematics ohne nennenswerte operative Umsätze hoch bewertet

Ich beginne daher mit Tiger Telematics. Das in Jacksonville, Florida, ansässige Unternehmen entwickelt Systeme, die globale Positionierungs- und Spracherkennungstechnologien miteinander verbinden. Außerdem ist es die Schmiede des drahtlosen Spielegeräts Gizmondo. Die Anleger haben den Kurs der Tiger-Papiere in den vergangenen zwölf Monaten um 125 Prozent in die Höhe getrieben, so daß das Unternehmen nunmehr einen Aktienmarktwert von 1,05 Milliarden Dollar aufweist.

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In der Datenbank von Bloomberg News steht Tiger mit einem KUV von 11.227. Dieser Zahl liegen die Umsätze für das am 31. Dezember 2002 zu Ende gegangene Jahr zugrunde. Ich habe keine Ahnung, welche Umsätze Tiger in jüngster Zeit erwirtschaft hat. Ich habe Bloomberg News, Yahoo, Nexis und die Webseiten des Unternehmens durchforstet, konnte aber keine aktuellen Finanzinformationen finden. Ein Anruf bei Tiger blieb bislang unbeantwortet. Den jüngsten Quartalsbericht, den ich ausfindig machen kann, ist der für das am 30. September 2003 abgelaufene Vierteljahr. Darin ist ein Verlust von 1,1 Millionen Dollar ausgewiesen, und kein Umsatz. Soll man das eine Nachricht nennen?

Im Januar gab das Unternehmen bekannt, Vertriebsvereinbarungen für Australien, Neuseeland, Südkorea, Hongkong und die Philippinen unterzeichnet zu haben. Die Aktie legte daraufhin um 15 Prozent zu. Ist eine bloße Vertriebsvereinbarung schon Nachricht genug? Ich dachte, um die Sektkorken knallen lassen zu können, müßte vorher etwas Umsatz generiert worden sein.

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KFX - Marktkapitalisierung von einer Milliarde - Umsatz unter einer Million

KFX mit Sitz in Denver verfügt ebenfalls über eine enorme Marktkapitalisierung bei gleichzeitig minimalen Umsätzen. Den Angaben des Unternehmens zufolge basiert seine K-Fuel-Technologie auf „der Verwendung von Hitze und Druck zur physischen und chemischen Umwandlung von preisgünstiger Kohle und anderen Einsatzmaterialien mit hohem Wasser- und niedrigem Energiegehalt in leistungsstarken, stabilen und sauberen Brennstoff mit niedrigem Wassergehalt.“ Der von KFX im Jahr erwirtschaftete Umsatz liegt deutlich unter einer Million Dollar, und doch läßt sich der Börsenwert des Unternehmens mit 1,05 Milliarden Dollar beziffern. Skeptiker haben etwa 15 Millionen KFX-Aktien leerverkauft und damit auf einen Kursrückgang des Papiers gewettet. Vom Volumen her entspricht dies einem in 23 Tagen erzielten Handelsumsatz.

KFX ist seit dem Jahr 1988 börsennotiert. Seinen Spitzenumsatz erzielte das Unternehmen im Jahr 2001 mit drei Millionen Dollar. Seit 1994 hat es auf das Jahr gesehen keinen Gewinn mehr verbucht. Im vergangenen Jahr legte der Titel um 98 Prozent zu. Viele Anleger glauben, daß die Kommerzialisierung der Technologie des Unternehmens kurz bevorsteht.

Vicuron Pharmaceuticals befindet sich nun schon das zweite Jahr in Folge auf meiner Warnliste - dieses Mal mit einem KUV von 128. Im vergangenen Jahr büßte der Aktienwert 21 Prozent ein. Das in King of Prussia, Pennsylvania, angesiedelte Unternehmen stellt diverse Medikamente her, darunter Antipilzwirkstoffe und Antibiotika. Cheniere Energy mit Sitz in Houston entwickelt Flüssiggasterminals am Golf von Mexiko in den Vereinigten Staaten. Soweit mir bekannt ist, weiß die Geschäftsleitung, was sie tut, und es besteht zudem eine echte Nachfrage nach diesen Terminals. Nichtsdestotrotz sind die Anleger in meinen Augen etwas voreilig, wenn sie einem Unternehmen, das in den vergangenen vier Quartalen einen Umsatz von 1,4 Millionen Dollar erwirtschaftet und seit Anfang 1998 jedes Vierteljahr einen Verlust gemeldet hat, einen Marktwert von 1,9 Milliarden Dollar zugestehen.

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Auf ein Neues bei Human Genome Sciences

Human Genome Sciences aus Rockville, Maryland, steht seit 2001 jedes Jahr auf meiner Warnliste. Vor vier Jahren wurden die Anteilspapiere des Unternehmen zu 55 Dollar das Stück gehandelt, in der vergangenen Woche waren sie weniger als zwölf Dollar wert. Trotz dieses Kursabschlags liegt das KUV noch immer bei satten 397. Human Genome arbeitet an antiviralen und anderen Medikamenten und bedient sich dabei in erster Linie der Gentechnologie. Das Unternehmen weist zehn Jahre in Folge und für zehn der elf Jahre seit seinem Börsengang im Dezember 1993 einen Verlust aus. Die Analysten rechnen für 2005 und 2006 ebenfalls mit einem Verlust, trotzdem stufen sechs von zwölf von ihnen die Aktie als „Kauf“ ein.

... und Wynn Resorts

Wynn Resorts konnte 2004 meiner Warnliste trotzen. Das in Las Vegas ansässige Kasinounternehmen erzielte in den vergangenen vier Quartalen einen Umsatz von ungefähr 580.000 Dollar und kann sich eines Börsenwerts von sieben Milliarden Dollar rühmen. Es rechnet damit, im April diesen Jahres das Wynn Las Vegas-Kasino in seiner Heimatstadt in Betrieb zu nehmen, und könnte schon im nächsten Jahr ein weiteres großes Spielkasino in Macao eröffnen. CEO Stephen Wynn ist ein listiger „alter Hase“ in der Kasinobranche, der weiß, wie man in Las Vegas Furore machen kann. Ich verstehe deshalb, warum die Anleger gerne auf ihn wetten möchten. Nach meinem Dafürhalten könnten sie jedoch genauso gut 100 Dollar auf ein Bubenpaar setzen.

Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels habe ich vielleicht schon vier der oben erwähnten Titel leerverkauft - KFX, Vicuron, Human Genome und Cheniere. Im Fall von Tiger Telematics kann ich dies nicht tun, da diese im Freiverkehr gehandelt werden. Bei Wynn dagegen versuche ich keine Leerverkäufe.

Quelle: Bloomberg
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