Warren Buffet

Das Guru-Prinzip hat weiterhin Erfolg

Von Christoph A. Scherbaum
29.02.2016
, 12:27
Er lässt sich auch feiern: Warren Buffett vergangenes Jahr auf der Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.
Starinvestor Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat einen Rekordgewinn vermeldet. Das alternde Orakel von Omaha ist weiterhin erfolgreich. Eine wichtige Anleger-Frage bleibt aber nach wie vor offen.
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Im Jahr seines 50. Dienstjubiläums bei Berkshire Hathaway wollte sich der amerikanische Starinvestor Warren Buffett für die Aktionäre seiner Beteiligungsgesellschaft etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Und tatsächlich ist es ihm gelungen. Das „Orakel von Omaha“ durfte einen Rekordgewinn für Berkshire Hathaway verkünden.

Vor allem aus der lukrativen Fusion der Lebensmittelkonzerne Kraft und Heinz, die Buffet mit auf den Weg gebracht hatte, floss ein netter Sondererlös. Insgesamt stieg der Gewinn 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf 24,1 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal hatte Berkshire den Gewinn sogar um 32 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar erhöht.

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Berkshire Hathaway profitierte zudem von seinen diversen Firmenbeteiligungen, wie beispielsweise am Eisenbahnunternehmen BNSF. Etwas schlechter lief es hingegen im Versicherungsgeschäft rund um den amerikanischen Branchenriesen Geico.

Es sei ein „gutes" Jahr gewesen, schrieb Buffett in seinem Brief an die Aktionäre. Die erfolgsverwöhnten Anleger hatten im vergangenen Jahr allerdings nicht so viel Freude - der Aktienkurs von Berkshire Hathaway fiel um zwölf Prozent. Die großen Beteiligungen an schwächelnden Konzernen wie American Express, Walmart oder IBM drückten den Kurs. Dies hat Berkshire zum Stichtag 31. Dezember aber einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar eingebrockt. Es gebe dennoch kein Absicht, die Aktien des Technologie-Riesen abzustoßen, hieß es.

Ende 2015 hatte Berkshire Barbestände von knapp 72 Milliarden Dollar. Ein Teil davon wurde zu Jahresbeginn allerdings in die Übernahme des Industriekonzerns Precision Castparts gesteckt. Es ist mit 32 Milliarden Dollar der bisher größte Zukauf in der Berkshire-Geschichte.

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Berkshire ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem echten Finanz-Riesen angewachsen. Die Gesellschaft ist in vielen verschiedenen Branchen vertreten. Neben dem bereits genannten Eisenbahnunternehmen BNSF ist man zum Beispiel auch im Finanzsektor an vielen Unternehmen beteiligt. Zu den wichtigsten Beteiligungen zählen dort der besagte Versicherungskonzern Geico oder die Bank Wells Fargo. Darüber hinaus ist Berkshire in diversen anderen Bereichen wie der Nahrungsmittel-, Bekleidungs- oder Immobilienbranche aktiv.

Aufgrund der weiten Verzweigung war der Erfolg von Berkshire zuletzt relativ stark von der allgemeinen Marktentwicklung abhängig. Diese war nicht gerade berauschend, so dass auch der Berkshire-Aktienkurs 2015 den Rückwärtsgang einlegen musste. Ob Buffett noch einmal für Schwung sorgen kann, bleibt abzuwarten. Zumindest wird er trotz seines Alters oder des erreichten Status in der Finanzwelt als einer der größten Investoren aller Zeiten an der Konzernspitze nicht müde. Am liebsten würde er laut eigenen Angaben weitermachen, bis er 100 Jahre alt ist.

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Seine Geschäfte haben ihm laut Forbes-Magazin ein Vermögen von gut 62 Milliarden Dollar eingebracht. In seinem aktuellen und viel beachteten Brief an die Aktionäre wurde nicht erwähnt, wann der drittreichste Mensch der Welt Platz für seinen Nachfolger machen könnte. Doch so richtig nervös macht das keinen. Im Gegenteil. Solange der Guru aktiv mit an Board ist, dürfte er (gerade jetzt) viele Gelegenheiten zum Einstieg sehen. Die allgemeinen Marktturbulenzen haben für teilweise deutliche Kursabschläge bei vielen Aktien gesorgt. Genau die richtige Gelegenheit für Buffett. Schließlich versucht er seit jeher aus seiner Sicht unterbewertete Aktien zu kaufen. Unter den auf breiter Front zurückgegangenen Kursen dürften sich auch viele finden lassen, die das nicht verdient haben.

Aktionäre von Berkshire Hathaway können auf jeden Fall sich entspannt zurücklehnen. Der Blick auf den langfristigen Chart der Aktie veranlasst wohl keinen, sich ernsthaft Gedanken zu machen. Wer vor gut zehn Jahren in A-Aktien der Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett investiert hatte, konnte bis zum heutigen Tag – allen Kurswidrigkeiten der vergangenen Jahren zum Trotz - eine Rendite von fast 9 Prozent pro Jahr erzielen.

Der Starinvestor Warren Buffett unetrstützt Hillary Clinton im Präsidentschaftskampf und hat gute Gründe dafür.
Der Starinvestor Warren Buffett unetrstützt Hillary Clinton im Präsidentschaftskampf und hat gute Gründe dafür. Bild: AFP

Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre konnte sich wiederum der Kurs bis heute fast verdoppeln. In den vergangenen drei Jahren kletterte er um fast 60 Prozent. Dass sich nun die Aktie derzeit knapp unterhalb der 200-Tage-Linie befindet, macht wohl langfristigen Anlegern keine großen Sorgen, weil sie ganz nach dem Motto des Starinvestors nicht so stark auf die täglichen Schwankungen am Aktienmarkt fixiert sind.

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Buffett schrieb 2014 in einem veröffentlichten Brief: „Spiele werden von denen gewonnen, die sich auf das Spielfeld konzentrieren, nicht von jenen, die ihren Blick nur auf die Anzeigetafel richten. Wenn Sie Samstage und Sonntage genießen können, ohne einen Blick auf die Aktienkurse zu richten, sollten Sie dies auch unter der Woche versuchen.“

Solche und ähnliche Aussagen sind wohl das Salz in der Investment-Suppe eines Warren Buffett. Wer selbst schon einmal in die Provinzstadt Omaha gepilgert ist, um der Hauptversammlung des Unternehmens beizuwohnen, weiß, was für eine Aura dieses älteren Herrn umgibt. Sie alleine reicht aus, um jährlich mehr als 40.000 Besucher anzulocken.

Dieses Jahr dürften es wohl noch mehr werden. Dank einer Liverübertragung per Internet können dann alle Buffett-Anhänger und die es noch werden wollen beim „Woodstock für Kapitalisten“, wie das jährliche Aktionärstreffen auch genannt wird, mit dabei sein und hören, was Warren Buffett und dessen ebenfalls nicht gerade junger Geschäftspartner Charlie Munger zur aktuellen Marktlage zu sagen haben. Unterhaltung ist an diesem Tag garantiert, die Rendite mit der Berkshire-Aktie langfristig wohl auch.

Im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt Buffett übrigens Hillary Clinton, die als Favoritin der Demokraten gilt. Der Milliardär wandte sich dagegen, die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten zu schwarz zu malen, wie es vor allem Republikaner immer wieder tun. „Seit 240 Jahren ist es ein fürchterlicher Fehler, gegen Amerika zu wetten und jetzt ist kein guter Zeitpunkt, um damit anzufangen.“

Quelle: FAZ.NET/dpa-AFX
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