Internationaler Finanzmarkt

Spanien hält die Anleger in Atem

Von Hanno Mußler
31.05.2010
, 07:52
Sparpaket: Spanier zornig, Finanzmärkte ruhig
Am Freitag senkte Fitch die Bonitätsnote für Spanien. Der Euro-Kurs fiel indes nur leicht. Der Pfandbriefmarkt zeigt Leben und die Aktienmärkte sich relativ stabil. Die neue Hoffnung heißt Polen.

Am Freitagnachmittag war die Stimmung in den Kapitalmarktabteilungen der Frankfurter Banken noch gut. Eine turbulente Woche, die anfangs neue Renditetiefs für Bundesanleihen und einen Kursrutsch am Aktienmarkt brachte, schien ein gutes Ende zu nehmen. Doch am Freitagabend kam die Nervosität zurück an die Märkte. Spanien, dessen Bruttoinlandsprodukt zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung des Euro-Raums ausmacht, verlor bei der Rating-Agentur Fitch die Bestnote „AAA“ für seine Schuldnerqualität. Ende April hatte schon Fitchs Konkurrent Standard & Poor's Spaniens Bonität herabgestuft.

Auf dem Devisenmarkt verlor der Euro-Kurs daraufhin knapp einen Cent von 1,2360 auf 1,2270 Dollar. Der Kurs erholte sich jedoch im späten amerikanischen Handel wieder auf 1,2326 Dollar. Das muss als besonnene Reaktion gewertet werden. Schließlich rutschte der Euro nicht unter den Tiefstkurs in der Schuldenkrise, den er vor zwei Wochen mit 1,2144 Dollar markiert hatte. Der Markt für Kreditausfallversicherungen war am Freitag bereits geschlossen, als Fitch Spaniens Herabstufung mitteilte. Die Prämie für eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall Spanien kostete zuletzt 2,2 Prozent der Versicherungssumme.

Der Schocker der Woche

Spanien hatte den Anlegern zu Wochenbeginn bereits einen Schock versetzt. Die Sparkasse Caja Sur musste unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt werden. Am Donnerstag hatte das Parlament in Madrid dann mit einer Stimme Mehrheit ein Sparpaket von 15 Milliarden Euro beschlossen. Fitch befürchtet nun, dass auch wegen dieser Sparmaßnahmen die spanische Wirtschaft in diesem Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen wird. Damit werde es für Spanien, das mit einem Schuldenstand von 55 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts vergleichsweise gut dasteht, schwieriger, die Aufnahme neuer Schulden zu begrenzen.

Allerdings werde Fitch das Rating Spaniens, das sie nur um eine Stufe auf „AA+“ gesenkt hat, nun ein Jahr lang nicht verändern, versichert die Agentur. Ob diese Bemerkung zur Beruhigung der Anleger beiträgt, wird sich erst so richtig am Dienstag zeigen. An diesem Montag sind zunächst die Börsen in London und New York geschlossen und damit wichtige Marktteilnehmer im Urlaub.

Zarte Pflänzchen am Pfandbriefmarkt

Allerdings hat es zuletzt zwei Signale am Primärmarkt gegeben, die am Montag noch beruhigend nachwirken dürften. Das erste: Italien konnte zum Wochenschluss mit drei Staatsanleihen 9 Milliarden Euro aufnehmen; die Nachfrage der Anleger hätte 15 Milliarden Euro erlaubt. Das zweite: Eine für europäische Banken fast ausgetrocknete Refinanzierungsquelle sprudelt wieder. Erstmals im Mai fand ein Jumbo-Pfandbrief mit vier Jahren Laufzeit, ausgegeben vom Spitzeninstitut der französischen Sparkassen Caisse d'Épargne, mit einer Milliarde Euro hinreichend Nachfrage. Der Renditeaufschlag von 40 Basispunkten über dem 1,8 Prozent betragenden Mid-Swap-Zins erscheint für den Emittenten akzeptabel.

Investmentbanker aber warnen, dies sei noch kein Durchbruch auf dem Pfandbriefmarkt. Sie erinnern daran, dass die letzten Emissionen gedeckter Bankschuldverschreibungen wie etwa der Pfandbrief der Deutschen Hypothekenbank so wenig Nachfrage gefunden haben, dass sie unter dem für einen Jumbo nötigen Volumen von einer Milliarde Euro blieben.

Auch wolle die österreichische Bank Bawag seit Wochen an den Markt, habe aber ihre Emission nun entnervt verschoben. Die Schwäche des Pfandbriefmarktes ist umso bemerkenswerter, als ihn die Europäische Zentralbank (EZB) kräftig stützt. Wie die EZB am Freitag mitteilte, hat sie inzwischen gedeckte Bankschuldverschreibungen für 54,413 Milliarden Euro gekauft.

Keine Tiefstände

Am Aktienmarkt verlor der Dow Jones in der vergangenen Woche 0,6 Prozent. Am Freitag schloss er 1,2 Prozent tiefer, trotz der schlechten Nachrichten von Fitch zu Spanien aber nicht auf Tagestiefststand. Der marktbreite Aktienindex S&P 500 legte im Wochenvergleich sogar leicht um 0,2 Prozent zu. Auf Monatssicht steht indes ein sattes Minus für die beiden Indizes von je rund 8 Prozent. Für den S&P 500 ist der Mai damit der verlustreichste Monat seit Februar 2009.

In Europa erholten sich die Aktienindizes zwar von den seit acht Monaten nicht mehr verzeichneten Tiefständen, auf die viele zu Wochenbeginn wegen der spanischen Bankenkrise gefallen waren. Der Dax legte im Wochenvergleich um fast 2 Prozent zu. Da der Deutsche Aktienindex im Mai insgesamt gut 3 Prozent verloren hat, ist er nun fast unverändert zum Jahresbeginn.

Im europäischen Vergleich steht er damit gut da. Der Euro Stoxx 50 hat im Jahresverlauf 12 Prozent verloren, gedrückt vor allem von Aktien aus den Ländern im Süden. Der italienische Aktienindex Mib 30 hat seit Jahresanfang 16 Prozent, der spanische Ibex 21 Prozent verloren. Damit steckt der spanische Aktienmarkt in der Baisse.

Wall Street in Warschau

Darnieder liegt auch der europäische Markt für Börsengänge. Auf die großen zwei vor Ostern, Kabel Deutschland und Brenntag, ist in Deutschland kein großer Börsengang mehr gefolgt. Gut ist die Lage einzig in Polen. Das Land, das in Europa im Jahr 2009 mit 1,7 Prozent das größte Wirtschaftswachstum erzielt hat, setzt eine Privatisierung nach der anderen um. Dabei spielt die Regierung die ausländischen Banken geschickt gegeneinander aus. Vor kurzem wurde bekannt, dass die Schweizer UBS und die amerikanische Bank of America den nächsten großen Börsengang, den des Energieversorgers Tauron, begleiten dürfen. Obwohl zuletzt Ende April der Versicherer PZU, mit 2,7 Milliarden Dollar Emissionsvolumen größter Börsengang in Europa seit drei Jahren und größter Börsengang in Osteuropa überhaupt, erfolgreich an der Börse plaziert wurde, ist aus diesem Bankkonsortium bei Tauron keine Bank an führender Stelle dabei.

Dahinter steckt eine Strategie: In Warschau soll ein Kapitalmarkt entstehen, an dem sich viele internationale Banken und Fondsgesellschaften dauerhaft niederlassen. Das hohe Aktienangebot, in diesem Jahr wurden schon 5,5 Milliarden Dollar durch Börsengänge erlöst, hat der Kursentwicklung der börsennotierten Unternehmen nicht sichtbar geschadet. Der polnische Aktienindex Wig 30 hat seit Jahresbeginn fast 4 Prozent zugelegt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Hanno
Hanno Mußler
Redakteur in der Wirtschaft.
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