Interview

„Äußerst unseriöses Vorgehen“

20.06.2002
, 13:59
WCM-Vorstandschef Roland Flach
United Zurich Finance stufte WCM herab, was zu einem Kursrutsch führte. WCM-Chef Flach erhebt im FAZ.NET-Interview schwere Vorwürfe gegen die Analysten.

Der Finanzdienstleister United Zurich Finance stufte WCM herab, was zu einem Kursrutsch führte (siehe Bei WCM drückt das Beteiligungsgeschäft ). WCM-Chef Roland Flach kritisiert im FAZ.NET-Interview das Vorgehen der Analysten, rechtfertigt das Engagement bei der Commerzbank und erklärt den schwachen Kursverlauf der Aktie.

Herr Flach, Sie haben für den jüngsten Kursrutsch "Kreise, die die Aktie bewusst herunterreden" verantwortlich gemacht. Wer hat ein Interesse an tieferen WCM-Kursen und warum?

Das sind meiner Meinung nach Hedgefonds und offensichtlich die Firma United Zurich Finance, die nach eigenen Angaben selbst „short seller“ ist und gleichzeitig Analyst sein will. Ein äußert unseriöses Vorgehen.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass sich "substanzielle versteckte Verluste" in Ihrem Beteiligungsportfolio befinden?

Wie Sie wissen, bilanziert die WCM nach HGB. Alle Bewertungen wurden selbstverständlicherweise nach HGB-Bilanzierungsvorschriften vorgenommen.

Bleiben Sie bei Ihrer Prognose, in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von 150 Millionen Euro zu erzielen? Rechnen Sie mit einem Nettogewinn? Wie ist die Prognose für das kommende Jahr?

Wir bleiben bei unsere Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Eine Prognose für das Jahr 2003 wollen wir jetzt noch nicht abgeben, aber wir rechnen natürlich wieder mit einem deutlich positiven Ergebnis.

Erwägen Sie den Rückkauf eigener Aktien? Wenn ja, in welcher Höhe?

Wir beraten derzeit im Vorstand darüber.

Welche Pläne haben Sie mit der Commerzbank?

Das ist eine völlig andere Art der Beteiligung. Die Commerzbank ist eine reine Finanzbeteiligung, da mischen wir uns gar nicht in die Geschäftsabläufe ein. Hier setzen wir darauf, dass sich der Kurs innerhalb einer angemessenen Zeit erholt und uns die Beteiligung so einen entsprechenden Gewinn bringt.

Wollen Sie Ihre Beteiligung an der Commerzbank über die angepeilten knapp zehn Prozent weiter ausbauen?

Nein, ich denke wir bleiben dabei.

Was ist für Sie an der Commerzbank interessant?

Die Commerzbank ist die Mittelstandsbank, die wir in Deutschland haben, und sie wird es bleiben. Der Vorstand will das Kreditgeschäft in diesem Bereich weiter fördern. Banken werden derzeit relativ schlecht beurteilt an der Börse, aber die Zahlen hatten wir schon vor zwei einhalb Jahren - bei viel höheren Kursen. Nüchtern betrachtet sind wir derzeit auf einem Abwärtstrend an der Börse, der teilweise auch manipulativ durch Short-Seller und andere herbeigeführt wird. Die Kurse werden sich wieder erholen, aber es wird vielleicht etwas länger dauern, als wir denken.

Spekulieren Sie vielleicht auf eine Übernahme der Commerzbank durch ein größeres Finanzinstitut?

Nein. Das ist zwar eine Alternative, aber die sehe ich im Moment nicht.

Sie sprachen gerade von einem Abwärtstrend an der Börse. Mitten drin befindet sich die WCM-Aktie. Was wollen Sie machen, um dem Aktienkurs auf die Sprünge zu helfen?

So hart sich das anhört: Als Vorstand können wir an den Kursen sehr wenig tun. Wenn ich sage, wir machen beste Erträge, dann passiert rein gar nichts. Die Kurse reagieren auf große Transaktionen und auf andere Nachrichten im Markt sowie auf Manipulationen durch Fonds und andere. Ich kann dafür sorgen, dass das Unternehmen ordentliche Zahlen erwirtschaftet.

Auf der Hauptversammlung vor einigen Wochen wurden von Aktionärsvertretern sowohl Intransparenz als auch die Commerzbank-Beteiligung als Gründe für den schwachen Aktienkurs ausgemacht.

Die Coba-Beteiligung wird von vielen kritisiert. Das ist aber am Anfang einer Beteiligung nichts Ungewöhnliches, weil es sich schließlich um ein unterbewertetes Unternehmen handelt. Damit muss man leben. Zum Vorwurf der Intransparenz kann ich nur sagen, dass das ein Selbstläufer der Presse ist. Wenn jemand anruft und etwas wissen will, dann erhält er auch eine Antwort. Dieser Vorwurf wird im übrigen immer nur dann gemacht, wenn die Kurse sinken. Das gilt auch für andere Unternehmen.

Wie hoch ist der Anteil ausländischer Investoren an WCM?

Ich schätze so um die zehn Prozent.

Peilen Sie eine Aufnahme in den Dax an?

Wenn wir entsprechend wachsen sollten, dann möchte ich das nicht ausschließen, aber augenblicklich ist das kein Thema. Zum einen erfüllen wir die Kriterien nicht. Wir dürften zwar beim Free-flow so an 35. Stelle aller börsennotierten deutschen Unternehmen stehen, hinsichtlich des Umsatzes sind wir aber vermutlich immer noch nicht unter den ersten 35. Es gibt aber auch noch andere Gründe. Stellen Sie sich vor, Sie sind an 29.Stelle. Dann kommen Sie zwar in den Dax rein, müssen aber ständig befürchten, wieder rauszufliegen. Das halten wir nicht für erstrebenswert.

Können Sie sich vorstellen, dass WCM im nächsten Jahr wieder eine Dividende zahlt und Garantieaktien ausgibt?

Sicherlich kann ich mir das vorstellen. Wir haben noch nie große Dividenden gezahlt, wir haben Garantieaktien ausgegeben. Es gibt darüber weder Entscheidungen noch Planungen , das hängt davon ab, wie sich das Jahr entwickelt.

Quelle: @mey
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