Interview

„Langfristig sehe ich interessante Ertragschancen“

01.08.2005
, 20:39
Andres Gut unterwegs in einer Teakpflanzung
Alternative Anlagen - dazu zählen auch Holzplantagen. Ein interessantes Beispiel ist das Unternehmen Precious Woods. Im Interview erläutert Präsident Andres Gut die Strategie, die Chancen und Risiken, die damit verbunden sind.

Alternative Anlagen - führten sie vor der Baisse eher eine stiefmütterliches Dasein, so sind sie mit fallenden Kursen in Mode gekommen. Plötzlich wurde alles interessant, was sich anders verhielt als die Börsen.

Dazu zählen nicht nur Hedge- oder Rohstoffonds, sondern auch Holzplantagen. Inzwischen steigen die Aktienkurse zwar wieder, was das Interesse wieder etwas abflauen läßt. Fragt sich nur, wie lange. Aus diesem Grund ist es nach wie vor interessant, sich mit solchen Anlageformen zu beschäftigen.

Ein besonders interessantes Beispiel ist das Unternehmen Precious Woods. Denn es verbindet ökonomische und ökologische Aspekte bei der Anpflanzung von Edelhölzern und bei der nachhaltigen Bewirtschaftung von Tropenwäldern. Im folgenden Interview erläutert Andres Gut als Präsident des Unternehmens die Strategie und die Chancen und auch Risiken, die damit verbunden sind.

Bild: Daten: Hancock Timber Resource Group

Beim Kauf von Produkten, die aus tropischen Hölzern gefertigt sind, muß man beinahe ein schlechtes Gewissen haben, weil man Raubbau dahinter vermuten muß. Bei den Produkten, die Sie anbieten, scheint das anders zu sein.

Das ist richtig. Für den Verbraucher ist in diesem Zusammenhang das FSC-Zeichen auf solchen Produkten wie Gartenmöbeln entscheidend. Es wird vergeben vom Forstweltrat und steht für eine umweltfreundliche, sozialverträgliche sowie ökonomisch nachhaltige Forstwirtschaft. . Der Kunde sollte auf dem FSC-Zertifikat bestehen, und sich nicht von anderen Angaben abspeisen lassen.

Das heißt, ein Unternehmen muß bestimmte Kriterien erfüllen, um das FSC-Zertifikat zu erreichen?

Als wir das erste Mal zertifiziert wurden, mußten wir über 80 Kriterien erfüllen. Angefangen von waldbaulichen über soziale bis hin zu ökologischen Gesichtspunkten. Das wird weiterhin strikte kontrolliert. Einmal jährlich erscheinen die Experten unangemeldet und einmal angemeldet und überprüfen einzelne Punkte. Nach fünf Jahr kommt es zu einer umfassenden Reevaluation aller Kriterien. Es gibt immer wieder Firmen, die das Zertifikat verlieren.

Gleichzeitig scheint eine solche Wirtschaftsweise dem Gewinnstreben jedoch nicht zu widersprechen, denn Precious Woods erzielt nette Gewinne?

Absolut betrachtet sind unsere Gewinn noch bescheiden, sie haben sich jedoch gut entwickelt. Seit über fünf Jahren haben wir Umsatz und Gewinn regelmäßig zweistellig gesteigert.

… und das kann so weitergehen?

Das ist unsere Absicht und dafür bestehen sehr gute Chancen. Fürs laufende Jahr muß man eine Einschränkung machen. Da wir in Brasilien produzieren, fallen die Kosten vorwiegend in brasilianischen Reais an, während wir die Einnahmen vor allem in Dollar erzielen. Im Moment läuft die Währung gegen uns, indem der Real stark angestiegen ist. Das wirkt sich auf unsere Margen sehr negativ aus. Mittel- und langfristig wird das jedoch eine Episode sein, da der Real sehr wahrscheinlich seinen langfristigen leichten Abwertungstrend wieder aufnehmen wird. Zudem beginnen sich Preiserhöhungen auszuwirken.

Aus Ihrer Antwort spricht jedoch nicht eine Skepsis am Erfolg Brasiliens an sich?

Nein, ich denke, daß Brasilien als rohstoffreiches Land eine große Zukunft hat. Aber nichts desto Trotz gibt es einen Inflationsunterschied zwischen Brasilien und dem Dollarraum. Außerdem sind die Zinsen in Brasilien gegenwärtig zu hoch. Die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten werden sich letztendlich beim Wechselkurs durchsetzen.

Wie würden Sie das Geschäftsmodell von Precious Woods definieren?

Wir sind das einzige börsennotierte Unternehmen, welches sich auf nachhaltige Forstwirtschaft in den Tropen konzentriert. Niemand außer uns hat sich so klar auf dieFSC-Kriterien festgelegt. Unser Ziel bestand von Anfang darin, etwas gegen die Entwaldung des Tropengürtels zu unternehmen. Aber als kommerzielles Unternehmen , das Gewinn erzielt, nicht als Hilfsorganisation. Auch konventionelle Holz-Unternehmen bewegen sich teilweise immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit.

Können Sie das beobachten?

Eindeutig ja. Das hat einerseits mit der Nachfrage nach FSC-zertifizierten Produkten zu tun, andrerseits mit der Entwicklung entsprechender gesetzlicher Regelungen und Kontrollen in den Produktionsländern. Costa Rica zum Beispiel hatte eine der höchsten Abholzungsraten bis zum Jahr 1970. Heute wird im Naturwald praktisch kein Baum mehr geschlagen, da es verboten ist. Vermutlich ist das als das andere Extrem auch wieder falsch, da der Wald am gesündesten wäre, wenn er vernünftig bewirtschaftet werden würde.

Das heißt, Ökonomie und Ökologie widersprechen sich nicht?

Nein nicht generell. Es gibt viele Firmen, die bewiesen haben, daß sich Ökonomie und Ökologie nicht nur vereinbaren lassen, sondern daß es sogar Synergien gibt. Der Begriff der Nachhaltigkeit ist in der Waldwirtschaft entstanden. Wenn ich den Wald als wirtschaftliche Basis habe, muß ich ihn gesund erhalten, um mir diese Basis nicht zu entziehen. Wenn ich umgekehrt keinen Gewinn mache, werde ich kaum in der Lage sein, den Wald in der Zukunft noch besitzen und bewirtschaften zu können. Aus diesem Grund muß ich beides 100prozentig machen: Sowohl den Wald gesund erhalten als auch ertragreich wirtschaften.

Den Unterlagen entnehme ich, daß Precious Woods demnächst eine Kapitalerhöhung plant?

Im Gegensatz zu vielen Firmen in reifen Branchen, die in ihrem Kerngeschäft nur noch wenig lohnende Investitionsmöglichkeiten sehen, können wir in unserem Kernbereich noch sehr lukrative Investitionen ausmachen. Aus diesem Grund werden wir noch länger wachsen und dabei auch auf Kapitalerhöhungen zurückgreifen.

Was macht die „Lukrativität“ des Geschäftsmodells aus?

Sicher ist es zunächst einmal das Bekenntnis zu FSC. Denn mit zertifizierten Produkten lassen sich erstens bessere Preise erzielen. Zweitens ist die FSC-Zertifizierung oft eine Bedingung für den Markteintritt.

Was sind das für Kunden, die darauf Wert legen?

Neben umweltbewußten privaten Bauherren sind das häufig staatliche Kunden. Ein Beispiel sind Hölzer, die im Küstenschutz an der Ostsee verwendet werden. Wir scheinen auch mit Venedig ins Geschäft zu kommen.

Haben Sie somit keine Absatzsorgen?

Von den bekannten Hartholzsorten könnten wir weit mehr verkaufen, als wir erzeugen können. Der Wald im Amazonas ist aber sehr heterogen. Wir ernten über 80 Holzarten. Viele davon sind unbekannt. Hier braucht es oft einen langwierigen Prozeß, bis man einen adäquaten Verwendungszweck gefunden hat.

Das heißt, es geht darum, immer neue Holzsorten am Markt einzuführen?

Ja, das ist eine anspruchsvolle Marketingaufgabe. Aber es zahlt sich langfristig aus. Denn muß man zunächst Preiszugeständnisse machen, so kann man bei Bewährung einer Sorte die Preise nach und nach erhöhen und auf diese Weise auch den Gewinn steigern. Das steht zum Teil hinter den steigenden Gewinnen in den vergangenen Jahren.

Um die erzeugte Holzmenge insgesamt zu steigern muß man allerdings die Fläche ausdehnen?

Auf einer bestimmten Fläche läßt sich nur eine gewisse Menge erzeugen, die dann bestmöglichst vermarktet werden muß. Um uns quantitativ zu steigern, wollen wir in Brasilien Flächen zukaufen und wir befinden uns im Gespräch mit einer kongolesischen Firma, die große Konzessionen hat. Das Kongo-Projekt hätte unter anderem den Vorteil, daß die afrikanischen Holzarten bekannter sind als die südamerikanischen, weil sie schon seit mehr als 100 Jahren in Europa verwendet werden. Das bedeutet in der Regel auch höhere Preise.

Wieviel Fläche haben Sie?

Bisher haben wir in Brasilien etwa 380'000 Hektar. Nach den geplanten Zukäufen werden dann über 500.000 Hektar haben. In Zentralamerika verfolgen wir daneben ein weiteres Geschäftsmodell. Dort forsten wir ehemalige Weiden vorwiegend mit Teak auf. Das bindet einerseits sehr viel Kapital, auf der anderen Seite wachsen jedoch sehr wertvolle Hölzer heran. Bisher haben wir rund 6'000 Hektar aufgeforstet.

Wie haben sich die Holzpreise in der Vergangenheit entwickelt?

Wir erzeugen Harthölzer. In diesem Bereich war die Preisentwicklung in den vergangenen Jahrzehnten positiv. Es spricht vieles dafür, daß die Preise weiterhin eher steigen werden. Denn die Waldbasis für Harthölzer wurde vielerorts zerstört. In den verbliebenen Wäldern kommen glücklicherweise strengere Gesetze zur Anwendung, welche den Raubbau einschränken. Der kontinuierlich steigenden Nachfrage wird also kaum ein wachsendes Angebot gegenüber stehen.

Konnte man mit Wald-Investments Geld verdienen?

Es gibt eine amerikanische Untersuchung, die zeigt, daß Timberland-Investments in der Vergangenheit im Rendite-Risiko-Vergleich hervorragend abgeschnitten haben im Vergleich mit Aktien, Obligationen oder Immobilien. Das ist mit ein Grund dafür, wieso sich heute viele Anleger für solche „Alternative Investments“ interessieren. Dazu kommt der Rohstoffboom und die Suche nach nachhaltigen Anlageformen.

Rohstoffboom - muß man ihn nicht langsam etwas kritisch sehen?

Ich werde mich hüten, zu große Euphorie verbreiten zu wollen. Denn man kann die Entwicklung nie mit Sicherheit prognostizieren. Es gibt allerdings gute Argumente, die dafür sprechen. Denn es gibt immer mehr Konsumenten, die sich immer mehr leisten können. Gleichzeitig waren die Investitionen im Rohstoffbereich in der Vergangenheit tief.

Wo sehen Sie die Risiken ihres Geschäftsmodells?

Wir sind natürlich in Ländern tätig, die nicht gerade als tolle Investitionsstandorte gelten. Der Norden Brasiliens, wo gewissermaßen unser „Stammwerk“ liegt, ist in Bezug auf die Rechtsstaatlichkeit nicht unproblematisch. Es gibt immer wieder Streitereien um Landrechte und unklare rechtliche Situationen. Gewisse Kreise halten sich eher ans Faustrecht, als an Gesetze. In Costa Rica ist die Rechtsstaatlichkeit gut. Dagegen wird es in Nicaragua wieder schwieriger und erst recht, wenn man an den Kongo denkt. Der Kongo hat eine äußerst schwierige Geschichte hinter sich. Aber daran sind Rohstoffanleger eh und je gewöhnt. In diesem Sinne verbindet sich mit unserer Aktie neben den Chancen sicherlich ein erhöhtes Risikopotential. Das sagen wir unseren Anlegern auch. Wer Risiken scheut, legt sein Geld besser aufs Sparkonto oder kauft heimische Versorger-Aktien.

Haben Sie neben den geplanten Landkäufen noch weitere Expansions- oder Diversifikationspläne?

Mit der geplanten Kapitalerhöhung im Herbst planen wir nicht nur weitere Landkäufe, sondern wir wollen auch den größten FSC- Hartholzhändler in den Niederlanden übernehmen. Ein interessanter Aspekt ist auch der Kauf eines Kraftwerkes, das aus unseren Holz-Abfällen Elektrizität produziert und eine Stadt mit etwa 60.000 Einwohnern versorgt. Dadurch werden20 Dieselgeneratoren ersetzt, für welche der Treibstoff früher aus großer Distanz mitten in den Amazonaswald geschafft wurde. Indem dieser fossile Treibstoff jetzt durch Biomasse ersetzt wird, fallen verkäufliche CO2-Rechte an. Das kann für Precious Woods ein höchst lukrativer Geschäftszweig werden.

Wenn Sie einen Blick werfen auf Ihre Aktie, sie hat sich seit Beginn des vergangenen Jahres verdoppelt, wird Ihnen nicht ein wenig Angst?

Ich erwarte nicht, daß die Aktie ihren Wert alle zwei Jahre verdoppelt. Das ist nicht möglich. Allerdings sind weitere Wachstumschancen da und ich glaube daran; darum habe ich auch den größeren Teil meines eigenen Vermögens in Precious Woods investiert. Ich rechne auch nicht damit, daß es immer nur aufwärts gehen wird. Ich habe ja oben dargelegt, daß dieses Jahr die Resultate währungsbedingt nicht so gut ausfallen werden. Aber diese Aktie kauft man als sehr langfristige Anlage und allenfalls als Diversifikation zu anderen Anlageklassen. Kurzfristig orientierte Anleger lassen besser ihre Finger davon.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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