Konglomerate

GE-Aktie dürfte Anleger nur bedingt begeistern

08.10.2004
, 14:33
General Eletric konnte Umsatz und Gewinn im dritten Quartal deutlich steigern. Allerdings beruhen die Zuwächse zu einem großen Teil auf Zukäufen. Die Aktie an sich ist nicht sonderlich günstig, selbst ohne Konglomeratsabschlag.
ANZEIGE

Wie viele andere Aktien auch konnten sich die Papiere des Unernehmensriesen General Electric in den vergangenen Monaten zunächst deutlich, dann immerhin noch in einem leichten Aufwärtstrend von den Tiefs des vergangenen Jahres erholen. Mit einem Total Return von 15,21 Prozent auf Sicht eines Jahres schnitt die Aktie sogar leicht besser ab als der S&P 500, allerdings deutlicher schlechter als der S&P 500 Industrials Index.

ANZEIGE

Das dürfte kaum verwundern, denn das Unternehmen ist kein kleines, wendiges „Unternehmensschnellboot“, das rasch Umsatze und Gewinne steigern kann. Sondern mit einer Marktkapitalisierung von 358,5 Milliarden Dollar ist es aktuell das „wertvollste“ Unternehmen der Welt und damit beinahe soviel wert, wie sämtliche an der niederländischen Börse gehandelten Aktien. Im S&P 500 ist die Aktie mit einem Gewicht von knapp 3,4 Prozent das wichtigste Papier. Entsprechende träge sollte sich das Unternehmen an sich entwickeln, sollte man denken.

Deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerung im dritten Quartal ...

Um so erstaunlicher könnten dann zunächst die Zahlen des dritten Quartals sein. Denn General Electric konnte seinen Nettogewinn in diesem Zeitraum im Vergleich mit dem Vorjahr um elf Prozent auf 4,05 Milliarden Dollar oder 38 Cents je Aktie steigern und damit die allgemeinen Erwartungen erfüllen. Der Umsatz konnte um 15 Prozent auf 38,27 Milliarden Dollar gesteigert werden. Die Aufträge verzeichneten einen Zuwachs von 27 Prozent, unter anderem getragen von stärkerer Nachfrage nach Maschinenteilen und Konsumfinanzierung.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von General Electric in den vergangenen 15 Jahren in Dollar
Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Aktie von General Electric in den vergangenen 15 Jahren in Dollar Bild:

Für das Gesamtjahr hat Jeffrey Immelt die Gewinnprognose auf zwischen 1,57 und 1,60 Dollar je Aktie und damit an das obere Ende der bisherigen Spanne präzisiert. Er geht davon aus, den Gewinn im kommenden Jahr um zehn bis 15 Prozent steigern zu können.

ANZEIGE

Solche Zahlen mögen beeindruckend sein. Allerdings sollten die Zuwächse mit einer gewissen Vorsicht betrachtet und mit dem Vorjahr verglichen werden. Denn sie beruhen nicht unbedingt auf organischem Wachstum, sondern sind unter anderem auch auf Zukäufe zurückzuführen. Immelt versucht, sich von langsam wachsenden Unternehmensteilen zu trennen und gleichzeitig in dynamischere Bereiche zu investieren. So hat er unter anderem das britische Medizintechnikunternehmen Amersham und den Medienbereich von Vivendi Universal erworben.

... allerdings beruhen sie zum Teil auf Zukäufen

Acht von elf Unternehmensbereichen erzielten einen Gewinnwachstum von wenigstens zehn Prozent, angeführt vom Gesundheitssektor mit einem Plus von 31 Prozent und dem Transportsektor - er produziert unter anderem Flugzeugturbinen und Lokomotiven - mit einem Plus von 28 Prozent. „Wir sind sehr ermutigt von diesen Zahlen,“ sagte ein Fondsmanager. Er dürfte sich auch darüber freuen, daß Immelt von einer „sehr starken Wirtschaftsentwicklung“ spricht.

ANZEIGE

Allerdings dürften solche Aussagen mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten sein. Denn nicht selten enthalten sie eine gehörige Portion Zweckoptimismus. Immerhin zeigen einige konjunkturelle Frühindikatoren längst nach unten. Und manche Bereiche - zum Beispiel der Versicherungsbereich und die Konsumfinanzierung - dürften einerseits von negativen Effekten wie den Wirbelstürmen und der möglicherweise nachlassenden Konsumnachfrage betroffen werden.

Aktie nicht sonderlich günstig

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 21,5 und 19 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie sicherlich auch kein Schnäppchen. Eine Dividendenrendite von 2,36 Prozent ist zwar für amerikanische Verhältnisse relativ viel, kann allerdings auch nicht richtig überzeugen. Bei riesigen Unternehmen wie GE stellt sich auch immer die Frage nach der Transparenz und ob sich nicht noch „schwarze Löcher“ in de Bilanz verbergen. Immerhin scheint der Aktienkurs zumindest bis ins Jahr 2000 deutlich „nach oben gepflegt“ worden zu sein. Grundsätzlich sollten sich Anleger klar sein, daß sie sich mit dem Kauf einer solchen Aktie ähnlich wie mit einem breit streuenden Fonds mehr oder weniger den Markt ins Depot legen.

Angesichts der leichten Überbewertung der amerikanischen Aktien im historischen Vergleich dürfte es bessere Anlagemöglichkeiten geben. Charttechnisch steht das Papier an einer Widerstandszone.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE