Marktbericht

Anleger verlieren zum Wochenauftakt die Nerven, Dax auf Talfahrt

23.07.2012
, 18:15
Die Sorgen um Griechenland wachsen und Leerverkaufsverbote in Italien sowie Spanien lassen die Kurse in den Keller gehen. Der Dax büßt zum Wochenauftakt zeitweise über 3,5 Prozent ein. Besonders Finanztitel verlieren. Der Euro notierte auf dem tiefsten Stand seit Juni 2010.
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Deutschlands Börsianer mussten zum Wochenauftakt mit herben Verlusten zurechtkommen. Erneute Sorgen um einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone und ein Leerverkaufsverbot der spanischen und italienischen Börsenaufsicht sorgten am Nachmittag für einen Ausverkauf im Dax. In der Spitze verlor der deutsche Leitindex über 3,6 Prozent. Am Ende stand ein Minus von 3,2 Prozent bei 6419,32 Zählern zu Buche. Der M-Dax gab hingegen 3,5 Prozent auf 10.426,54 Punkte ab, der Tec-Dax verlor 3,0 Prozent auf 745,26 Zähler, während der FAZ-Indexüber 3,1 Prozent auf 1392 Punkte abgab.

Die Schuldenkrise ist zum Wochenauftakt mit voller Wucht zurückgekehrt. Schon am Vormittag rückte diese mit Berichten in den Fokus , wonach sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die deutsche Regierung Athen keine weiteren Kredite zur Verfügung stellen wollen, wieder in den Fokus. Auf die Stimmung drückte auch noch die Warnung eines Mitglieds der chinesischen Zentralbank vor einem nachlassenden Wirtschaftswachstum. Am europäischen Anleihemarkt spitzte sich anschließend die Lage dramatisch zu. Für den großen Paukenschlag sorgten dann aber am späten Mittag die neuesten Nachrichten aus Südeuropa:

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Angesichts der von neuen spanischen Hiobsbotschaften ausgelösten Turbulenzen an den Finanzmärkten hatten Madrid und Rom Leerverkäufe verboten. Dies sei angesichts der Volatilität an den europäischen Märkten beschlossen worden und solle für drei Monate gelten, teilte die spanische Börsenaufsicht am Montag mit. In Italien untersagte die Börsenaufsicht Leerverkäufe von Aktien, nachdem der Leitindex FTSE-MIB an der Mailänder Börse am Morgen vorübergehend um mehr als fünf Prozent abgestürzt war.

Euro auf tiefsten Stand seit Juni 2010

Einer der großen Verlierer dieses ersten Handelstages der neuen Börsenwoche war der Euro. Die Gemeinschaftswährung rutschte zeitweise unter 1,21 US-Dollar auf einen Tiefstand seit Juni 2010. Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Landesbank Bremen sagte zu den zeitweiligen Verboten: „Fakt ist, dass aggressive Spekulationen die Märkte immer wieder stark unter Druck bringen.“ Doch allgemein sieht er, wie auch sein Kollege Frank Geilfuß vom Bankhaus Löbbecke & Co die Talfahrt in der wieder heftig aufgeflammten Eurokrise begründet. Die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Eurozone habe sich „dramatisch zugespitzt“, sagte Hellmeyer und setzte daher die Börsenampel auf rot. „Nachdem wir Anfang des Jahres noch von einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent ausgegangen waren, dass die Eurozone auseinander brechen könnte, sehen wir sie aktuell bei 40 Prozent.“ Stark besorgt ist er vor allem wegen Spanien, da dort eine extreme Ausdörrung der Investitionstätigkeit zu beobachten sei.

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Nach dem Leerverkaufsverbot konnten sich italienische Bankaktien und der spanische Leitindex am Montagnachmittag von ihren herben Verlusten wieder teilweise erholen. Der italienische Bankenindex beendete den Handel 0,7 Prozent im Minus, nachdem er zuvor bis zu 7,8 Prozent eingebüßt hatte, die Mailänder Börse büßte derweil 2,5 Prozent ein. Der spanische Leitindex Ibex machte dagegen sein Minus von bis zu 5,5 Prozent größtenteils wieder wett und schloss 0,7 niedriger bei 6202 Zählern.

Finanzwerte stark unter Druck

Unter den Meldungen zur Schuldenkrise litten die Finanzwerte europaweit. Die Titel der Deutschen Bank wurden zusätzlich von einem Bericht belastet und fielen um 4,56 Prozent. Dem „Handelsblatt“ zufolge wird der Libor-Skandal die Bilanz der Deutschen Bank mit Rückstellungen von bis zu einer Milliarde Dollar belasten. Für die Commerzbank-Aktien ging es am Dax-Ende ebenfalls um 6,13 Prozent bergab und Allianz-Papiere verloren 4,96 Prozent.

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Ein Gesprächsthema war heute auch Fresenius. Nachdem der Medizinkonzern es nicht geschafft hatte, die notwendige Mehrheit für die Übernahme von Rhön-Klinikum zu erringen, will er nun in den Vereinigten Staaten zuschlagen und sein Geschäft mit Blut-Transfusionstechnik kräftig ausbauen. Dafür kauft die auf Infusionen und Generika spezialisierte Fresenius-Tochter Kabi das amerikanische Unternehmen Fenwal Holdings. Der nicht genannte Verkaufspreis wird Fresenius zufolge zunächst aus vorhandenen Mitteln finanziert, wobei der Erlös der Kapitalerhöhung vom Mai 2012 das Transaktionsvolumen übersteige. Am Nachmittag will der Medizinkonzern sich öffentlich zur jüngsten Akquisition äußern, die ein Händler als sinnvoll bewertete.

M-Dax: Leoni und Rhön-Klinikum im Fokus

Die Titel von Rhön-Klinikum, für deren Übernahme die Kapitalerhöhung ursprünglich vorgesehen war, wurden von der Nachricht zunächst kaum belastet und musste aber im Zuge des schwachen Marktes über 1,6% abgeben. Experten verwiesen auf Aussagen eines Fresenius-Sprechers, denen zufolge es keinen Zusammenhang zwischen dem nun angekündigten Kauf und der zunächst gescheiterten Rhön-Übernahme gibt.

Celesio-Papiere standen ebenfalls im Mittelpunkt. Einem Medienbericht zufolge treibt der Pharmahändler den Verkauf seiner Internet-Apothekenkette Doc Morris voran. Die mit der Investorensuche betraute Deutsche Bank habe Interessenten erste Unterlagen zukommen lassen, heißt es unter Berufung auf mit dem Vorhaben betraute Personen. „Das sind zwar nicht wirklich neue Nachrichten, da der Verkauf seit Monaten auf der Agenda steht“, sagte ein Händler. „Dennoch wirkt der Bericht leicht positiv für die Aktie, da der Verkaufsprozess sich zu beschleunigen scheint.“

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Die Aktien von Leoni büßten nach den jüngsten Aussagen zur Gewinnentwicklung deutliche 5,4 Prozent an Wert ein. Gegenüber der „Frankfurt Allgemeinen Sonntagszeitung„ sagte Leoni-Chef Klaus Probst, er erwarte im laufenden Jahr ein operatives Ergebnis (Ebit) zwischen 230 und 280 Millionen Euro. Ein Händler wertete die Aussage insofern negativ, da die Analysten derzeit im Schnitt von einem Ebit von 275 Millionen Euro ausgingen, die Aussagen aber eher ein Ergebnis in der Mitte der genannten Spanne suggerierten.

Im Tec-Dax reagierten die Anteilsscheine der Software AG mit minus 3,38 Prozent auf den Weggang eines weiteren Managers. Kamyar Niroumand, verantwortlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz, habe das Unternehmen Anfang Juli auf eigenen Wunsch verlassen, bestätigte ein Sprecher des Software-Spezialisten einen Bericht der „Financial Times Deutschland“. „Der Manager-Exodus geht weiter, was die Aktie belastet“, kommentierte der Händler. Am morgigen Dienstag legt das Unternehmen seine Quartalsbilanz vor.

Wall Street schwächer, McDonald’s enttäuscht

Die Verschärfung der Eurokrise sowie erneut angeheizte Sorgen über die globale Konjunktur haben auch die US-Börsen am Montag belastet. Zuletzt verlor der Dow Jones Industrial 1,1 Prozent auf 12.678 Punkte. Der marktbreite S&P 500-Index rutschte um 1,46 Prozent auf 1.342 Zähler ab. An der Technologiebörse ging es für den Nasdaq Composite Index um 1,8 Prozent auf 2.873 Punkte nach unten.

Mit Blick auf die laufende Berichtssaison sanken die Titel von McDonald’s um 2,44 Prozent. Die erfolgsverwöhnte Fastfood-Kette tritt auf der Stelle. Im zweiten Quartal hatte der Umsatz stagniert und der Gewinn je Aktie verfehlte die Erwartungen. Der US-Konzern führte als Gründe ungünstige Wechselkurse und die schwächelnde Weltwirtschaft an. Mit einem Plus von 2,63 Prozent konnten sich die Papiere von Halliburton dem negativen Markttrend entziehen. Der Gewinn des Ölfelddienstleisters war im zweiten Quartal weniger deutlich zurückgegangen als befürchtet. Zu den wenigen Gewinnern zählten auch Hasbro. Der Papiere verteuerten sich um fast drei Prozent, nachdem der Spielwarenhersteller die durchschnittliche Gewinnschätzung je Aktie der Analysten im abgelaufenen Quartal übertroffen hatte.

Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX, Reuters
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