Marktstimung

Übermäßiges Vertrauen in die Aktien

08.08.2005
, 10:14
Die Kurse an den Börsen schienen in den vergangenen Wochen nach oben durchzugehen und sorgten für euphorische Schlagzeilen in den Medien. Möglicherweise ist der Optimismus jedoch kurzfristig über das gesunde Maß hinausgeschossen.
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Blieben die deutschen Anleger trotz der seit ihren Tiefs im März des Jahres 2003 zum Teil wieder deutlich gestiegenen Kursen lange Zeit skeptisch und zurückhaltend, so scheint sich das in den vergangenen Wochen geändert zu haben.

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Das zeigt sich alleine schon an den Schlagzeilen der Zeitungen und Zeitschriften. „Jetzt kaufen“, „10 Gründe in Aktien einzusteigen“ oder auch „Wieso Technologieaktien weiter steigen werden,“ so oder so ähnlich lauteten und lauten die Titel der „Fachblätter, nachdem die europäischen Börsen eine beachtliche Dynamik nach oben entwickelt hatten. Nichts scheint die Aktien mehr vom Steigen abhalten zu können, so die allgemeine Stimmung. Die Kursverluste der vergangenen Tage seien nur ein kurzes Intermezzo, verlautbaren die Strategen beinahe unisono.

Sind Institutionelle zu optimistisch?

Die Privatanleger scheinen dem „Getrommel“ zunehmend gefolgt zu sein, denn sie sind so stark investiert sind, wie schon lange nicht mehr. Allerdings bleiben sie nervös und die Stimmung ist in den vergangenen Tagen mit fallenden Kursen rasch zurückgegangen. Im Gegensatz zu den institutionellen Anlegern. Sie sind nicht nur schon länger als die Privaten engagiert, sondern sie bleiben mittelfristig auch recht optimistisch.

Bild: seasonalcharts.com

Das wäre an sich ein gutes Zeichen, gäbe es nicht das Phänomen des „Übervertrauens“ oder der Overconfidence. Sie kann nach Expertenmeinung nicht nur zu einem hohen Investitionsgrad, sondern auch zu selektiver Wahrnehmung von Informationen und damit möglicherweise zur Unterschätzung von Gefahren führen. Indikatoren dafür könnte einerseits die Menge von Analysen sein, die die Anleger zur Zeit „in der besten aller Welten“ sehen oder auch der VDax. Beide zeugen von einem enorm hohen Optimismus.

Das zeigt sich aber auch vom „Overconfidenceindex“, wie er beispielsweise von Sentix ermittelt wird. Dieser Indikator sendet zu Dax und EuroStoxx mahnende Signale. Die Verbesserung im mittelfristigen Sentiment signalisiere zu hohes Vertrauen in den Markt und einen aktiven Verdrängungsmechanismus gegen die negativen Preistrends, so die Experten von Sentix.

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Korrektur ausgeprägter als gedacht?

Sofern unsere Diagnose richtig sei, werde der Markt den Anlegern das liefern, was sie glauben bedenkenlos aussitzen zu können: eine Korrektur. Je schneller sich dann doch wieder eine gewisse Angst breit mache, desto schneller könne diese Episode vor dem nächsten Anstieg abgeschlossen werden. Auch zyklische Argumente sprechen eher für eine Korrektur, denn die kommenden Monate sind traditionell eher schwache Börsenmonate.

Auf dieser Basis dürfte es ratsam sein, dem allgemein um sich greifenden Optimismus mit einer gewissen Portion Skepsis zu begegnen und zumindest ein Teil des Pulvers trocken zu halten. In den kommenden Monaten könnten bessere Einstiegsgelegenheiten kommen als jetzt. Immerhin deutet auch der VDax leicht zunehmende Nervosität hat. Immerhin liegt er wieder bei knapp 14 Prozent, nachdem er in den vergangenen Wochen auf Langzeittiefs von bis zu 10,77 Prozent gefallen war.

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Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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