Nach der Freigabe des Franken

Nachbeben an der Schweizer Börse

16.01.2015
, 10:03
Mittlerweile ist ein Euro ungefähr einen Franken wert.
Wer in Schweizer Aktien investiert hat, muss nach der Aufhebung des Mindestkurses große Verluste hinnehmen. Vor allem Bankaktien zählen zu den Verlierern.
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Die überraschende Freigabe des Franken hat am am Freitag für Nachbeben an der Schweizer Börse. Der Leitindex SMI verlor im Handelsverlauf knapp 4 Prozent auf 8075,6 Punkte. Händler sprachen von einem anhaltend nervösen Geschäft. Am Vortag hatte das wichtigste Aktienbarometer in Zürich den stärksten Einbruch seit 1989 erlebt. Der SMI verlor zeitweise fast 14 Prozent. Am Ende stand ein Minus von 8,67 Prozent. Aktienanleger verloren durch die Kurseinbrüche allein am gestrigen Handelstag 140 Milliarden Franken.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Morgen vollkommen unerwartet die seit September 2011 geltende Koppelung des Franken an den Euro aufgehoben. Damit war der Franken seit mehr als drei Jahren künstlich billig gehalten worden - als Schutzschirm für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. Der Frankenkurs schoss unmittelbar nach der Entscheidung in die Höhe. Devisenanleger, die noch zum Zeitpunkt des Mindestkurses in den Franken investiert hatten, konnten hohe Gewinne verbuchen.

Mittlerweile kostet der Franken weiter fast einen Euro. Am Freitagvormittag wurde die Schweizer Währung am Devisenmarkt mit rund 0,99 Euro gehandelt. Das ist rund ein Fünftel über dem Niveau der vergangenen Zeit.

Vor allem Privatanleger, die Schweizer Bank- und Luxusaktien im Depo haben, müssen momentan große Verluste hinnehmen: So rutschten die Aktien von Julius Bär am Freitag am SMI-Ende um weitere 8 Prozent auf 36,9 Franken ab. Am Vortag war die Bank-Aktie schon um mehr als 11 Prozent eingebrochen. Barclays-Analyst Jeremy Sigee sieht die Investmentbank als größten Verlierer der Franken-Aufwertung in der Branche. Auch Aktionäre von Credit Suisse und UBS gucken in die Röhre: Die Titel büßten zwischen 5 und 6 Prozent ein.

Ebenso gehörten Aktien von Swatch und Richemont mit rund 6 Prozent im Minus zu den Verlierern. Die Anteile am Telekomkonzern Swisscom, der aufgrund des starken Inlandsgeschäfts kaum abhängig ist von der Währungsentwicklung, hielt sich wie schon am Vortag am besten in dem Index. Selbst diese Aktie verlor aber 1,3 Prozent.

SNB-Entscheidung
SNB-Präsident Thomas Jordan im Wortlaut
© dpa, reuters

Mindestkurs-Aufhebung sorgt für Verluste bei Kunden von Brokern

Derweil hat die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) Spuren bei einer kleinen Schweizer Online-Bank hinterlassen. Bei Swissquote erlitten Kunden Verluste und die Bank aktivierte eine Rückstellung von 25 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. „Viele Kunden folgten der von der SNB regelmäßig bestätigten Strategie und haben auf eine Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro gesetzt“, sagte die auf den Online-Handel für kleinere Kunden spezialisierte Brokerbank.

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Die Rückstellung werde sich im Abschluss des ersten Halbjahres niederschlagen, ohne jedoch die Profitabilität und die Solidität der Bank infrage zu stellen. Für 2015 rechnet Swissquote bei einem Rekordumsatz von 145 Millionen Franken mit einem Vorsteuergewinn von etwa 28 Millionen Franken. An der deutlich schwächeren Schweizer Börse fiel die Swissquote-Aktie um 7,5 Prozent.

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Verluste auch in Fernost

In Neuseeland geriet die kleine Devisenhandelsbank Global Brokers NZ nach den von der SNB ausgelösten Kursturbulenzen am Devisenmarkt ins Visier der Bankenaufsicht. Die Bank teilte mit, Verluste bei Kunden mit Franken-Positionen hätten das Kapital der Bank so vermindert, dass sie die Eigenkapitalanforderungen nicht mehr erfüllen könne.

Die Financial Market Authority (FMA) prüfe nun, ob die Einlagen der Kunden bei Global Brokers noch sicher seien, sagte ein FMA-Sprecher. In Hongkong berichtete die auf kleinere Kunden ausgerichteten Devisenhandelsfirma FXCM, ihre Kunden hätten Verluste von umgerechnet insgesamt 225 Millionen Dollar eingefahren.

Nach SNB-Entscheidung
Rekord-Absturz an der Schweizer Börse
© Reuters, reuters
Quelle: ancs/dpa/Reuters
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