Öl-Dienstleister

Aktie von Schlumberger schmücken reichlich Vorschußlorbeeren

22.07.2005
, 18:09
Dienste von Gesellschaften, die mutmaßliche Öl- und Gasvorkommen erkunden, sind anhaltend gefragt. Davon profitiert auch und gerade Schlumberger. Die Aktie hat einen Lauf, ist aber auch im Branchenvergleich hoch bewertet.

Schon seit Monaten eilt die Aktie vom Schlumberger dem marktbreiten amerikanischen Index S&P 500 deutlich voraus. Und zum Wochenschluß bestätigt der Titel den Charakter eines „Outperformers“: Er legt um 4,35 Prozent auf 81,35 Dollar zu und verteuert sich auf dem Frankfurter Parkett um gut fünf Prozent auf etwa 67,20 Euro. Mithin markiert die Notiz ein neues Dreijahreshoch.

Der Grund für den kräftigen Kursanstieg, dem ein Plus von mageren 0,2 Prozent im S&P 500 gegenüber steht: Der nach Marktkapitalisierung weltgrößte Dienstleister für Ölkonzerne hat im zweiten Quartal mehr verdient als erwartet und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Der Sprung auf das Dreijahreshoch dürfte im Verbund mit dem Ausblick den Titel anschieben, der bis zur Marke von etwa 85 Dollar keine technische Hürde mehr vor sich hat.

Doch ist die Aktie alles andere als billig. Vielmehr ist sie nicht nur erheblich teurer als der bestenfalls neutral bewertete S&P 500 und höher gepreist als amerikanische und europäische Konkurrenten. Insofern dürfte die Luft dünn(er) werden.

Gewinnprognosen um 16,4 Prozent getoppt

Schlumberger hat den Quartalsgewinn im Vergleich mit der entsprechenden Vorjahresperiode um 36 Prozent auf 482,2 Millionen Dollar oder 80 Cents nach 59 Cents gesteigert. Abzüglich des Gewinns aus dem Verkauf des Halbleiter-Geschäfts stehen unter dem Strich 473,2 Millionen Dollar oder 78 Cents je Anteilsschein. Da Analysten auf dieser Grundlage nur mit 67 Cents gerechnet hatten, hat der Konzern die Prognosen um stolze 16,4 Prozent geschlagen. Der Gesamtumsatz erhöhte sich um 21 Prozent auf 3,43 Milliarden Dollar.

Wie Bloomberg News anmerkt, übertrifft derzeit die Nachfrage nach Öl-Dienstleistungen das Angebot. Insofern sitzen Anbieter wie Schlumberger am längeren Hebel und können an der Preisschraube drehen. „Das sind klassische Boom-Zeiten für die Erkundung von Ölfeldern, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß dies so weitergehen wird“, sagte Kevin Wood, Öl-Analyst bei Susquehanna Financial Group in New York, zu Bloomberg. Auch Konzernchef Andrew Gould sieht noch eine „beträchtliche“ Preissetzungsmacht.

Schlumberger beschäftigt unter anderem Geologen und Öl-Ingineure. Der Konzern ist darauf spezialisiert, mutmaßliche Öl- und Gasvorkommen kabelgestützt zu erkunden. Und das geht so: Ein Gerät wird an einem Kabel in eine Ölquelle hinuntergelassen und sendet elektrische Impulse aus. Diese werden ausgewertet und geben Aufschluß über die Größe eines Rohstoffvorkommens.

Wenn die Bewertung nicht wäre...

Da die Nachfrage nach Öl und Gas schon aufgrund des Wachstums in China, Amerika und Indien hoch bleiben dürfte, hat die Schlumberger-Aktie gute Argumente auf ihrer Seite. Auch die nächsten Quartalsgewinne sollten schön ausfallen. Nur: Den Aktienkurs dekorieren schon viele Vorschußlorbeeren angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 29,1 für dieses Jahr und etwa 25 für 2006. Zum Vergleich: Der amerikanische Konkurrent Halliburton ist mit 22,75 bewertet, die italienische Saipem mit 21 und die österreichische Schoeller-Bleckmann mit 21,4; die beiden letztgenannten sind zudem besser gelaufen als Schlumberger. Und der S&P 500 kommt auf ein KGV von 16,5 für dieses Jahr und knapp 15 für das nächste.

Trotz der hohen Bewertung empfiehlt Morgan Stanley die Schlumberger-Aktie mit der Einstufung „overweight“ weiter zum Kauf und hat das Kursziel bei 100 Dollar gesteckt. Bei dieser Marke käme der Titel, sollten Analysten nicht auf breiter Front ihre Ergebnisschätzungen anheben, auf ein KGV von fast 36. Positiv eingestellt sind für das Papier auch die Analysten von RBC Capital und Wachovia, die den Titel - bisher trefflich - mit „outperform“ bewerten. Wood dagegen sieht Schlumberger als Halte-Position an, ohne solche Aktien in einem Portfolio zu verwalten. in Anbetracht des KGV scheint dieser Rat sinnvoll zu sein. Ein Einstieg auf diesem Kursniveau dürfte dagegen nur etwas für spekulativ veranlagte Naturen sein. Denn Schlumberger muß auf längere Sicht erheblich zulegen, um diese Bewertung zu rechtfertigen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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