Öl-Dienstleister

Saipem-Aktie dürfte weiter von hohen Ölpreisen profitieren

16.06.2005
, 08:55
Aktien von Öl-Servicefirmen haussieren ebenso wie Papiere von Ölförderern. Die Notiz der italienischen Saipem liegt nur knapp unter ihrem Rekordhoch. Die Aktie ist zwar nicht billig, dürfte aber noch Kurspotential haben.

Erinnert sich noch jemand? Nach dem offiziellen Ende des Irakkriegs sollte sich der Preis für ein Barrel Öl bei rund 25 Dollar einpendeln. Jeder weiß: Es ist anders gekommen. Und zwar nicht in erster Linie wegen der fortgesetzten Unsicherheit um den Irak, sondern wegen des Wwachstums der Weltwirtschaft und vor allem der Nachfrage aus China und Amerika. Zudem treiben spekulierende Anleger die Kurse. So kostet ein Barrel der Nordseesorte Brent derzeit mehr als 54 Dollar.

Von den anhaltend hohen Ölpreisen profitieren nicht nur Ölförderer wie BP, Total, Marathon Oil oder Statoil - auch Öl-Servicefirmen wie die österreichische Schoeller-Bleckmann und die italienische Saipem können sich freuen. Ihre Dienste etwa beim Bohren nach Öl sind weiter gefragt. Dies spiegelt sich in den Aktienkursen wider. Die Aktie von Saipem schloß am Mittwoch nur fünf Cent unter ihrem Rekordhoch von 10,85 Euro. Der Titel ist zwar auf den ersten Blick nicht günstig, dürfte aber dennoch weiteres Kurspotential haben, zumindest wenn die Nachfrage nach dem zähflüssigen „schwarzen Gold“ hoch bleibt.

Analyst: Mit Marke von 60 Dollar vertraut machen

Das Produzenten-Kartell Opec hat zwar erst am Mittwoch mitgeteilt, mehr Öl fördern zu wollen. Um eine halbe Million Barrel auf 30,6 Millionen Barrel soll die Tagesmenge steigen. Doch diese Nachricht hat den Ölpreis keineswegs unter Druck gesetzt. Im Gegenteil: Er ist am Mittwoch gestiegen und zeigt sich am Donnerstag wenig verändert. Der Grund: Der Vorratsbestand in den Vereinigten Staaten hat stärker abgenommen als erwartet. Die Ölreserven fielen um 1,8 Millionen Barrel, während Analysten nur mit einem Minus von einer Million gerechnet hatten.

„Es gibt überhaupt keine Anzeichen für eine nachlassende Nachfrage nach Öl in Amerika“, sagte Barclays-Analyst Paul Horsnell zu Bloomberg News. „Der Markt sollte sich mit der Marke von 60 Dollar vertraut machen, um zu schauen, ob die Dynamik nachläßt. Die erreichten 50 Dollar haben dafür nicht ausgereicht.“

Erstarkender Dollar nützt Saipem

Angesichts des unter 1,21 Dollar gesunkenen Euro-Kurses dürften viele Unternehmen und Verbraucher diese Prognose mit Sorge sehen. Saipem dagegen dürfte sich freuen. Denn hohe Ölpreise sollten eine hohe Nachfrage nach den Diensten des Konzerns bedeuten. Zudem profitiert er vom Erstarken des Dollar, da er 70 Prozent seiner Umsätze in der amerikanischen Währung erzielt.

Angesichts dessen hat Saipem bei der Vorlage der guten Zahlen zum ersten Quartal am 10. Mai prognostiziert, zwar 2005 einen Rekordumsatz zu erzielen, aber wohl das Ergebnis nicht erhöhen zu können. Denn seinerzeit stand der Euro noch besser da, nämlich bei rund 1,26 Dollar. Allerdings ließ sich der Vorstand ein Hintertürchen offen: Es gebe Raum für Verbesserungen. Im ersten Quartal steigerte Saipem den Umsatz auf 954 Millionen Euro nach 905 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum und den Überschuß von 50 auf 53 Millionen Euro. Zudem stieg der Cash flow von 101 Millionen Euro auf 105 Millionen Euro an.

Keine nennenswerten Hürden

Schon nach der Vorlage der Zahlen zum vierten Quartal 2004 hatten die Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) geäußert, das Bohr-Geschäft von Saipem dürfte langfristig von den steigenden Tagesförderraten profitieren. Gemeinsam mit der Dollarerholung dürfte dies dem Titel noch Potential lassen. Zwar ist er mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,3 nicht günstig, aber auch nicht wesentlich teurer als Schoeller-Bleckmann (18,4). Zudem liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis unter 1. Aus charttechnischer Sicht gibt es keine Probleme. Die Notiz hat keine nennenswerten Hürden vor sich. Unter dem Strich ist der Titel mindestens eine gute Halte-Position.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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