Öl/Gas

Bei OMV-Aktie sprudeln nur die Kursgewinne nicht

20.08.2003
, 11:05
Gewinn klar stärker gesteigert als Umsatz: OMV
Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat im ersten Halbjahr seinen Gewinn deutlich stärker gesteigert als den Umsatz und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Doch die Kursgewinne sprudeln nicht.

Mit schönen Nachrichten hat der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV soeben aufgewartet: Zwar ist der Umsatz im zweiten Quartal leicht gesunken, doch sämtliche Ertragszahlen für das erste Halbjahr liegen deutlich über den Vergleichsdaten von 2002. Nur: Auch nach dem ersten Quartal hatte der Konzern einen stark gestiegenen Nettogewinn ausgewiesen, aber die Analystenprognosen dennoch unterlaufen. Die Aktie orientierte sich daraufhin abwärts.

Nun aber konnte OMV die Analystenerwartungen übertreffen. Damit hat sich die Stimmung gegenüber der Aktie aufgehellt. Nachdem sich der Wert des Papiers am Dienstag schon um 3,2 Prozent gesteigert hatte, legt der Titel am Mittwoch abermals zu, aber in geringerem Maße; er notiert an der Wiener Börse aktuell bei 106,85 Euro und folglich auf dem Niveau von Mitte Mai. Ob er seine Rolle als Underperformer an der Wiener ablegen kann, ist indes zweifelhaft.

Beeindruckendes Gewinnwachstum

OMV hat im ersten Halbjahr den Umsatz um fünf Prozent auf 3,475 Milliarden Euro gesteigert; im Vergleich der zweiten Quartale 2003 und 2002 verringerten sich die Erlöse leicht um zwei Prozent auf 1,683 Milliarden Euro. Das Gewinnwachstum mutet indes beeindruckend an: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte im zweiten Quartal gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 54 Prozent auf 177 Millionen Euro und im ersten Halbjahr um 65 Prozent auf 341 Millionen Euro; die Analysten der Raiffeisen Centro-Bank (RCB) in Wien hatten 328 Millionen Euro vorhergesagt.

Der Periodenüberschuß stieg ebenfalls jeweils stark: Im zweiten Vierteljahr wuchs er um 31 Prozent auf 101 Millionen Euro, in den ersten sechs Monaten um 66 Prozent auf 195 Millionen Euro, während sich die RCB-Prognose auf 191 Millionen Euro belief. Entsprechend zufrieden äußerte sich OMV Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer: „Das erste Halbjahr war exzellent, wir konnten nicht nur das Ergebnis signifikant steigern, sondern auch unsere Marktposition merkbar ausbauen.“

OMV expandiert im Raffinerie- und Tankstellen-Geschäft

Dabei hat die OMV die zwei größten Akquisitionen der Unternehmensgeschichte getätigt und deren langfristige Refinanzierung erfolgreich abgeschlossen: Die Übernahme des internationalen E&P-Portfolios der Preussag Energie und von 313 Tankstellen sowie Raffinerie- und Pipeline-Beteiligungen der deutschen BP AG; zum 1. Juli wurde die Übernahme eines Anteils von 45 Prozent am Raffinerieverbund Bayernoil wirksam.

Die OMV vergrößerte zudem ihr Tankstellennetz seit Ende 2002 um 145 auf insgesamt 1.377 Stationen, davon befinden sich 525 in Österreich und 852 im Ausland. Der Anteil der Stationen außerhalb Österreichs ist auf 62 Prozent gestiegen. Im zweiten Halbjahr werden die übernommenen BP- und Aral-Tankstellen zunehmend auf die Marke OMV umgestellt. Nicht zuletzt kann sich der Vorstand vorstellen, auch das Tankstellennetz von Shell/DEA in den Konzern einzubauen. Das Potential ist beachtlich: Nach Angaben des Hamburger Energie Informationsdienstes müssen Shell und DEA nach ihrer Fusion sich von 450 Stationen in Deutschland trennen, um Auflagen der Kartellbehörden zu erfüllen.

Vorstand erwartet Ergebnisverbesserung

Auch wenn das zur Chemiesparte zählende Düngemittel-Geschäft wie bei Mitbewerbern aufgrund der Trockenheit gelitten hat und der noch relativ schwache Dollar Gewinne beim Ölpreis zu Lasten von OMV ausgleichen könnte, äußert sich der Vorstand optimistisch. Er erwartet eine Ergebnisverbesserung gegenüber 2002 und bekräftigt das Ziel, bis 2008 die Marktposition zu verdoppeln - aus eigener Kraft.

Dies sind gute fundamentale Voraussetzungen für eine Kurssteigerung. Dabei ist der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,3 im Vergleich zu den Konkurrenten Royal Dutch (12,6) und Chevron-Texaco (11,8) günstig bewertet. Charttechnisch gesehen sieht die Anlegenheit aber wackelig aus. Zwar hat sich der Titel binnen Jahresfrist um 21 Prozent verbessert, doch hat er sich relativ schlechter entwickelt als der österreichische Index und schaut er nur ganz knapp aus dem langfristigen Abwärtstrend heraus. Die Aktie muß es vermeiden, unter die Marke von 106 Euro zu ruschten, da sich in diesem Fall das Chartbild eintrüben würde.

Nennenswerte Kursgewinne sind charttechnisch gesehen erst zu erwarten, wenn der Titel die Widerstandszone zwischen 107 und 109 Euro überwindet. Solange er dies nicht schafft, drängt er sich nicht auf. Schöne Gewinne her, Expansionspotential her.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der OMV-Aktie.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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