Ölindustrie

Aktie von Burren Energy schießt auf Ölpreis-Fontäne nach oben

27.06.2005
, 12:06
Burren Energy fördert Öl im Kongo.
Anderthalb Jahre schwimmt die Aktie von Burren Energy schon mit dem Ölpreis nach oben. Auch der Kampf um Hindustan sollte daran nichts ändern. Die Aktie ist trotz der Kursgewinne noch verünftig bewertet.

Der Ölpreis hat die 60 Dollar-Marke überschritten, Horror-Szenarien von 100 Dollar machen die Runde, Autofahrer brechen an der Tankstelle in Tränen aus. Ölfördernde Firmen genießen das derzeitige Szenario dagegen eher.

Denn schöner haben die Kassen nie geklingelt und so sind Öl-Aktien an der Börse derzeit Selbstläufer. Das gilt für die Aktie von Burren Energy. 143 Prozent hat die Aktie an der Börse in London seit der FAZ.NET-Empfehlung vor rund zwölf Monaten zugelegt auf aktuell 683,21 Pence oder zehn Euro am Handelsplatz Berlin-Bremen.

Steigender Umsatz und Gewinn

Um 85 Prozent hat die Firma mit Hauptsitz in London im vergangenen Jahr den Umsatz auf 87,1 Millionen Pfund gesteigert. Der Nettogewinn legte sogar um 120 Prozent auf 34,7 Millionen Pfund und der Cashflow um 91 Prozent auf 54,6 Millionen Pfund zu. Der Nettocashbestand lag bei 18,4 Millionen Pfund zum Ende des vergangenen Jahres.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Burren Energy in London.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Burren Energy in London. Bild:

Stand das Jahr 2004 im Zeichen neuer Projekte, so soll 2005 das Jahr des Ausbaus dieser Aktivitäten werden. Acht weitere Quellen im Kongo, Turkmenistan und Ägypten sollen im laufenden Geschäftsjahr angebohrt werden sowie die Entwicklung der Bohrprojekte in Nebit Dag (Turkmenistan) and M'Boundi (Kongo) beschleunigt vorangetrieben werden. Bis Ende des Jahres soll die Nettoproduktion um 69 Prozent auf 24.000 Barrel pro Tag ansteigen - noch stärker als 2004.

Die größte Herausforderung sieht das Unternehmen in diesem Jahr in den neu erworbenen Beteiligungen in Ägypten und vor allem in Indien auf sich zukommen, wo Burren Energy 26 Prozent an der indischen Firma Hindustan Oil erworben hat und eine Mehrheitsbeteiligung anstrebt.

Kampf um Hindustan

Dort gibt es aber mittlerweile Schwierigkeiten. Denn Hardy Oil & Gas, ein gleichfalls indischer Konkurrent von Burren Energy, hat ein offenes Angebot von Seiten Burrens an die Aktionäre von Hindustan Oil per einstweiliger Verfügung blockiert. Hardy hält selbst 8,5 Prozent an Hindustan und beruft sich auf eine Vereinbarung, nach der Hardy bei allen Verkäufen von Beteiligungen an Hindustan ein Vorkaufsrecht besitze.

Diese Verfügung wurde vom Gericht aber später widerrufen. Aufgrund der unklaren Rechtslage hat die indische Börsenaufsicht nunmehr das Genehmigungsverfahren für das Übernahmeangebot an die Hindustan-Aktionäre ausgesetzt. Und Hardy hat inzwischen auch gegen die Übernahme der 26 Prozent geklagt, die Burren von der Unocal Corporation übernommen hat.

Damit ist die Übernahmeschlacht um Hindustan in vollem Gange, was sich positiv auf den Kurs dieser Aktie auswirkt, die in diesem Jahr bereits 84 Prozent zulegen konnte.

Ausgang ungewiß

Die Auswirkungen auf Burren Energy sind derzeit schwer abzuschätzen. Sollten die Briten vor Gericht unterliegen, ist dies sicherlich ein Rückschlag, muß aber keine Katastrophe bedeuten. Hardy, deren Notierung gerade erst an der Londoner Börse AIM zu Monatsbeginn aufgenommen wurde hat eine Marktkapitalisierung von rund 95 Millionen Pfund. Durch den Börsengang hat Hardy 15 Millionen Pfund eingenommen, die das Unternehmen eigentlich für Explorationszwecke einsetzen wollte.

Burren Energy hat etwa eine zehnmal so hohe Marktkapitalisierung wie Hardy. Es ist nicht damit zu rechnen, daß die indischen Gerichte die Übernahme durch Burren einfach blockieren.

Möglicherweise wird Hardy ein Vorkaufsrecht erhalten. Basierend auf dem von Burren bezahlten Preis müßte Hardy indes rund 42 Millionen Pfund aufwenden, um seine Beteiligung an Hindustan auf über 50 Prozent aufzustocken.

Letztlich kann sich Hardy Hindustan eigentlich nicht leisten. In einer Stellungnahme bleibt Hardy-Geschäftsführer Yogeschwar Scharma auch eher vage: „Wir wollen unsere Vorkaufsrechte schützen. Das gibt uns eine Reihe von Optionen.“ Daher sind mehrere Szenarien denkbar.

Möglicherweise will Hardy seine 8,5 Prozent-Beteiligung nur teuer verkaufen. Oder Hardy will von dem Burren-Enagegement als Trittbrettfahrer profitieren. Unter dem Strich also könnte es die Hindustan-Übernahme etwas verteuern.

Aktie moderat bewertet, Trend ungebrochen

Das könnte sich auch negativ auf die Gewinne bei Burren Energy auswirken. Aber das würde auch nur bedeuten, daß im Jahr 2005 der Gewinn statt um wie aktuell geschätzt rund 140 Prozent „nur“ um 100 Prozent steigt. In diesem Fall betrüge das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das laufende Jahr nicht zehn, sondern zwölf. Das wäre immer noch kein Beinbruch und würde die Aktie keinesfalls als überbewertet erscheinen lassen.

Der Markt ist jedenfalls ist durch den Übernahmekampf, der in einer boomenden Branche, in der es nicht mehr viele Akquisitionsziele gibt, eher die Regel als die Ausnahme ist, nicht sonderlich beeindruckt. Heute jedenfalls ist der Kurs um weitere zwei Prozent gestiegen, markiert ein Allzeithoch und setzt damit die Mitte Mai eingeschlagene steile Aufwärtsbewegung fort.

Ein deutlicher Rückschlag in Indien, könnte aber auch beim Kurs ins Kontor schlagen. Denn durch das Tempo des Kursanstiegs liegt die nächste Unterstützung bei circa 468,50 Euro. Das sind immerhin stolze 45 Prozent. Andererseits ist der seit Erstnotiz anhaltende Aufwärtstrend ungebrochen und es gibt keine Anzeichen, warum ein solcher Einbruch möglich sein sollte. Aber Absicherungsstrategien können bekanntlich nie schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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