Ölkonzerne

Mit der Repsol-Aktie geht es wieder aufwärts

04.11.2005
, 11:55
Die Aktie von Repsol ist im Oktober wie andere Ölwerte erheblich unter Druck geraten. Doch die Zeit der Gewinnmitnahmen hat ein Ende. Angesichts der aufziehenden Heizperiode, weiter starker Nachfrage und guter Quartalszahlen geht es wieder aufwärts.

Mit der Aktie von Repsol YPF haben Anleger in den vergangenen Monaten gut verdient. Binnen Jahresfrist ist die Notiz des spanischen Ölkonzerns um fast 47 Prozent hochgelaufen. Zwar läuft sie mithin der norwegischen Konkurrenz von Statoil, die um 62 Prozent vorgerückt, nach - alledings hat Repsol die Mitbewerber BP, Royal Dutch/Shell und Total mehr oder weniger deutlich hinter sich gelassen. Außerdem ist Repsol an der Heimatböse in Madrid in den vergangenen zwölf Monaten in der Regel ein klarer Outperformer gewesen, hat also besser abgeschnitten als der Ibex 35-Index.

Nur in den jüngsten vier Wochen ist Repsol deutlich hinter den Ibex 35 zurückgefallen. Dieses Schicksal teilte er aber mit den anderen europäischen Ölwerten, die im Zuge sinkender Ölpreise und Gewinnmitnahmen deutlich unter Druck standen. Den übergeordneten Performance-Vorteil schreibt die Notiz aber zum Wochenschluß fort. Sie steigt in Madrid um 1,6 Prozent auf 25,63 Euro und nähert sich mithin wieder ihm Jahresbestwert bei 28 Euro an.

Der Grund für das schöne Plus: Der spanische Ölkonzern Repsol YPF hat seinen Nettogewinn im dritten Quartal um 22 Prozent gesteigert und dabei die Analystenerwartungen übertroffen. Da Ölstrategen wegen der aufziehenden Heizperiode auf der nördlichen Erdhalbkugel und der wegen des starken Wirtschaftswachstums in Amerika und China mit einer weiter robusten Nachfrage rechnen, dürfte die Zeit fallender Kurse bei Ölaktien aber fürs erste vorbei sein, wie die jüngsten Kursverläufe nahelegen; so hat Repsol binnen zehn Tagen um 8,4 Prozent zugelegt, Statoil sogar um 13 Prozent.

Erwartungen deutlich übertroffen

In den drei Monaten sei ein Gewinn von 934 Millionen Euro verzeichnet worden, teilte Repsol YPF am Freitag in Madrid mit. Der Nettogewinn in den ersten neun Monaten stieg um 24 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro. Der operative Gewinn in diesem Zeitraum kletterte um 31 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Im dritten Quartal verdiente der Konzern nach eigenen Angaben mit 934 Millionen Euro oder 77 Cents je Aktie rund 22 Prozent mehr als vor Jahresfrist und übertraf die Prognosen der Analysten erheblich. Die Beobachter hatten mit 869 Millionen Euro gerechnet. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern kletterte um 29 Prozent auf 1,58 Milliarden Euro.

Repsol hat wie Total oder Statoil von einer verstärkten Nachfrage aus den Vereinigten Staaten im Zuge der Hurrikane „Katrina“ und „Wilma“ profitiert, die Ölförderanlagen im Golf von Mexiko beschädigt hatten. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage kletterten auch die Preise für Ölprodukte europäischer Anbieter. Zudem kamen Repsol YPF erheblich ausgeweitete Gewinnspannen im Raffineriegeschäft zugute; der Konzern verarbeitet unter anderem Öl in Argentinien, Bolivien und Basilien. Schließlich kam und kommen ihm anziehende Gas-Bestellungen aus Amerika zugute; der Durchschnittspreis für Erdgas lag 25 Prozent höher als vor Jahresfrist, der für das Barrel Öl um gut 21 Prozent.

Preisanstieg gleicht einige Nachteile aus

Aufgrund dessen konnte der Konzern einige Nachteile ausgleichen. So profitiert er wegen des bis 2006 gedeckelten Ölpreises in Argentinien weniger als etwa Statoil von der Rohstoffrally. Zweitens ist seine Förderung von Öl rückläufig; im abgelaufenen Quartal fiel sie um 4,4 Prozent. Repsol hat wie Mitbewerber mit endlichen Reserven zu kämpfen. Die bestehenden Öl- und Gasvorkommen sind beim aktuellen Fördertempo in etwa zwölf Jahren ausgeschöpft. Zum Vergleich: Der amerikanische Ölriesen ExxonMobil hat noch Reserven für 14 Jahre, wie Bloomberg News anmerkt.

Vor diesem Hintergrund sucht der Konzern nach neuen Vorkommen. Und um von dem restriktiven argentinischen Umfeld unabhängiger zu werden, will der Vorstand laut Bloomberg bis 2009 neun Zehntel seines Förderwachstums in Libyen und Algerien sowie Trinidad & Tabogo sowie Venezuela erzielen. Dessenungeachtet muß er in Bolivien 72 Verträge für die Suche nach Öl und Gas nachverhandeln, da die Regierung eine Extrasteuer von 32 Prozent auf die Gewinne eingeführt hat; diesen Nachteil müssen allerdings auch Petrobras und ExxonMobil gewärtigen.

Auch im Branchenvergleich günstig bewertet

Eingedenk dieser Entwicklung trauen Analysten dem spanischen Ölkonzern aber weiter steigende Gewinne zu - die wesentliche Grundlage für kletternde Aktienkurse. Mit auf Ergebnisschätzungen beruhenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 9,4 für dieses Jahr und 9,2 für 2006 ist die Aktie günstiger als im vergangenen Jahr (KGV: 11) und zählt im Branchenvergleich zu den niedrig bewerteten Titeln. Dagegen fällt die erwartete Dividendenrendite mit 2,4 Prozent für dieses Jahr und 2,8 Prozent für 2006 unterdurchschnittlich aus.

Vor diesem Hintergrund ist die durchschnittliche Analystenempfehlung, die Aktie zu halten, nicht verkehrt. Aber auch ein Einstieg kann sich weiter lohnen, wenn Ölpreise wie erwartet wieder steigen und Ölaktien diese Bewegung mitmachen. Aus charttechnischer Sicht ist die Lage gut. Die Notiz bewegt sich im Aufwärtstrend. Um das Jahreshoch angreifen zu können, muß sie den kleinen technischen Widerstand bei gut 27,10 Euro überwinden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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