Österreich

OMV-Aktie läuft wie geölt

01.06.2005
, 15:30
OMV verdient unter anderem Geld mit Tankstellen
Mit deutlich erhöhten Kurszielen haben Analysten reihenweise auf die jüngsten Geschäftszahlen von OMV reagiert. Der österreichische Ölkonzern hat erheblich mehr verdient als erwartet. Die Aktie läuft auf Rekordniveau aufwärts.

In den vergangenen Tagen haben Analysten reihenweise die Aktie von OMV hochgestuft. Goldman Sachs hat den Titel von „underperform“ auf „in line“ gesetzt, die Raiffeisen Centrobank (RCB) erhöhte das Kursziel von 285 Euro auf 320 Euro, aus Sicht der Deutschen Bank ist das Papier des österreichischen Ölkonzerns nun 305 Euro nach 275 Euro wert, und die Erste Bank hat ihre Bewertung - „Halten“/270 Euro ausgesetzt. Den größten Sprung machte OMV aber bei den Analysten der Bank Austria. Das Institut hat den Titel von „sell“ auf „buy“ und das Kursziel gleich von 210 Euro auf 300 Euro hochgestuft.

Bank Austria verwies zur Begründung für die Hochstufung auf die beeindruckenden Gewinne von OMV im ersten Quartal. Insbesondere der hohe Beitrag der rumänischen Beteiligung Petrom hat die Analysten überrascht und veranlaßt, die Prognosen für diese zu erhöhen. Die Gewinnschätzungen 2005 bis 2007 erhöhten die Analysten um rund 50 Prozent, auch auf Grund deutlich höherer Förderschätzungen sowie „ziemlich aggressiver Ölpreisannahmen“. OMV entwickele sich zwar im Rahmen der osteuropäischen Wettbewerber, allerdings habe sich der Abschlag zur westeuropäischen Konkurrenz weiter auf 25 Prozent bis 30 Prozent vergrößert. Die OMV-Aktie besitze somit weiteres Aufwärtspotential.

Periodenüberschuß um 256 Prozent gesteigert

Zu den nackten Zahlen: OMV hat im ersten Quartal einen Umsatzsprung von 54 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro verbucht. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) explodierte mit einem Plus von 224 Prozent auf 427 Millionen Euro. Und das Nettoergebnis stieg sogar um sage und schreibe 256 Prozent von 72 Millionen auf 256 Millionen Euro oder 8,59 Euro je Anteilsschein. Vor allem Petrom, die zum ersten Mal in die Bilanz aufgenommenen wurden „hat den Markt mit einer unerwartet starken Performance überzeugt“, urteilte RCB-Analystin Klára Székffy.

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von OMV.
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von OMV. Bild:

Und aufgrund des starken Barmittelzuflusses sei der Verschuldungsgrad der OMV auf ein „unglaubliches Niveau“ von 4,9 Prozent gesunken. Hilfreich sei auch die Senkung der Körperschaftssteuer in Österreich gewesen, wodurch der Effektivsteuersatz bei OMV um sieben Prozentpunkte auf 23 Prozent gesunken sei. Wie Ralf Burchert von der Erste Bank anmerkt, haben beide großen Divisionen Exploration & Production und Refining & Marketing starke Zahlen geliefert. So habe der Konzern von anhaltend hohen Ölpreisen und Kostenkontrollen profitiert.

Die Deutsche Bank lobt OMV als „seltene industrielle Wandlungsgeschichte in einer reifen Branche“ und verweist auf den Kauf von Petrom. Die rumänische Tochter habe höhere Preise durchsetzen können und dürfte künftig wegen der anstehenden Liberalisierung des rumänischen Gasmarktes noch bessere Ergebnisse liefern, so Analyst Nicholas Aldridge.

Aktie auch im Branchenvergleich günstig

Angesichts dieser Stimmen verwundert es nicht, daß die Analysten für dieses Jahr mit einem deutlich steigenden Gewinn rechnen. Aus ihren Schätzungen folgt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 8,5. Damit ist OMV günstiger als Statoil (8,9), Repsol (9,1), Total (9,2), BP (10,1), ENI (10,4) und Royal Dutch/Shell (11,1). Mit Blick auf die Folgejahre sind sie sich nicht einig. Während die Bank Austria und die RCB auch für 2006 mit einem Ertragsplus rechnen, geht die Deutsche Bank von einem Rückgang aus. Mit dieser Meinung steht sie nicht allein, wie aus dem anhand des Durchschnitts der Analystenschätzungen errechneten KGV von 10,1 für 2006 folgt. Aber auch mit diesem Wert ist OMV im Branchenvergleich weit vorne und wird in der Riege der genannten Ölriesen nur von Statoil (9,2) unterboten.

Insofern ist nicht ersichtlich, warum so bald Sand ins Kursgetriebe der OMV-Aktie kommen sollte, die sich binnen Jahresfrist um fast 100 Prozent und binnen Monatsfrist um annähernd 20 Prozent verbessert hat und mithin Spitzenwerte bei Ölaktien geliefert hat. Charttechnisch sieht es ebenfalls sehr gut aus, da der Titel auf Allzeithoch notiert; in Frankfurt werden gut 288 Euro bezahlt, 0,4 Prozent mehr als am Dienstag. Wie andere Ölwerte hat OMV in diesem Jahr relativ empfindlich auf Ölpreisentwicklungen reagiert. Derzeit laufen die Preise für das zähflüssige „schwarze Gold“ wieder aufwärts. Und solange die Weltwirtschaft in guter Form bleibt, dürfte sich daran wenig ändern. Mithin erscheinen die Aussichten auch und gerade für OMV weiter rosig zu sein, auch an der Börse.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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