Osteuropa

Erweiterungs-Zertifikat ermöglicht es, Chancen in Osteuropa über Westfirmen zu spielen

02.03.2005
, 11:58
Wer nicht direkt in osteuropäischen Aktien investieren will, grundsätzlich aber an die Anlagechancen im Osten glaubt, erhält eine neue Chance. Denn Merrill Lynch bietet ein Erweiterungs-Zertifikat an, das aus Westfirmen besteht.

Es soll ja noch immer Anleger geben, die trotz der inzwischen weitverbreiteten Einsicht, daß sich in Osteuropa lukrative Anlagechancen bieten, nicht dazu durchringen können, direkt in osteuropäische Aktien zu investieren. Einerseits hat diese Haltung sicherlich auch mit teilweise inzwischen nicht mehr berechtigten Vorurteilen zu tun. Andererseits sind die Vorbehalte mitunter auch berechtigt, lassen sich viele Ideen an den Börsen vor Ort wegen einem fehlenden Angebot oder zu geringer Liquidität doch nicht immer wie gewünscht umsetzen.

Vor diesem Hintergrund kann es durchaus ein legitimer und intelligenter Ausweg sein, in diejenigen westlichen Unternehmen zu investieren, die ihr Geschäft bereits heute oder in naher Zukunft deutlich nach Osten ausrichten.

Aktienkorb von 25 europäischen Unternehmen mit Ostengagements

Genau auf diese Anlagestrategie ist ein neues Zertifikat von Merrill Lynch ausgerichtet, über das die Anleger bis zum Ende der Laufzeit am 25. Februar 2010 im Verhältnis 1:1 von der Entwicklung der darin enthaltenen 25 Einzelwerte partizipieren. Die Philosophie dieses Produktes besteht darin. Wachstumschancen in den EU Beitrittsländern in Kursgewinne westlicher Unternehmen umzusetzen. In den Beitrittsländern selbst verdeutlichen niedrige Körperschaftsteuern, günstige Löhne, hohe Direktinvestitionen und ein stabiles Wirtschaftswachstum das Potenzial Osteuropas für die nächsten Jahre.

Wie Jacob de Tusch-Lec, Aktienstratege Europa von Merrill Lynch, erklärt, spielen Investoren mit dem ab dem 3. März im Freiverkehr an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gehandelte Papier (bei der Emission kostet das Zertifikat 100 Euro) „quasi über Bande und profitieren durch ein Engagement im Westen von der Wachstumsdynamik im Osten.“ Dabei gelten die osteuropäischen Länder weniger als Absatzmarkt für westliche Produkte als vielmehr als zunehmend ausgelagerte Produktionsstätten westlicher Unternehmen - mit entsprechend steigendem lokalen Bedarf an Finanzierung und Konsum als direkter Folge.

Um gezielt in solche Unternehmen zu investieren, hat Merrill Lynch für sein EU Erweiterungs-Zertifikat einen Aktienkorb von 25 europäischen Unternehmen zusammengestellt, die bereits heute mindestens zehn Prozent ihrer Erträge in Zentral- und Osteuropa erwirtschaften, und / oder einen wesentlichen Anteil des Ertragswachstums in dieser Region heute oder in Zukunft erzielen, und / oder - ihre Investitionstätigkeiten verstärkt auf den osteuropäischen Wirtschaftsraum konzentrieren Alle 25 Titel sind mit jeweils vier Prozent gleich gewichtet, und die Zusammensetzung bleibt des Aktienkorbs bleibt bis zum Ende der Laufzeit unverändert.

„Natürlich spielt bei der Wertentwicklung dieser Unternehmen der Heimatmarkt weiterhin eine wesentliche Rolle. Aber gleichzeitig spiegelt sich die Wachstumsphantasie Ost so nachhaltig in der Unternehmensstrategie wieder, daß dies für die erhoffte Outperformance den entscheidenden Unterschied bedeuten kann", sagt de Tusch-Lec.

Mit dem Zertifikat lassen sich drei Wachstums-Stories spielen

Aus der Zusammensetzung des EU Erweiterungs-Baskets (ISIN: DE000A0DW9R9) werden laut Merrill Lynch drei Wachstums-Stories deutlich: Potenzial haben insbesondere - Finanztitel, denn in Osteuropa sind Banken noch unterrepräsentiert und Konsumentenkredite, Fonds- und Hypothekenvolumina bislang kaum vorhanden. - Unternehmen der Bauwirtschaft, denn Privatkredite, Hypothekenfinanzierungen und eine wachsende Mittelschicht steigern das Potenzial für Bauvorhaben. Vorzeigeunternehmen Nummer eins ist Wienerberger, aus Deutschland ist HeidelbergCement mit von der Partie. - Handelsunternehmen / Konsumwerte, deren Massengeschäft vom zunehmenden Wohlstand und der hohen Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs profitiert. Das Paradebeispiel im Aktienkorb dafür ist Metro.

„Anleger gewinnen Sicherheit, indem sie in diese etablierten Unternehmen in einem gefestigten Umfeld investieren. Sie vermeiden Marktrisiken oder politische Unsicherheiten, mit denen sie gegenwärtig noch in den Beitrittsländern rechnen müssten", so der Analyst. Zudem bietet ihnen der Korb aus 25 strategisch ausgewählten Einzeltiteln die Chance, ihr Portfolio über die drei Branchenschwerpunkte und insgesamt zehn - ausschließlich etablierte - EU-Länder zu diversifizieren.

Am meisten Spaß dürfte eingefleischten Börsianer aber trotzdem noch immer ein Direktengagement machen. Doch für diejenigen, denen die Einzelanlage ein zu großer Aufwand und eine zu wenig diversifizierte Vorgehensweise ist, kann das Zertifikat eine langfristige Alternative zur Depotbeimischung sein.

Das EU Erweiterungs-Basket bestand am 17. Januar 2005 aus folgenden Aktien (Gewichtung jeweils vier Prozent):

Alpha Bank A.E., Griechenland
Banca Intesa SPA, Italien
Bank Austria Creditanstalt AG, Österreich
Coca Cola Hellenic Bottling Company S.A., Griechenland
Erste Bank der österreichischen Sparkassen AG, Österreich
Generali Holding Vienna AG, Österreich
HeidelbergCement AG, Deutschland
Jeronimo Martins SGPS S.A., Portugal
KBC Bankverzekerings Holding, Belgien
Mayr-Melnhof Karton AG, Österreich
Metro AG, Deutschland
National Bank of Greece S.A., Griechenland
OMV AG, Österreich
Oriflame Cosmetics SA - SDR, Schweden
Hellenic Telecommunications Organization S.A. (OTE), Griechenland
Rieber & Son ASA, Norwegen
SBS Broadcasting SA, Luxemburg
Societe Generale, Frankreich
Stockmann OYJ, Finnland
Swedbank AB, Schweden
Telekom Austria AG, Österreich
Unicredito Italiano SPA, Italien
SEB AB, Schweden
Skanska AB, Schweden
Wienerberger AG, Österreich


Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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