Rohstoffe

Aktie von Alcoa im Abwärtstrend

08.07.2005
, 09:26
Aluminium-Rohlinge bei Alcoa-Kofem
„Rohstoffwerte muß man haben,“ lautet die Quintessenz vieler Berichte der jüngeren Vergangenheit. Der Kursverlauf bei Alcoa zeigt, daß das kein Gesetz ist. Die Aktie befindet sich im Abwärtstrend, steigende Kosten hinterlassen Spuren.

Die Preisentwicklung bei Rohstoffen in den vergangenen Monaten sorgte für Schlagzeilen und animierte die Anleger nach „Jahren der Abstinenz“ und der Technikfixiertheit wieder dazu, wieder vermehrt in diesem Bereich zu investieren. Allerdings sollte man das nicht blind und grenzenlos tun.

Das zeigt sich unter anderem an der Kursentwicklung des amerikanischen Aluminiumunternehmens Alcoa. Die Aktie lief zwar vom März des Jahres 2003 bis in den Januar des Jahres 2004 hervorragend und legte um bis zu 126 Prozent zu. Aber das war es dann gewesen. Die Aktie sah zwar auch zu diesem Zeitpunkt optisch noch günstig aus, da die Analysten ihre Gewinnschätzungen stark angehoben hatten.

Alcoa-Aktie seit eineinhalb Jahren im Abwärtstrend

Damit scheinen sie aber schief gelegen zu haben. Denn die Aktie durchbrach im Frühjahr des vergangenen Jahres ihren kurzfristigen Aufwärtstrend und ging in einen volatilen Abwärtstrend mit leichter Neigung nach unten über. Ausgehend von ihrem Zwischenhoch bei 39,44 Dollar, hat sie inzwischen wieder knapp 34 Prozent ihres Wertes auf zuletzt 26,09 Dollar verloren. Technisch betrachtet hat sie mittlerweile eine Unterstützungszone erreicht.

Bild: FAZ.NET

Fundamental betrachtet hat das Unternehmen im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres den Umsatz zwar um 13 Prozent auf 6,76 Milliarden Dollar erhöht und damit die Markterwartungen übertroffen. Analysten hatten bei dem Aluminiumhersteller mit einem Umsatz von 6,64 Milliarden Dollar gerechnet. Die Umsatzentwicklung des Unternehmens zeigt schon seit Jahren im Trend nach oben. Aber das will ohne Berücksichtigung der Kosten noch nicht viel heißen. Das zeigt sich auch bei Alcoa.

Der Aluminiumkonzern konnte in den drei Monaten von April bis Juni sei das Nettoergebnis zwar um 14 Prozent auf 460 Millionen Dollar oder 0,52 Dollar je Aktie steigern und damit die allgemein erwarteten 45 Cents je Aktie optisch deutlich übertreffen. Allerdings spielte dabei einmalige Sondererlöse aus dem Verkauf des Elkem-Anteils und aus Steuergutschriften eine maßgebliche Rolle. Ohne Sondereffekte lag das Ergebnis bei 0,44 Dollar oder 0,46 Dollar aus fortgeführtem Geschäft. Und das dürfte die hohen Erwartungen eher enttäuschen.

Optisch günstig bewertet - aber möglicherweise auf Basis optimistischer Ertragsprognosen

Auch der Ausblick auf die weitere Entwicklung ist nicht sonderlich ermunternd. Denn das Unternehmen muß die inzwischen gefallenen Preise bei Aluminium einkalkulieren. Als Trost baut Finanzchef Richard Kelson auf eine robuste Konsumnachfrage im Verpackungsbereich. Fragt sich nur, wie lange die amerikanische Konsumblase noch andauert. Gleichzeitig rechnet er aber auch mit einer guten Nachfrage von Seiten der Flugzeughersteller. In diesem Bereich sei der Umsatz im ersten Quartal um neun Prozent gestiegen, während sie im Automobilsektor gerade einmal um ein Prozent zugenommen habe.

Aber auch hier gilt: Umsatz ist nicht alles. Denn das Unternehmen sieht sich mit steigenden Energiekosten und anderen Kostenfaktoren konfrontiert. Insgesamt scheint die Lage des Unternehmens damit nicht sonderlich komfortabel zu sein. Manche Fondsmanager reden zwar von einem unterbewerteten und unterschätzten Unternehmen. Der Markt hat jedoch in den vergangenen Monaten das Gegenteil bewiesen. Sollte sich die Weltkonjunktur weiter abschwächen, dürfte die Aktie kaum zulegen.

Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 14 und 11,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr und einer Dividendenrendite von 2,3 Prozent scheint die Aktie vernünftig bewertet zu sein. Die entscheidende Frage ist, ob die Gewinnentwicklung nicht noch überschätzt wird. In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, sich nicht gegen den Markt zu stellen. Und dieser zeigt im Trend nach unten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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