Rohstoffe

Alcoa-Aktie so weich wie Aluminium statt stahlhart

11.01.2005
, 08:38
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Alcoa.
Alcoa hat die Berichtssaison zum vierten Quartal an der Wall Street mit enttäuschenden Zahlen eröffnet. Die Entwicklung des Aluminium-Preises, die Bewertung und der Trend sprechen gegen den Titel.

Der Aluminiumkonzern Alcoa eröffnet an der Wall Street traditionell die Berichtssaison der Aktiengesellschaften. Die jüngsten Nachrichten aus dem Hause Alcoa dürften die Aktionäre nicht so gern vernommen haben. Denn der Konzern hat sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag die Erwartungen des Marktes nicht erfüllt.

Zwar geht Alcoa davon aus, Kostensteigerungen bei Energie durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen. Der Aktie von Alcoa ist diese Gemengelange dennoch nachbörslich nicht gut bekommen: Sie büßte 1,4 Prozent auf 30,04 Dollar ein, nachdem sie im regulären Handel schon 0,5 Prozent auf 30,47 Dollar verloren hatte und damit der fünftschwächste Titel im Dow Jones-Index war.

Und Aktionäre sollten wohl nicht auf kurzfristige deutliche Kursgewinne hoffen. Nicht nur wegen des rückläufigen Aluminiumpreises: Der Titel ist zwar günstiger bewertet als der Gesamtmarkt in Amerika, aber teurer als Konkurrent Alcan. Dazu ist der Trend negativ, und die Notiz bewegt sich am unteren Rand der seit einem halben Jahr geltenden Handelsspanne.

Zwei Cents weniger je Aktie verdient als erwartet

Beim Ergebnis je Aktie aus fortgeführtem Geschäft berichtete der Aluminiumproduzent im Schlußquartal 0,39 Dollar, während die Analysten hier ein Ergebnis von 0,41 je Anteilsschein erwartet hatten. Den Umsatz erhöhte Alcoa in dem Zeitraum von September bis Dezember um zwölf Prozent auf 6,04 Milliarden Dollar, wie der Konzern am Montag nach Börsenschluß in Amerika berichtete. Die Analysten hatten jedoch mit einem Anstieg beim Erlös auf 6,1 Milliarden Dollar gerechnet. Das Nettoergebnis fiel mit 268 Millionen Dollar um knapp acht Prozent geringer aus als im Vorquartal. Als Grund für das rückläufige Nettoergebnis führte Alcoa Sonderbelastungen beim Verkauf von Unternehmensteilen an, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Zudem hätten die hohen Energiekosten sowie der schwache Dollar belastet.

Alcoa erwartet, daß die höhere operative Effizienz und die Einsparungen die gestiegenen Kosten im laufendem Jahr ausgleichen werden. Dies sagte Alcoa-Chef Alain Belda auf einer Telefonkonferenz nach Veröffentlichung der Viertquartalsergebnisse. Die Kosten dürften sich 2005 an die 600 Millionen Dollar erhöhen, hier seien die Aufwendungen für höhere Energiepreise und Rohmaterialkosten berücksichtigt. Auch die Währungskursentwicklung sei hier in die Berechnung einbezogen worden. Im Gegenzug erwarte Alcoa im laufenden Jahr Kosteneinsparungen von 620 Millionen Dollar.

Seit Ende November ein Sechstel des Wertes eingebüßt

Bei Analysten ist Alcoa durchaus auf Verständnis gestoßen: „Energie wird immer teurer, wenn die Preise für Basismetalle steigen“, sagte Victor Lazarovici von BMO Nesbitt Burns in New York zu Bloomberg News. „Dadurch sind die Gewinnspannen nicht so auszudehnen, wie es angesichts der Preissteigerungen bei Metalle zu vermuten wäre.“ Lazarovici hat die Alcoa-Aktie gleichwohl auf „outperform“ eingestuft, empfiehlt also zum Kauf und erwartet, daß sie sich besser entwickelt als der Dow Jones.

Allerdings ist besonders der kurzfristige Trend negativ, da sich der Titel seit Ende November von knapp 35 Dollar auf zuletzt gut 30 Dollar verbilligt und folglich ein Sechstel seines Wertes eingebüßt hat. Um seine technische Lage nicht noch weiter zu verschlechtern, muß er sich über der Unterstützungszone bei 29,50 Dollar halten, was ihm seit Mai zweimal gelungen ist.

Die Bewertung ist indes auch kein Kaufgrund: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,05 ist Alcoa zwar auf den ersten Blick moderat bewertet, aber teurer als die Aktie von Alcan mit 11,55. Dabei sind nicht zuletzt die sinkenden Erträge zu beachten, die negativ zu Buche schlagen. Falls Alcoa die Erwartungen nicht erfüllen sollte, wäre die Aktie sogar teurer, als sie derzeit wirkt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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