Rohstoffe

Der Durst auf Kakao bricht durch

27.07.2004
, 12:22
Die Preisentwicklung bei Rohstoffen hat in jüngster Zeit verstärkt Beachtung gefunden. Nicht nur bei Bodenschätzen. In den vergangenen Tagen hat der Kakao-Future den Abwärtstrend überwunden und bis zu 26 Prozent zugelegt.
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Nach einer langen Zeit der geringen Beachtung machte die Preisentwicklung bei Rohstoffen in den vergangenen Monaten immer einmal wieder von sich Reden. Das gilt nicht nur für die Entwicklung bei den Bodenschätzen, sondern beispielsweise auch für Zucker, Nutzholz und in jüngster Zeit auch Orangensaft und Kakao.

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Bei Orangensaft ist der Auslöser für die - ausgehend von einem Rekordtief - zuletzt rasch steigenden Preise einerseits in der Spekulation auf eine unterdurchschnittliche Ernte zu suchen. Andererseits auf das Auftauchen einer Krankheit, die die Orangenplantagen in Brasilien befällt und eine Neupflanzung von Bäumen erforderlich macht. Die Dimension dieses Phänomens ist noch nicht klar. Tatsache ist allerdings, daß das Orangenangebot in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen könnte, wenn sich die Krankheit rasch verbreiten würde.

Spekulanten bauen auf steigende Preise

Beim Kakaopreis stehen zunächst einmal spekulative Entwicklungen im Brennpunkt. Denn in der vergangenen Woche bauten Anleger an der New Yorker Terminbörse so genannte „Long-Positionen“ auf und spekulieren damit auf steigende Kurse. Die Anzahl der Long-Kontrakte überwog die Zahl der Short-Kontrakte um 3.255 Stück, nachdem diese Zahl eine Woche zuvor noch minus 6.740 Kontrakte betragen hatte.

Hintergrund sind Vermutungen, die noch bis vor kurzem im Trend fallenden Preise hätten Anbauer an der Elfenbeinküste dazu veranlaßt, ihre Produktion einzuschränken. Denn lag der Preis des Kakao-Futures im Januar des vergangenen Jahres noch bei 2.420 Dollar je metrischer Tonne, so war er bis zu Beginn des laufenden Monats um satte 46 Prozent bis auf 1.298 Dollar je Tonne gefallen.

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„Die Prognose für die Produktion in der Region ist nicht sonderlich gut,“ sagte Laurent Pipitone von der Kakao-Organisation in London in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die tiefen Preise im laufenden Jahr haben die Kakaobauern nicht gerade zur Produktion ermuntert,“ ergänzte er. Dabei hätte die politische Instabilität im Lande keine Rolle gespielt, allerdings seien gleichzeitig die Erwartungen mit Blick auf die Produktion in Ghana reduziert worden.

Wetterverhältnisse und Anbeimengen spielen eine Rolle

Bei der Preisentwicklung von nachwachsenden Rohstoffen spielt immer auch die Wetterprognose eine Rolle. So erhalten die Spekulanten immer dann zusätzlichen Auftrieb, wenn zu wenig oder zuviel Regen fällt. Mit Blick auf die Elfenbeinküste und Ghana scheint aktuell die Sorge über eine mögliche Trockenheit eine Rolle zu spielen. Die Effekte zusammen haben den Kakao-Future vom jüngsten Zwischentief bei 1.298 Dollar innerhalb weniger Tage um bis zu 26 Prozent auf zuletzt 1.594 Dollar je Tonne steigen lassen.

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„Die Bewegung könnte allerdings schnell wieder nach unten korrigiert werden, falls sich die Wetterbedingungen in Westafrika verbessern sollten, denn der Preis hat sich von den fundamentalen Daten entfernt,“ beschrieb Analyst Jonathan Parkman von Credit Lyonnais Rouse das kurzfristig denkbare Risiko. Er geht letztendlich für das Jahr von einem ausgeglichenen Angebots-Nachfrage-Verhältnis aus.

Aus diesem Grund dürfte nicht risikolos sein, als Anleger auf solche Bewegungen zu setzen. Denn im Unterschied zu Bodenschätzen oder Edelmetallen ist das Angebot von nachwachsenden Rohstoffen nicht endlich, und hängt zusätzlich von volatilen Faktoren wie dem Wetter oder der Anbaumenge ab. Gerade hier dürften psychologische Effekte eine Rolle spielen: Je tiefer der Preis, um so geringer der Anreiz, Kakao zu pflanzen und um so größer die Wahrscheinlichkeit, daß der Preis danach irgendwann steigt - und umgekehrt. Und das jüngste Zwischentief war mit den 1.298 Dollar gar nicht so extrem, denn im November des Jahres 2000 hatte der Preis sogar bei 680 Dollar je Tonne gelegen. Das dürfte zu gewissen Zweifeln an der Nachhaltigkeit es Preisanstieges führen.

Quelle: @cri
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