Rohstoffe

Gold-Aktien zeigen wieder Triebkraft

24.08.2004
, 08:25
Gold notierte am Dienstag so hoch wie zuletzt 1983
Gold hat sich aus seinem zwischenzeitlich erreichten Tal erhoben und bewegt sich klar oberhalb der 400-Dollar-Marke. Noch stärker verbessert haben sich südafrikanische Gold-Aktien, denen auch die Rand-Schwäche nutzt.

Die Zeiten für das gelbe Edelmetalle haben sich verbessert, und die Aussichten gelten als recht glänzend: Vergangene Woche kletterte der Goldpreis 3,6 Prozent auf 415,50 Dollar je Unze, der größte Sprung seit fünf Monaten. Zwar ist er zu Wochenbeginn wieder auf 406,38 Dollar gefallen, da der Dollar gegenüber dem Euro leicht an Boden gewinnt. Doch die Optimisten unter den Beobachtern des Goldes kann das nicht schrecken.

Der Goldpreis dürfte diese Woche weiter anziehen, ergab eine Umfrage von Bloomberg News unter 53 Händlern. Grund dafür sind Befürchtungen, daß sich das Wirtschaftswachstum in Amerika verlangsamen wird. Dies belastet die Aktienkurse und Gold rückt als alternative Anlage in den Mittelpunkt. Siebenundzwanzig der befragten Händler, Investoren und Analysten rieten bei der Umfrage vom vergangenen Donnerstag und Freitag zum Kauf von Gold, 13 zum Verkauf und 13 zum Halten. In der Vorwoche hatten noch 14 von 33 Händlern zum Kauf geraten.

Parallel zum Preis der Unze Gold haben sich auch Aktien besonders in Südafrika ansässiger Goldförderer verteuert. Binnen Monatsfrist ist der Kurs von Anglogold Ashanti um gut neun Prozent gestiegen, während das Papier von Anglo American um 10,6 Prozent schwerer geworden ist und jenes von Randgold rund 9,5 Prozent teurer ist als vor vier Wochen. Goldfields ist um sage und schreibe 37 Prozent gestiegen. Diese Unternehmen profitieren nicht nur vom Aufschwung beim Goldpreis, sondern auch und gerade durch die akute Schwäche der südafrikanischen Währung Rand (). Dadurch erhalten diese Konzerne mehr Rand je Dollar.

Anglogold, Anglo American und Gold Fields besser gelaufen als Gold

Dabei steigen die Kurse der genannten Gold-Aktien nicht im Gleichschritt mit dem Preis der Unze Gold. Vielmehr eilen sie diesem voraus. Der Goldpreis stieg binnen lediglich um gut fünf Prozent. Und auch auf Sicht von drei Monaten liegen drei dieser vier Aktien bei der Wertentwicklung vorne: Anglogold Ashanti verbuchen ein Plus von 7,1 Prozent, Anglo American einen Aufschlag von 13,6 Prozent und Gold Fields ein Plus von 15 Prozent; Randgold bleibt dagegen mit einem Zuwachs von 4,2 Prozent zurück.

Dabei weisen die Unternehmen durchaus unterschiedliche fundamentale Entwicklungen auf. Anglogold Ashanti, hervorgegangen aus dem Unternehmen Anglogold und Ashanti, produzierten im ersten Halbjahr weniger Edelmetall als vor Jahresfrist. Der operative Profit sank von 287 Millionen Dollar auf 134 Millionen Dollar, wobei die seinerzeitige Rand-Stärke das Ergebnis drückte. Der Gewinn je Aktie ging von 55 auf elf Cents zurück (und von 4,45 Rand auf 75 südafrikanische Cent). Die Zwischendividende sank von 51 auf 27 Cents aufgrund des gesunkenen Profits und aus Umsicht angesichts der seinerzeit sinkenden Goldpreise.

Goldfields könnte positiv überraschen

Anglo American steigerte dagegen im ersten Halbjahr nicht nur den Gewinn von 856 Millionen Dollar auf 1,304 Milliarden Dollar, sondern auch den Umsatz von 12,076 Milliarden Dollar auf 15,235 Milliarden Dollar. Damit verzeichnete der Konzern, der auch Basismetalle sowie Kohle und Platin hervorbringt, ein Rekordergebnis. Mit Anglogold Ashanti hat der Konzern den zweitgrößten Goldproduzenten der Welt in seinen Reihen. Anglo American äußerte sich mit Blick auf die überschaubare Zukunft zuversichtlich, die Performance bewahren zu können - selbst wenn der Rand stark bleiben sollte, was derzeit nicht der Fall ist.

Gold Fields produzierte in seinem Geschäftsjahr 2003/04 wie zuletzt Anglogold Ashanti weniger Gold als vor Jahresfrist, konnte indes den Umsatz von 333 auf 387 Dollar je Unze steigern. Der operative Profit sank jedoch wegen höherer Kosten und des starken Rand von 523 Millionen Dollar auf 336 Millionen Dollar, der Nettogewinn von 47 auf 18 Cents je Aktie. Für das laufende Quartal gab sich Goldfields recht pessimistisch. Wegen der gesunkenen Goldpreise dürfte das Septemberergebnis unter dem des Vorquartals liegen, hieß es. Da sich der Goldpreis aber erholt und der Rand schwächelt, könnte der Konzern positiv überraschen.

Anglogold, Goldfields und Randgold hoch bewertet

Die genannten Goldminen-Aktien haben gemeinsam, in einer recht vorteilhaften charttechnischen Lage zu sein. Anglo Gold und Anglo American befinden sich im langfristigen Aufwärtstrend und zeigen nach einem Absturz im April wieder Dynamik, wobei Anglogold auch den seit Dezember 2003 aufgebauten negativen Trend geknackt hat. Auch der Chart von Gold Fields weist seit einigen Wochen oben, die Aktie nagt zudem am Ausbruch aus dem seit Mitte 2002 geltenden Abwärtstrend.

Weniger vorteilhaft nimmt sich die Bewertung aus: Gold Fields, Randgold und Anglogold sind mit - auf der Konsensschätzung von Analysten beruhenden - Kurs-Gewinn-Verhältnissen von mehr als 30 hoch bewertet; Anglogold kommt sogar auf ein KGV von 40,1. Besser sieht es bei dem breit aufgestellten Konzern Anglo American aus, der mit 12,4 moderat bewertet ist und insofern am attraktivsten anmutet. Bei Gold Fields ist indes in Erinnerung zu rufen, daß der Konzern vor Wochen bei seiner Quartalsprognose mit sinkenden Goldpreisen und einem starken Rand rechnete - entsprechend mager ist die Prognose ausgefallen. Steigende Goldpreise und ein fallender Rand dürften dem Konzern aber mehr Geld als erwartet bescheren.

Die aktuelle Gemengelage wirkt insgesamt günstig für die südafrikanischen Goldproduzenten. Die einheimische Währung dürfte nach der jüngsten Zinssenkung schwächer bleiben, als sie vor gut einem Monat noch war; derzeit versucht der Rand, sich gegenüber dem Dollar bei gut 6,60 Rand zu fangen, nachdem er im Juli noch bei knapp 5,9 Rand, also mehr als zehn Prozent höher stand. Die Entwicklung des Goldpreises wird wie in der Vergangenheit auch und gerade von der Stärke oder Schwäche des Dollars und des Vertrauens in die amerikanische Leitwährung abhängen. Die Charttechnik spricht derzeit (noch) für Gold, das von Analysten auf Sicht höher gesehen wird. Gemessen am Überraschungspotential und der relativ günstigsten Bewertung scheint bei den reinen Goldminen-Aktien bis auf weiteres Gold-Fields die vielversprechendste Wette zu sein.

Der Chart zeigt die in Pence ausgedrückte Kursentwicklung der Aktie von Anglo American in London.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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