Rohstoffe

Goldpreis auf Sieben-Jahres- Hoch

25.09.2003
, 14:20
Der Goldpreis ist weiter auf dem Weg nach oben
Die Börsen haben an Schwung verloren, dagegen nähert sich der Goldpreis immer mehr der Marke von 400 Dollar je Unze. Sollte die Unsicherheit an den Finanzmärkten zunehmen, dürfte sie rasch überwunden werden.

Mit einem Kurs von 392,475 Dollar je Feinunze Gold erreicht das Edelmetall am Donnerstag nicht nur den höchsten Stand seit mehr als sieben Jahren, sondern setzt damit auch den im März des Jahres 2001 etablierten, steilen, kurzfristigen Aufwärtstrend fort.

Das dürfte ein deutliches Zeichen für die Unsicherheit sein, die an den Finanzmärkten in jüngster Zeit wieder um sich greift. Dazu tragen auf der einen Seite die Börsen bei, die ihre Aufwärtsdynamik offensichtlich verloren haben, auf der anderen die Furcht vor einem höheren oder relativ hoch bleibenden Ölpreis und nicht zuletzt die jüngsten Ereignisse am Devisenmarkt. Dort waren nach einem Treffen Finanzminister der G7-Staaten, also der größten Industriestaaten, vor allem die Währungen der asiatischen Staaten in die Diskussion geraten.

An den Finanzmärkten zeigen sich langsam blanke Nerven

Denn sie werden durch zum Teil massive Interventionen oder eine offizielle Bindung an den Dollar an der Aufwertung gehindert. Und das, obwohl diese Staaten massive Handelsbilanzüberschüsse aufweisen und zum Teil über hohe Devisenreserven verfügen. Das Kernproblem dabei ist aber, daß die Vereinigten Staaten gleichzeitig ein gigantisches und immer größer werdendes Handelsbilanzdefizit aufweisen. Eine Anpassung scheint zumindest zum Teil nur über eine Abwertung des Dollars möglich zu sein. Bisher hat er allerdings vor allem gegen die europäischen Währungen verloren. Das wiederum bringt die europäischen Staaten in die Bredouille, da ihre Exporteure an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Allein das Hick-Hack um die Währungen zeigt, daß viel Politik im Spiel ist. Mit geradezu extremen Mitteln - hohe Verschuldung, Steuersenkungen, extrem hohe Geldmenge - versucht die amerikanische Administration ihre Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das scheint auch zunächst zu gelingen. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit bisher noch hoch und die Frage ist, ob mehr als nur ein Strohfeuer möglich ist. Wenn die Investitionen nicht anspringen und die Unternehmen nicht mehr Arbeitsplätze schaffen, könnte der bisher hohe Konsum zurückgehen und eine Rezession auslösen. Das wäre schlecht für die Börsen.

Goldpreis kann bei zunehmender Nachfrage explodieren

Aber selbst wenn die amerikanische Konjunktur tatsächlich anspringen und die Weltkonjunktur in Schwung bringen sollte, gibt es Risiken. Denn dann käme sofort die Sorge über die weltweit hohen Geldmengen zu tragen. Die müßte dann entweder zu rasch und massiv steigenden Zinsen oder zu einer Inflation führen. Beider Szenarien wären schlecht für die Finanzmärkte.

Aus diesen Gründen landen immer mehr Anleger beim Gold und bei Goldminenaktien. Denn das Edelmetall gilt gewissermaßen als letzter sicherer Hort. Der wird zusätzlich auch noch gestützt durch eine zunehmende Nachfrage aus Asien, insbesondere aus China. Dort wächst die Wirtschaft mit hohen Wachstumsraten. Und das relativ unabhängig von der Weltkonjunktur.

Da der Goldmarkt an sich im Vergleich mit den Finanzmärkten klein ist, kann es zu einer richtigen Preisexplosion kommen. Wenn sich daher die Krisensymptome verdichten sollten und auch nur ein Bruchteil der an den Börsen oder Rentenmärkten angelegten Mittel in den Markt strömen, dann dürften rasch sämtlich charttechnischen Marken nach oben überwunden werden. Damit dürfte eine Beimischung von ausgesuchten Goldminenwerten im Portfolio überlegenswert erscheinen. Bei allem Risiko, das der enge Markt mit sich bringt.

Der Chart zeigt den Kursverlauf des Goldpreises in den vergangenen Jahren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot