Rohstoffe

Händler sehen längste Goldrally seit 30 Jahren

27.12.2004
, 15:31
Der Chart zeigt die Entwicklung der Goldpreises in den vergangenen Jahren in Dollar
Gold hat in den vergangenen Jahren in Dollar deutlich zugelegt. Anleger sichern sich mit dem Kauf gegen den fallenden Dollar und andere Unsicherheiten ab. Allerdings ist die Goldrally noch nicht so kräftig wie die in der Nixon-Ära war.
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Der Goldpreis ist mit rund 442 Dollar je Unze bereits in der Nähe eines 16-Jahreshochs angelangt. Damit steuert das Edelmetall auf die längste Rally seit Anfang der 70er Jahre zu. Der fallende Dollarkurs und Inflationsängste verhelfen Gold in den Augen der Investoren wieder zu Glanz.

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Seit dem Jahr 2001 ist Gold im Höhenflug, zuletzt ging es von 1970 bis 1974 fünf Jahre in Folge aufwärts. Damals kletterte die Inflation unter Präsident Richard Nixon auf zwölf Prozent, fünfmal mehr als heute. "Der aktuelle Zyklus ist genau wie in den 70ern", sagt Frank Holmes, Vorstandschef von U.S. Global Investors in San Antonio, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. "Die Inflation ist nicht so hoch, aber das dürfte nur eine gewisse Zeit dauern."

Gold als Absicherung gegen den fallenden Dollar und schwächelnde Aktien

Für das kommende Jahr erwarten Händler, Investoren und Analysten in einer Bloomberg-Umfrage einen durchschnittlichen Preis von 435 Dollar je Unze Gold, sechs Prozent höher als in diesem Jahr. Die Prognosen reichen von 395 Dollar bis 550 Dollar. "Angesichts einer steigenden Nachfrage und eines geringeren Angebots müssen die Preise steigen", konstatiert Graham Birch, Fondsmanager bei Merrill Lynch & Co. in London. Am 2. Dezember war Gold mit 456,89 Dollar je Unze so teuer wie zuletzt im Juni 1988. Am Montag wurde das Edelmetall zu 443,20 Dollar die Unze gehandelt.

Seit Juli des Jahres 2001 ist der amerikanische Dollar gegenüber dem Euro auf Talfahrt, am Montag erreichte er mit 1,3555 Dollar je Euro ein neues Rekordtief. Der Kursverfall der amerikansichen Währung veranlaßte Investoren, sich mit dem Kauf von Edelmetallen gegen fallende Kurse bei amerikanischen Wertpapieren abzusichern. Der Dow Jones Industrial Average hat seit Juli 2001 fünf Prozent verloren, der Standard & Poor's 500 liegt zwölf Prozent im Minus.

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"Die Situation ist der Lage in den 70ern nachdem Nixon gewählt wurde, extrem ähnlich,", beschreibt John Embry, bei Sprott Asset Management in Toronto für die Investments verantwortlich. "Die Aktien brachen ein und der Goldpreis kletterte." Embry verwaltet den 296 Millionen kanadische Dollar schweren Sprott Gold and Precious Minerals Fund, der zu zehn Prozent in Edelmetallen und zu 90 Prozent in Edelmetall-Produzenten investiert ist. Der Fonds hat seit seiner Auflegung im November 2001 seinen Wert mehr als verdreifacht.

Für dieses Jahr liegt der Fonds 20 Prozent im Minus. Und der Merrill Lynch Gold & General Fund, der seit dem Jahr 2000 den Dow und den S&P 500 bei der Performance abgehängt hatte, ist 15 Prozent gefallen. Der Kursverfall des Dollar hat die Kosten für Goldproduzenten, die in Südafrika, Kanada oder Australien nach Gold schürfen, in die Höhe getrieben und schmälert ihre Einnahmen aus dem Goldverkauf.

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Goldrally nicht so kräftig wie in der Nixon-Ära

Die Goldrally in diesem Jahrzehnt ist allerdings nicht so kräftig wie in der Nixon-Ära. In den fünf Jahren bis Ende 1974 legte der jährliche Goldpreisanstieg von 6,5 Prozent auf 72 Prozent zu. In diesem Jahr ist Gold rund sechs Prozent teurer geworden, nach 19 Prozent im letzten Jahr und 25 Prozent im Jahr 2002.

Während der beiden letzten Jahre der 70er Jahre-Goldrally sackte der Dow Jones-Index rund 40 Prozent ab. Gestiegene Staatsausgaben für den Vietnamkrieg und für soziale Programme hatten aus einem Haushaltsüberschuß ein Defizit gemacht und die Inflation angeheizt. Ein wachsendes Handelsdefizit zwang Amerika, sich 1971 vom Goldstandard zu verabschieden. Der Goldpreis, der seit 1946 mit 35 Dollar die Unze festgelegt war, stieg bis zum Jahresende 1974 auf 140,25 Dollar.

Inflation, die die Rendite festverzinslicher Anlagen verringert, hat in diesem Jahr amerikanische Anleger zu Investments in Dollar-denominierte Edelmetalle veranlaßt. Die amerikanische Notenbank hat die Zinsen 2004 fünfmal auf nunmehr 2,25 Prozent angehoben, um die Inflation im Zaum zu halten. Die Teuerung ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln und Energie lag für die ersten zehn Monate des Jahres bei 2,2 Prozent.

Sorgen machen den Anlegern auch die Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite Amerikas, die beide auf Rekordhöhe geklettert sind. Für das am 30. September beendete Haushaltsjahr wiesen die Vereinigten Staaten ein Budgetdefizit von 412,6 Milliarden Dollar aus, die Leistungsbilanz wies in den drei Monaten bis Ende September ein Minus von 164,7 Milliarden Dollar aus.

Quelle: Bloomberg
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