Rohstoffe

Soja im kurzfristigen Aufwärtstrend

03.03.2005
, 17:15
Der Preis von Soja hat an den Terminmärkten innerhalb kurzer Zeit um 25 Prozent zugelegt. Der kurzfristige Trend zeigt nach oben. Hintergrund ist die Sorge über ein zurückgehendes Angebot, bei gleichzeitig steigender Nachfrage.

Die Rohstoffpreise haben in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt, da die Preise zum Teil deutlich angezogen haben. Das galt und gilt in erster Linien für Bodenschätze wie Kohle, Erze, Öl und Gas.

Sie können einerseits davon profitieren, daß die Nachfrage auf Grund des weltwirtschaftlichen Wachstums zu genommen hat. Dieser Effekt wird besonders spürbar, weil in der Vergangenheit in diesen Bereichen gerade auf Grund tiefer Preise nicht nur relativ wenig investiert wurde, sondern gleichzeitig zum Teil auch Kapazitäten abgebaut wurden.

Kurzfristig deutliche Kursschwankungen bei nachwachsenden Rohstoffen möglich

Das Phänomen gilt zum Teil auch für die nachwachsenden Rohstoffe wie Zucker, Kaffee, Orangensaft und anderen. Es gibt Stimmen, die auch in diesem Bereichen eine Angebotsknappheit prognostizieren. Im Unterschied zu den „harten Rohstoffen“ dürfte hier das Angebot allerdings mittelfristig deutlich elastischer sein und auf Preissteigerungen reagieren. Denn es läßt sich - mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf natürlich - beinahe beliebig ausweiten. Sind dann erst einmal die Produktioskapazitäten geschaffen, dann dürfte der Preis wieder unter Druck geraten.

Bild: Bloomberg

Dagegen kann es kurzfristig zu deutlichen Kursschwankungen kommen. Denn sollte die Nachfrage überraschend schnell anziehen, kann die Angebotsseite darauf natürlich nicht schnell genug reagieren. So schnell lassen sich Plantagen nicht aus dem Boden stampfen und in Ertrag bringen. Gleichzeitig spielt auch das Wetter immer wieder eine Rolle. Das hat sich noch vor wenigen Wochen am Beispiel der Wirbelstürme gezeigt, die Teile der Orangenplantagen in Florida zerstört und aus diesem Grund die Preise an den Futures-Märkten nach oben getrieben haben.

Aktuell macht es sich beim Soja bemerkbar. Der Endloskontrakt auf Sojabohnen am Chicago Board of Trade hat seit Anfang Februar rund 25 Prozent zugelegt auf zuletzt 6,21 Dollar je Bushel und damit den seit September des vergangenen Jahres anhaltenden Seitwärtstrend nach oben verlassen. Im sehr kurzfristigen Aufwärtstrend wurde inzwischen sogar die gleitende 200-Tagelinie überwunden. Sollte auch noch die nächste Widerstandszone bei 6,52 Dollar herausgenommen werden, könnte der Weg für weitere Kursgewinne zumindest aus technischer Sicht offen sein.

Kursfristig fallendes Angebot bei Soja

Fundamental dürfte diese Kursentwicklung ausgelöst worden sein durch Berichte, nach denen die Anbauregionen in Brasilien mit trockenem Wetter zu tun haben. Das setzt die Pflanzen unter Streß und vermindert das Ertragspotential. Experten rechnen mit einer Ernte von 57 Millionen Tonnen Soja. Amerikanische Schätzungen waren von 63 Millionen Tonnen ausgegangen. Brasilien ist die zweitgrößte Anbauregion der Welt.

Gleichzeitig ist damit zu rechnen, daß auch der Anbau in den Vereinigten Staaten zurückgeht, da die Pflanzenschutzkosten zunehmen und die Frucht im Wettbewerb mit Mais und Baumwolle relativ uninteressant machen. Denn die Farmer kämpfen gegen den aus Asien eingeschleppten Soja-Rost, der den Ertrag um bis zu 80 Prozent vermindern kann. Die Produktion in Nordamerika kann im laufenden Jahr nach Schätzungen des Department of Agriculture um 8,6 Prozent auf 87,1 Millionen Tonnen fallen, nach einer Rekordernte von 85,5 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Auf der anderen Seite dürfte die Nachfrage aus China im laufenden Jahr um bis zu 33 Prozent zunehmen.

Auf dieser Basis könnte der kurzfristige Aufwärtstrend des Sojapreises noch weiter anhalten. Wer darauf spekulieren möchte, hat unter anderem mit verschiedenen Zertifikaten von ABN Amro dazu die Möglichkeit (Long: NL0000419554, NL0000419547, NL0000449429 oder short: NL0000468395, NL0000419505, NL0000419521, NL0000414019). Allerdings sollten die Risiken berücksichtigt werden. Sie liegen unter anderem in den starken Kursschwankungen des Marktes und der teilweise unattraktiven Spreads.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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