S&P-Analyse

Der Markt stößt an eine Grenze

Von Mark Arbeter, S&P-Markttechniker
28.06.2005
, 11:00
Die wichtigen Indizes sind an starke Widerstände gestoßen. Während es kurzfristig zu einem Rückgang kommen kann, sieht S&P keine Hinweise auf einen langfristigen Abwärtstrend.
ANZEIGE

Am 23. Juni hat ein erheblicher Rückgang auf dem Aktienmarkt all die schwer verdienten Gewinne der vergangenen Wochen zunichte gemacht. Wir sind der Ansicht, daß dies den gegenwärtigen Aufwärtstrend auf eine harte Probe stellt. Mit 60 Dollar pro Barrel ist der Rohölpreis auf eine neue Rekordhöhe gestiegen.

ANZEIGE

Während der Ölpreis teilweise für den großen Ausverkauf verantwortlich gemacht wurde, sehen wir in den technischen Bedingungen auf dem Aktienmarkt weitere Gründe für die Kursschwäche. Dabei handelt es sich unserer Einschätzung nach um einen kurzfristigen Rückgang; wir gehen nicht davon aus, daß die Aktienkurse über längere Zeit fallen.

Rückschläge an der Nasdaq mit hohem Umsätzen verbunden

Der Kampf des Nasdaq mit der 2.100-Punkte-Marke hat in der vergangenen Woche eine interessante Wendung genommen. Der Index stieg am 23. Juni auf Intraday-Basis auf 2.106,57 Punkte, der höchste Stand seit dem 10. Januar. Dabei erweckte der Index den Anschein, als würde er schließlich nach oben ausbrechen. Diese Entwicklung sowie günstige Ergebnisse bei den Halbleitern bescherten dem Nasdaq sehr gute Aussichten. Der Philadelphia-Halbleiter-Index (SOX) stieg an diesem Tag um bis zu 3 Prozent und steuerte auf die Höchststände vom Februar und vom Dezember 2004 zu.

Das neue Allzeithoch von 60 Dollar beim Ölpreis in Verbindung mit schwachen Unternehmenszahlen und einem überkauften Aktienmarkt haben den Nasdaq und den SOX-Index jedoch drehen lassen. Der Nasdaq fiel schließlich zurück unter 2.100 auf 2.071 Punkte, ein Rückgang von 1,7 Prozent vom Tageshoch. Halbleiterpapiere gingen noch stärker zurück; der SOX-Index schloß 2,5 Prozent tiefer als der Tageshöchststand.

ANZEIGE

Allerdings war der Rückschlag bei der Marke von 2.100 Punkten unserer Einschätzung nach dieses Mal etwas beunruhigender, da die Umsätze sehr hoch lagen. An der Nasdaq wurden ungefähr 2,1 Milliarden Aktien gehandelt, weit mehr als der 50-Tages-Durchschnitt von 1,7 Milliarden. Abgesehen vom Handelsvolumen am 17. Juni - dem Tag des Hexensabbat -, waren dies die höchsten Umsätze an der Nasdaq seit dem 29. April.

Der Rückgang am vergangenen Freitag brachte den Index unter den jüngsten Schluß-Tiefstand von 2.060,18 Punkten. Nun testet der Nasdaq die Intraday-Tiefs vom Juni im Bereich von 2.053 Punkten. Zusätzliche Unterstützung kommt vom exponentiellen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt bei 2.041 Punkten und vom exponentiellen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei 2.020 Punkten. Gute Chartunterstützung liegt im Bereich von 2.020 Punkten, und 38.2 Prozent des Anstiegs seit Ende April zielt auf 2.024 ab.

ANZEIGE

Der Nasdaq bildete am 24. Juni eine Doppel-Top-Formation und schloß unter dem jüngsten Tief von 2.060 Punkten. Die Breite des Musters deutet dabei auf einen Abwärtstrend hin. Das Doppel-Top ist 37,62 Punkte breit. Um auf ein Abwärtsziel zu kommen, wird diese Breite vom Tiefstand der Formation abgezogen. Dabei wird die Marke von 2.022 Punkten angepeilt. Ähnlich wie bei den Widerständen im Bereich von 2.100 Punkten, scheint es nahe 2.020 Punkten eine Fülle von Unterstützungen zu geben.

Hauptindizes stoßen an starke Widerstände

Wie wir bereits mehrfach betont haben, sind wir in dieser Situation, in der die Hauptindizes an starke Widerstände stoßen, der Ansicht, daß die Indizes einige ihrer jüngsten Gewinne abgeben müssen, bevor sie auf neue zyklische Hochs steigen. Dies gilt auch wegen der überkauften Marktsituation sowie wegen der zunehmend optimistischen Stimmung für Aktien.

Tages-Momentum-Indikatoren wie der stochastische Oszillator, MACD und der Index der relativen Stärke hatten sich Ende Mai alle in einer überkauften Situation befunden und haben sich seitdem gedreht und negative Divergenzen gezeigt. Interne Indikatoren, die auf ein überkauftes Niveau sprangen, waren das 10-Tage-Verhältnis zwischen fallenden und steigenden Umsätzen sowie die Angaben für das 5-Tage-, 10-Tage- und 20-Tage-TRIN (ein Index, der sowohl Advance/Decline-Indikatoren als auch Indikatoren auf Basis von steigenden und fallenden Umsätzen kombiniert). Beim Nasdaq bereiten auch der Mangel an robusten Umsatzniveaus wie auch fehlende Zahlen für steigende und fallende Umsätze Kopfzerbrechen.

ANZEIGE

Seit Mitte Mai hat sich der S&P innerhalb eines ziemlich engen Bandes mühsam nach oben bewegt. Am 17. Juni ist der Index aus diesem Band ausgeschert, nur um dann zu drehen und zurückzufallen. Fehlgeschlagene Ausbrüche kommen oftmals bis auf das andere Ende des Musters zurück, das bei 1.196 Punkten lag. An diesem Freitag ging der Index allerdings über dieses Niveau hinaus.

In den vergangenen Monaten hat der Index eine pessimistische („bearish“) Keilformation gezeichnet. Sie besteht aus zwei zusammenlaufenden Trendlinien, die sich nach oben neigen. Der Scheitelpunkt dieser Formation ist in einem Winkel nach oben geneigt. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Preise in einem zusammenlaufenden Muster stetig steigen und höhere Hochs und Tiefs verzeichnen. Ein „bearishes“ Signal ereignete sich am 23. Juni, als die Preise unter die niedrigere Trendlinie fielen.

Wie beim Nasdaq gibt es auch beim S&P 500 viele Unterstützungsbereiche kurz unterhalb des Indexes. Der exponentielle gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.191, der 150-Tage-Durchschnitt bei 1.179 und sowohl der exponentielle gleitende 200-Tage-Durchschnitt als auch der einfache 200-Tage-Durchschnitt liegen bei 1.173. Gute Chartunterstützung liegt zwischen 1.160 und 1.190 Punkten.

ANZEIGE

Ölpreis dürfte dürfte vorerst weiter steigen

Darüber hinaus gibt es mögliche Unterstützung von einem umsatzstarken Tag, der am 18. Mai verzeichnet wurde. Tage mit hohen Umsätzen während eines Preisanstiegs deuten entweder auf eine Unterstützung oder einen Widerstand, abhängig davon, ob sich der Index ober- oder unterhalb der Handelsspanne dieses Tages bewegt. In diesem Fall notierte der S&P 500 über der Spanne, die zwischen 1.174 und 1.188 Punkten lag. In diesem Bereich war viel Handelsaktivität. Oftmals kehren die Bullen im selben Bereich in den Markt zurück. Die Gefahr liegt darin, daß diese Spanne zum Widerstand wird, sollte der S&P 500 unterhalb dieser Marke schließen.

Unsere Verwunderung darüber, warum der Ölpreis für den Ausverkauf in der vergangenen Woche verantwortlich gemacht wurde, geht auf die jüngste Entwicklung des Ölpreises und des Aktienmarkts zurück. Der S&P 500 ging zuletzt am 17. Juni mit einem Hoch aus dem Handel, ein Tag an dem der Ölpreis mit 58,40 Dollar aus dem Handel ging. Am nächsten Tag bewegte sich der S&P seitwärts während der Ölpreis im Intraday-Handel 59,52 Dollar erreichte. Dann kletterte der Ölpreis auf 60 Dollar, unweit der Marken, die er am 17. und 20. Juni erreicht hatte, um dann schließlich den Aktienmarkt nach unten zu schicken. Seit dem 20. Mai ist Rohöl von 47 auf 60 Dollar gestiegen. Im gleichen Zeitraum legte der S&P weiter zu. Vielleicht jagen die runden Zahlen Wall Street Angst ein; oder es ist etwas anderes.

Bei 60 Dollar ist der Ölpreis an den Trendwiderstand wie auch an einen psychologischen Widerstand gestoßen. Ein kleiner Rückgang ist sicherlich möglich. Im gegenwärtigen Vorstoß erwarten wir jedoch weiter steigende Ölnotierungen. Dabei gehen wir davon aus, daß das Rohöl bis auf den Bereich um 65 Dollar steigt, bevor wir eine weitere Korrektur sehen. Der langfristige Widerstand liegt im Bereich von 66 Dollar. Darüber hinaus sind die wöchentlichen Momentum-Indikatoren weit davon entfernt überkauft zu sein. Wir erwarten, daß dies dem Ölmarkt genug Raum läßt, um weiter zu steigen.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE