S&P-Analyse

Institutionelle Anleger treten verstärkt als Verkäufer auf

Von Mark Arbeter, technischer Chefstratege bei S&P
06.07.2005
, 11:49
Die amerikanischen Börsen haben am Dienstag nach dem Independence Day leicht zugelegt. Mark Arbeter von S&P blickt allerdings angesichts der technischen Entwicklung in den vergangenen Wochen eher skeptisch in die nähere Zukunft.
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Die beiden führenden Aktienmarktindizes in Amerika schlossen die vergangene Woche nahezu unverändert - trotz der ziemlich hohen Volatilität, die zur Mitte der Woche beobachtet werden konnte. Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq befinden sich nunmehr in der Nähe einer wichtigen kurzfristigen Unterstützungslinie, nachdem der Markt in jüngster Zeit von einer ziemlich aggressiven Verkaufswelle heimgesucht wurde. Es besteht unseres Erachtens noch weiteres Abwärtspotenzial, so daß wir auf kurze Sicht eher zur Vorsicht raten würden.

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Die Schwächephase des Marktes setzte am 23. Juni ein, als die NYSE einen kräftigen Umsatzanstieg auf 1,6 Milliarden Aktien verzeichnete. Am darauffolgenden Tag wurde der Markt durch weitere massive Verkäufe belastet - dieses Mal wechselten 1,8 Milliarden Aktien den Besitzer. Ein paar Tage später, am 28. Juni, konnte der Aktienmarkt dann wieder gut zulegen, allerdings lag das NYSE-Volumen mit 1,37 Milliarden Aktien unter dem Durchschnitt.

Institutionelle Anleger treten verstärkt als Verkäufer auf

Am 30. Juni - nach der Entscheidung der amerikanischen Notenbank, eine weitere Zinserhöhung vorzunehmen - geriet der Markt erneut in die Fänge eines Distributionstages. Das NYSE-Durchschnittsvolumen von 1,46 Milliarden Aktien spricht unserer Meinung nach eindeutig dafür, daß die institutionellen Anleger verstärkt als Verkäufer auftreten - eine Entwicklung, von der wir meinen, daß sie auf kurze Sicht für noch mehr Schwäche sorgen wird.

Der jüngste Ausverkauf hat den S&P 500 in den 1.190-Punkte-Bereich abdriften lassen, der ursprünglich einmal eine Unterstützung markierte. Der exponentielle gleitende 50-Tage-Durchschnitt kommt auf diesem Niveau ins Spiel, ebenso wie die von den April-Höchstständen ausgehende Chartunterstützung. Unterhalb von 1190 Punkten laufen mehrere Unterstützungslinien, die nicht weit von diesem Bereich entfernt liegen. Der exponentielle gleitende 80-Tage-Durchschnitt befindet sich bei 1.188 Punkten, wo auch die von den Tiefständen im April und Mai abgeleitete Trendlinienunterstützung zu finden ist.

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Darüber hinaus gibt es einen umsatzstarken Akkumulationstag, der im Bereich zwischen 1.174 und 1.188 zum Ausdruck kommt, während die langfristige, vom gleitenden Durchschnitt vorgegebene Unterstützung den Bereich zwischen 1.172 und 1.179 Punkten belegt. Nach wie vor sind wir dabei der Auffassung, daß der aktuelle Kursrückgang innerhalb des 1.170- bis 1.180-Punkte-Bereichs zum Stillstand kommen wird.

Nasdaq hält sich bisher über starken Unterstützungen

Nachdem der Nasdaq einmal mehr an der 2.100er Hürde scheiterte, konnte sein Rückzug bislang von der Unterstützungslinie im Bereich um 2.050 Zähler aufgehalten werden. Der exponentielle gleitende 50-Tage-Durchschnitt und die von der Konsolidierung zu Beginn des Jahres abgeleitete Chartunterstützung liegen ebenfalls in diesem Bereich. Bis jetzt hat der Index rund 23,6 Prozent seines Kursanstiegs vom April bis Juni eingebüßt. Das nächste Fibonacci-Korrekturziel liegt bei 2.020 Zählern, was einer Korrektur um 38,2 Prozent entspräche. Bei 2.020 Punkten kommt auch der exponentielle gleitende 200-Tage-Durchschnitt sowie charttechnische Unterstützung ins Spiel.

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Der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Nasdaq ähneln sich in ihrem Verhalten zumindest insofern, als beide Indizes zu Beginn ihrer rückläufigen Entwicklung eine Erholung von ihrem jeweiligen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt aus verzeichnet haben. Bei einem Index oder Einzelwert ist dies ein recht häufig anzutreffendes Phänomen, da der anfänglichen Aufwärts- bzw. Abwärtsreaktion nur allzu oft auf dem Niveau dieses Durchschnitts die Puste ausgeht. Wird der gleitende 50-Tage-Durchschnitt dagegen nachhaltig durchbrochen, hat dies nicht selten eine zusätzliche Stärke bzw. Schwäche zur Folge.

Die beiden führenden Indizes haben sich mittlerweile von ihrem überkauften Zustand gelöst, der sich im Mai und Anfang Juni entwickelt hatte. Der auf dem Kursverhalten des Nasdaq basierende stochastische Oszillatorindikator (Tagesbasis) hat bereits überverkauftes Terrain erreicht, während sich der entsprechende Indikator für den S&P 500 diesem gerade nähert. Diese bei den stochastischen Tagesindikatoren zu beobachtende Verschiebung hin zu einem überverkauften Zustand war weniger eine Funktion des Kursverhaltens als vielmehr eine Funktion der Zeit. Ein Überhang an Kaufpositionen läßt sich abarbeiten, sobald der Markt seitwärts tendiert - und eben dies tat der Nasdaq über weite Strecken im Juni. Was die stochastischen Tagesindikatoren anbetrifft suchen wir nach einer positiven Divergenz, da diese bei kurz- bis mittelfristigen Tiefpunkten häufig anzutreffen ist. Der Relative-Stärke-Indikator (RSI) für den Nasdaq (Sechs-Tage-Basis) hat sich ebenfalls in überverkauftes Terrain begeben, während sich der 14-Tage-RSI noch auf neutralem Boden befindet. Auch die wöchentlichen Momentumindikatoren - sowohl für den S&P 500 als auch für den Nasdaq - liegen zum größten Teil in neutralem Terrain.

Abnehmende Handelsvolumina als Problem

Während der jüngsten Verschärfung des Ausverkaufs haben unsere Accumulation/Distribution-Indikatoren für die NYSE und Nasdaq einen Rückgang von bullish auf neutral verzeichnet. Daneben sind die Umsätze bei den steigenden und fallenden Titeln an der Nasdaq (auf der Summationsbasis von sechs Tagen) vor kurzem auf ihren niedrigsten Stand seit April zurückgegangen, während sich die Advance/Decline-Linie (diese wird aus der Differenz der gestiegenen zu den gefallenen Aktien erstellt) der NYSE und Nasdaq jeweils in neutrales Terrain zurückbewegt hat und derzeit eine wichtige Unterstützung in Form eines gleitenden Durchschnitts testet. Sollten die massiven Verkäufe noch über ein paar weitere Tage anhalten, so glauben wir, daß unsere Accumulation/Distribution-Indikatoren eine negative Färbung erhalten werden - und dies könnte potentiell einen noch größeren Abwärtstrend signalisieren, als wir ihn derzeit erwarten.

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Am amerikanischen Rentenmarkt kam es in der vergangenen Woche zu Kursverlusten, in deren Gefolge die Rendite zehnjähriger Treasuries von 3,91 Prozent auf 4,05 Prozent stieg. Im Hinblick auf die Renditen scheint der Treasury-Markt dabei eine Doppelbodenformation und in puncto Kurse ein Doppeltop auszubilden. Um diese Gesamtformation abzuschließen, müßte die zehnjährige Rendite die Marke bei 4,13 Prozent - diese markiert ihren jüngsten Höchststand - durchbrechen. Wenn dies passieren würde, könnte sich die Rendite leicht dem Bereich bei 4,4 bis 4,5 Prozent nähern. Die Momentumindikatoren (Tages- und Wochenbasis) tendieren nach einem sehr überkauften Zustand mittlerweile höher und senden entsprechende Verkaufssignale aus. Darüber hinaus ist das Sentiment gegenüber Anleihen weiterhin als sehr bullish einzustufen.

Im Zuge der Zinserhöhungen der Fed, bei gleichzeitig nahezu unveränderten Langfristzinsen, hat die Zinsspanne eine ziemliche Schrumpfung erfahren. Ihren letzten „steilen Höhepunkt“ erreichte die Renditekurve im Mai 2004, als die Rendite zehnjähriger Treasuries um 382 Basispunkte über der Rendite dreimonatiger amerikanischer Schatzwechsel lag. Bis zum 30. Juni dieses Jahres hatte sich die Zinsspanne auf 88 Basispunkte verengt. Eine derartige Verengung konnte seit April 2001 nicht mehr beobachtet werden.

Quelle: bearbeitet von @cri
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