Schwellenländer

Fonds setzen auf Aktien rund um das kaspische Meer

30.09.2004
, 14:39
Amerikanische Fondsgesellschaften wie Fidelity oder T. Rowe haben das kaspische Meer als lukrative Anlageregion entdeckt. Angelockt werden die Großanleger trotz der dort lauernden Risiken von den weltgrößten Ölreserven.
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Fidelity Investments, die weltgrößte Fondsgesellschaft, und T. Rowe Price Group Inc. gehören zu einer Gruppe von Investoren, die auf die Länder rund um das Kaspische Meer setzen, einer Region, die mit über die weltweit größten Ölreserven verfügt. Trotz Risiken wie ethnische Auseinandersetzungen und Korruption setzen die Vermögensverwalter auf das Wachstumspotenzial dieser Region.

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Fidelity besitzt 8,4 Prozent an der Ölgesellschaft PetroKazakhstan Inc., die in Kasachstan Rohöl exploriert, fördert und raffiniert. Die Beteiligung hat einen Wert von etwa 210 Millionen Dollar. T. Rowe Price, die größte börsennotierte US-Fondsgesellschaft, hält 3,2 Prozent an dem Unternehmen.

Die hohen Ölvorkommen locken

„Die Kaspische Region verfügt über sehr bedeutende Reserven und dürfte stärker exploriert werden", sagte George Hoguet, Stratege bei State Street Corp. in Boston, im Interview mit Bloomberg News. Auch State Street ist in PetroKazakhstan investiert.

Die Öl- und Gasreserven von Kasachstan, Turkmenistan und anderen Staaten der Region machen etwa fünf Prozent der gesamten weltweiten Reserven aus, schätzt Aton Capital Group aus Moskau. Ein großer Teil davon ist noch unberührt. Angesichts des Rekord- Ölpreises bemühen sich Branchenriesen wie ChevronTexaco Corp. und BP Plc, die Öllieferungen aus der Region auszuweiten.

„Da schlummert noch jede Menge Öl im Boden. Sie müssen nur die Infrastruktur aufbauen, um es auf den Markt zu bringen", erklärte Aivaras Abromavicius, Vermögensverwalter bei East Capital Asset Management in Stockholm. Er setzt auf den Ölkonzern Dragon Oil Plc, der in Turkmenistan Ölfelder exploriert.

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Starke Kurssteigerungen

Das Interesser der ausländischen Investoren hat zu einer Kursrally geführt. Seit Jahresbeginn sind PetroKazakhstan 43 Prozent geklettert, verglichen mit einem Anstieg von lediglich elf Prozent für die 17 Mitglieder des Bloomberg Europe Oil & Gas Producers Index. Der Gewinn des Unternehmens schnellte im zweiten Quartal 78 Prozent hoch auf 122 Millionen Dollar. Die Aktie ist in Kanada notiert, da sich die Zentrale in Calgary befindet. Dragon Oil sind in Dublin notiert und haben seit Jahresbeginn 33 Prozent zugelegt. In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Kurs verdreifacht.

Seit dem Börsengang im Dezember hat sich auch der Börsenwert von Burren Energy Plc verdreifacht. Der Konzern, der in Turkmenistan Öl fördert, zählt Carmignac Gestion, einen der erfolgreichsten Fondsanbieter Frankreichs, zu seinen größten Investoren. Burren will die Ölförderung im zweiten Halbjahr weiter steigern, nachdem sie in den ersten sechs Monaten des Jahres bereits um 71 Prozent ausgebaut wurde.

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Gartmore Investment Management, die Tochtergesellschaft von Nationwide Mutual Insurance Co., war zweitgrößter Investor in Dragon Oil, bevor der Vermögensverwalter dieses Jahr einen Teil der Aktien wieder abstieß. „Wir haben dadurch fantastisch viel Geld gemacht", sagte Fondsmanager Gervais Williams von Gartmore in London. Für die Aktien der kaspischen Ölproduzenten insgesamt "ging es kräftig bergauf, aber der Trend dürfte sich fortsetzen".

Wie entwickeln sich die Unternehmensgewinne

Es gibt jedoch auch kritische Töne: Einige Fondsmanager zweifeln daran, daß dem kräftigen Kursanstieg einiger Unternehmen eine entsprechende Gewinnsteigerung gegenübersteht - auch wenn der Ölpreis seit Jahresbeginn 53 Prozent anzog und am Mittwoch die Marke von 50 Dollar durchbrach.

Der kasachische Öl- und Gaskonzern BMB Munai Inc. führte im August eine Kapitalerhöhung im Volumen von 15,6 Millionen Dollar durch. Es war bereits das dritte Mal seit Juli, daß eine Ölgesellschaft der Region den Kapitalmarkt anzapfte. Der Aktienkurs von BMB Munai ist in den vergangenen zwölf Monaten fast 60 Prozent eingebrochen. „Im Moment scheint es dort mehr Ölaktien als Öl zu geben", zeigt sich Ian Hague, Vermögensverwalter bei Firebird Management in New York, skeptisch.

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Die Korruption bleibt ein Problem

Für Investoren wie Mark Mobius von Templeton Asset Management in Singapur ist auch die Größe der kaspischen Ölproduzenten ein Hindernis. So kommt PetroKazakhstan, die Nummer eins der Region, lediglich auf ein Zehntel des Marktwerts der russischen OAO Lukoil. „Wer nicht ganz genau verfolgt, was dort passiert, muß sehr vorsichtig sein", so Mobius im Interview mit Bloomberg News im Juli.

Sorgen bereitet Investoren auch die Korruption. Aserbaidschan am westlichen Ufer des Kaspischen Meers kam im Korruptionsindex von Transparency International in Berlin im vergangenen Jahr auf Platz 124 von insgesamt 133 Ländern. Doch auch ethnische Konflikte, zum Beispiel zwischen Russen und Tschetschenen, haben dazu geführt, daß einige Interessenten lieber die Finger von Investments in der Region gelassen haben.

Quelle: Bloomberg
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