Spaniens Banken in der Krise

Verstaatlichung der CajaSur legt die Probleme offen

25.05.2010
, 09:35
Neben dem griechischen gehören die Aktienmärkte Italiens und Spaniens zu den schwächsten in Europa. Die Volkswirtschaften haben ähnliche Problem, deren Symptome sich an der Verstaatlichung der Caja Sur zeigen.
ANZEIGE

Neben der griechischen gehören die Aktienmärkte Italiens und Spaniens zu den schwächsten in Europa. Der spanische Madrid Stock Exchange General Index hat seit Beginn des laufenden Jahres etwas mehr 22 Prozent seines Wertes verloren, mit dem FTSE Italia All-Share Index ging es dagegen um 16,4 Prozent nach unten.

ANZEIGE

Beide Indizes sind in den vergangenen Wochen deutlich unter ihre gleitenden 200-Tagesdurchschnitte gefallen und bei beiden Indizes scheinen Anleger Erholungsversuche als günstige Gelegenheiten zum Verkauf von Aktien zu nutzen. Beide Staaten zeichnen sich durch ähnliche Probleme aus, die in Griechenland in extremer Form zur Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben.

Vorübergehender, einseitiger Boom wegen tiefer Zinsen

Ihre Volkswirtschaften konnten in den vergangenen Jahren zunächst vom Boom profitieren, der von den tiefen Zinsen ausging, die der Beitritt zum Euro mit sich brachten. Sie beflügelten zusammen mit einer vergleichsweise robusten Weltwirtschaft den Konsum, die Immobilienmärkte und die Exportwirtschaft. Allerdings fand diese Entwicklung auf der Basis zunehmender Verschuldung, einer einseitigen wirtschaftlichen Entwicklung und hohem Risikoappetit internationaler Anleger statt. Die Investoren „spielten“ in diesen Jahren den so genannten „Konvergenzprozess“ und ließen fundamentale Risiken außen vor.

Bild: FAZ.NET

Nun erst nehmen sie wahr, dass sie sich verschätzt haben. Denn die Volkswirtschaften dieser beiden Staaten sind in großen Teilen international nicht wettbewerbsfähig. Sie müssen gleichzeitig sparen und ihre Wirtschaftsstrukturen reformieren. Das wird nicht einfach, zumal die Finanzsysteme beider Staaten angeschlagen sind. Die Aktienkurse der Banken gehören schon seit Wochen zu den schwächsten Werten, da sie in ihren Büchern aufgrund der schwachen Immobilienmärkte und der problematischen Wirtschaftsstrukturen noch größeren Abschreibungsbedarf verbergen.

ANZEIGE

Das zeigte sich am Wochenende in Spanien. Es wurde bekannt, dass die spanische Zentralbank die angeschlagene Sparkasse Caja Sur aus der südspanischen Stadt Cordoba übernehmen musste. Die Bilanz des zuvor von der katholischen Kirche kontrollierten Instituts wird von notleidenden Hypotheken belastet. Ihr Kreditbuch belaufe sich auf 13 Milliarden Euro und sie halte 0,6 Prozent der Vermögenswerte des spanischen Finanzsystems, heißt es.

Caja Sur litt unter einem rasch steigenden Volumen problembehafteter Kredite

Die Caja Sur galt als schwächstes Glied der Sparkassen. Ihre Solvenz litt unter einem rasch steigenden Volumen problembehafteter Kredite. Am Freitag hatte sie Fusionsverhandlungen mit der andalusischen Sparkasse Unicaja abgebrochen und damit die Zentralbank auf den Plan gerufen. Die Schieflage von Caja Sur ist die zweite einer spanischen Bank seit dem Beginn der weltweiten Finanzkrise vor zwei Jahren. Viele Sparkassen waren während des spanischen Baubooms des vergangenen Jahrzehnts durch Hypothekenvergabe gewachsen. Mit dem schrumpfen der Immobilienblase geraten nun zahlreiche Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten.

ANZEIGE

So kann es kaum verwundern, dass die Anleger Finanz-, Bau- und Immobilienwerte in Spanien, aber auch in anderen Regionen Europas kritisch betrachten und sie im Zweifel verkaufen. Während die Immobilienpreise sich noch lange nicht normalisiert haben, gibt es große Bestände an bisher unverkauften Immobilien. Gleichzeitig ist kaum absehbar, welche Industrien diese Volkswirtschaften wachsen lassen, die angespannten Arbeitsmärkte entspannen und indirekt die Nachfrage nach Immobilien künftig wieder anziehen lassen könnten.

Gerade in Spanien seien die allgemeinen Wachstumserwartungen noch zu optimistisch, erklärten kritische Ökonomen wie etwas Javier Diaz-Gimenez, Professor an der IESE Business School in Madrid. In diesem Sinne dürften Anleger die spanische Börse weiterhin kritisch betrachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE