Durch starken Euro

Die Aktienkurse sind im Keller

Von Markus Frühauf
18.07.2017
, 19:42
Schwacher Trump: Gut für den Euro – aber auch für die deutsche Wirtschaft?
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Die Führungsschwäche von Trump belastet den Dollar. Das drückt nicht nur auf die Aktienkurse in Europa. Für die EZB wird die Aufwertung ihrer Währung zu einem Problem. Beendet sie ihre lockere Geldpolitik?
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Der amerikanische Präsident ist gut für den Euro. Für Donald Trump ist das alles andere als schmeichelhaft. Denn je mehr die Finanzmärkte an seiner Führungsstärke zweifeln, desto stärker wird die europäische Gemeinschaftswährung zum Dollar. Am Dienstag überschritt der Euro die Marke von 1,15 Dollar. Am Nachmittag lag er mit 1,1580 Dollar so hoch wie seit mehr als 14 Monaten nicht mehr. Als Grund nannten Devisenhändler den Reformstau in den Vereinigten Staaten.

Der starke Euro stellt allerdings für die exportorientierte deutsche Wirtschaft eine Belastung dar, weil sich ihre Preise im Ausland verteuern. Das schränkt die Wettbewerbsfähigkeit ein. Entsprechend gab der deutsche Aktienindex Dax bis kurz vor Handelsschluss um 1,5 Prozent auf 12398 Punkte nach. Unter Druck standen die Aktien von Automobilwerten wie Daimler, Volkswagen oder BMW. Aber auch der Titel des Chemiekonzerns BASF gab um mehr als 2 Prozent im Wert nach. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 0,55 Prozent. Der wichtigste Referenzzins für den Euro ist mit der Debatte über die künftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gestiegen, was mit einem Kursverlust der Anleihen verbunden ist.

Die jüngsten Kursgewinne des Euros wurden davon ausgelöst, dass Trump abermals mit dem Versuch gescheitert ist, das von seinem Vorgänger eingeführte Gesundheitssystem („Obamacare“) umzubauen. Die Reform konnte nicht verabschiedet werden, weil sich zwei weitere Senatoren aus Trumps Partei, die Republikaner, dem Projekt widersetzten. Die Märkte misstrauen nun Trumps Durchsetzungsfähigkeit. Auch das Großprojekt der Steuerreform könnte nun wackeln.

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Banken misstrauen Trumps Durchsetzungsstärke

Eine schlechte Bilanz des ersten halben Jahres in Trumps Amtszeit zog Martin Moryson, Chefvolkswirt der Privatbank Sal. Oppenheim: „Nichts, aber auch gar nichts geschafft.“ Dementsprechend gering sind Morysons Erwartungen: „Die Aussichten, dass in diesem Jahr noch etwas wirtschaftspolitisch Relevantes erreicht werden wird, sind gering.“ Die Republikaner im Kongress seien zerstritten. Trump könne ob seiner geringen Popularität nur wenig Druck auf missliebige Senatoren oder Abgeordnete ausüben. Die Russland-Affäre lähme ihn zusätzlich, so der Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim.

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Die Euro-Aufwertung dürfte in der EZB sehr aufmerksam verfolgt werden. Denn an diesem Donnerstag trifft sich der geldpolitische Rat der Zentralbank. Die Märkte erwarten von EZB-Präsident Mario Draghi weitere Hinweise über den geldpolitischen Kurs. Nach seiner Rede auf dem Zentralbankenforum im portugiesischen Sintra Ende Juni hat der Euro zum Dollar mehr als drei amerikanische Cent gewonnen. Damals hatte Draghi die Erwartung angestachelt, dass die EZB ihre monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro bald verringern könnte. Denn er hatte von einer breiten konjunkturellen Erholung im Euroraum gesprochen. Doch die Euro-Aufwertung kann eine geldpolitische Straffung noch weiter hinauszögern. „Die gegenwärtige Euro-Stärke bedeutet eine zusätzliche Straffung der finanziellen Rahmenbedingungen. Und die könnte die EZB nervös werden lassen“, sagte die Commerzbank-Analystin Esther Reichelt.

Bild: F.A.Z.

Sie ist zwar der Ansicht, dass die EZB auf eine weitere Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe zusteuert, sich aber auf der Sitzung am Donnerstag noch zurückhalten kann, um den Euro zu entlasten. Denn in der EZB sei man über die Euro-Aufwertung seit Draghis Rede in Sintra nicht glücklich, meint Reichelt. Das kann kurzfristig wieder für eine Abwertung des Euro sprechen. Auch die Analysten der Bayerischen Landesbank (Bayern LB) können sich nach der jüngsten Kursentwicklung Gewinnmitnahmen beim Euro beziehungsweise Dollar-Eindeckungskäufe vorstellen.

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Vorsichtige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank schadet dem Dollar

Allerdings spiegelt die nach den Worten von Reichelt „recht heftige“ Dollar-Reaktion eine gegenwärtig im Markt vorherrschende grundlegende Skepsis bezüglich der amerikanischen Währung wider. Neben den Zweifeln an der Durchsetzungsfähigkeit Trumps nennt DZ-Bank-Analyst Sören Hettler auch die vorsichtige Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed als weiteren Grund für die Dollar-Schwäche. Die umsichtige Fed habe mit ihrem graduellen Zinspfad dem Dollar wenig Freund machen können. „So war noch nicht einmal die eher überraschend vorgenommene Leitzinsanhebung im März in der Lage, dem Greenback nachhaltig Auftrieb zu verleihen“, so Hettler.

Bild: F.A.Z.

Blickt man auf die Prognosen zu Jahresanfang, dann haben die Devisenanalysten deutlich danebengelegen. Zur Jahresmitte lag die Schätzung im Durchschnitt bei 1,05 Dollar und zum Jahresende bei 1,07 Dollar, wie eine Umfrage dieser Zeitung unter 25 Finanzinstituten ergeben hatte. DZ-Bank-Analyst Hettler stuft seine Erwartungen für die amerikanische Währung im Vergleich zu den Marktprognosen als deutlich skeptischer ein.

Während die Mehrheit von einer Dollar-Erholung ausgeht, rechnen die DZ-Bank-Analysten mit einem Euro-Anstieg bis Mitte 2018 auf 1,18 Dollar. Diese liege aber weniger an einer Dollar-Schwäche als vielmehr an der EZB-Politik. Demnach werde die Notenbank bis Jahresende ihre extrem lockere Geldpolitik aufgeben, was der Gemeinschaftswährung Auftrieb verschaffen sollte, so Hettler. Die Analysten von JP Morgan erwarten den Euro im dritten Quartal nun bei 1,15 Dollar. Damit haben sie ihre Prognose deutlich angehoben. Davor hatten sie nur 1,08 Dollar prognostiziert.

Der Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Invesco, John Greenwood, lässt sich von Trump in seiner Konjunkturzuversicht nicht beirren. Er hält es für möglich, dass sich der Aufschwung in den Vereinigten Staaten noch mehrere Jahre fortsetzen kann. „Das wäre eine gute Grundlage für weitere Kursgewinne von Aktien, Immobilien und sonstigen Risikoanlagen“, sagt er. Als einzige Gefahr betrachtet Greenwood eine zu starke Straffung der Geldpolitik durch die Fed, wenn dadurch das Kreditwachstum im privaten Sektor eingedämmt werde.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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