Volatilität

Geringe Kursschwankungen machen Optionsscheine attraktiv

12.01.2004
, 19:59
Der V-Dax ist deutlich zurückgekommen. Dieser Index bildet die von den Marktteilnehmern in den kommenden Wochen erwartete Schwankung des Dax ab. Das Spiel mit den Volatilitäten kann sich lohnen.

Mit den steigenden Aktienkursen haben die Kursschwankungen (Volatilitäten) an den Börsen deutlich nachgelassen. Für die Anleger, die in Zertifikate oder Hebelprodukte investieren, bleibt dies nicht ohne Folgen: Niedrige Volatilitäten machen zwar Hebelpapiere wie zum Beispiel Optionsscheine interessant, hingegen verlieren Aktienanleihen und Discount-Zertifikate, bei denen Aktien oder Indizes mit einem Abschlag zum aktuellen Kurs zu bekommen sind, an Attraktivität.

Der V-Dax sei von einem Niveau bei fast 60 im Oktober 2002 nunmehr auf rund 20 gefallen, was in etwa dem langfristigen Durchschnitt seit der Einführung des Volatilitätsmaßes im Jahr 1992 entspreche, sagt Stefan Armbruster von der Deutschen Bank. Der V-Dax bildet die von den Marktteilnehmern für die nächsten Wochen erwarteten Schwankungen des Deutschen Aktienindex Dax ab. Hohe Volatilitäten gingen in der Regel mit kräftigen Kursverlusten einher, erläutert Armbruster. Gleichwohl sei der Markt nach sehr tiefen Volatilitätsphasen oft gestiegen.

Unterschiedliche Produkte

Dabei nimmt die Volatilität unterschiedlichen Einfluß auf die verschiedenen strukturierten Produkte. Bei Optionscheinen bestimmen sowohl die Entwicklung des zugrundeliegenden Wertes als auch die Volatilität den Preis. Dies gilt gleichermaßen für die Wette auf steigende Kurse (Calls) wie auf fallende Kurse (Puts). "Schwanken die Aktienkurse weniger stark, fällt dieser Preisbestandteil und umgekehrt", sagt Armbruster. Dabei können Anleger - auch wenn sie richtig auf die Richtung der Kursbewegungen gesetzt haben - doch verlieren. Von steigenden Volatilitäten indes profitieren sie.

Bei den Discount-Zertifikaten fällt der Abschlag um so höher aus, je stärker die Kurse schwanken. Bei Aktienanleihen führen hohe Volatilitäten bei Neuemissionen zu höheren Zinskupons. Hier hat die Bank bei Fälligkeit das Wahlrecht in Aktien oder Bargeld zu tilgen. Auch bei komplizierteren Produkten wie den Bonuszertifikaten spielen Veränderungen in der Volatilität eine Rolle. Doch der Einfluß sei hier komplizierter, er hänge von vielerlei Bedingungen ab, sagt Armbruster. Bei klassischen Indexzertifikaten und hochspekulativen Hebelprodukten, Knock-Outs oder Turbos genannt, nimmt die Volatilität indes keinen Einfluß auf die Preise.

Erwerbstermin wichtig

Wie sich die niedrigen Schwankungen im Einzelnen auswirken, hängt freilich nicht nur von den strukturierten Produkten selbst, sondern auch davon ab, ob die Anleger die Papiere bereits erworben haben oder sie noch kaufen wollen. Während sich bei Optionsscheinbesitzern die fallende Volatilität negativ bemerkbar gemacht hat, lockt das niedrige Niveau künftige Käufer. Bei Discountern konnten Anleger indes bislang profitieren, allerdings fällt der Abschlag bei Investments nun geringer aus als zuvor. Gehen die Schwankungen jedoch noch weiter zurück - Mitte der neunziger Jahre lag der V-Dax zeitweise bei 10 -, wären die Zertifikate auch jetzt noch attraktiv.

Für das Spiel mit den Schwankungen sind die eigenen Erwartungen maßgebend. Und auch auf die Volatilität selbst können Anleger setzen. Mit dem gleichzeitigen Kauf von Calls und Put mit gleicher Laufzeit und gleichem Basispreis werde das Investment unabhängig von der Richtung des Marktes, erklärt Armbruster. Überdies sind bei einigen Einzelwerten, anders als im breiten Markt, die Kursausschläge nach wie vor hoch. In den letzten 250 Tage wiesen dabei die Hypo-Vereinsbank und Münchener Rück mit fast 60 oder 55 im Dax die höchsten Volatilitätswerte auf.

Quelle: kpa., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2004, Nr. 10 / Seite 21
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