Wahl in Amerika

In der Bush-Ära ist Öl und Gold am stärksten gestiegen

01.11.2004
, 13:16
Vorwärts kamen unter Bush vor allem die Rohstoffpreise
Während der Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Bush war mit Öl und Gold richtig viel Geld zu verdienen. Wer dagegen auf amerikanische Aktien und den Dollar setzte, mußte deutliche Einbußen hinnehmen.
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Seit George W. Bush, einst Manager in der Ölbranche, vor knapp vier Jahren ins Weiße Haus eingezogen ist, hat sich Öl als attraktiveres Investment erwiesen als amerikanische Aktien, amerikanische Anleihen oder der Dollar.

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Seit dem Amtsantritt von Bush hat sich Rohöl an der Börse New York 61 Prozent verteuert, auch Gold ist 62 Prozent gestiegen. Das hat mit dazu beigetragen, daß der Rohstoffindex CRB/Reuters Futures Price Index auf den höchsten Stand seit 1981 geklettert ist.

Hingegen haben amerikanische Treasuries den Anlegern nur halb so viel eingebracht wie Öl oder Gold, zeigt ein Index der European Federation of Financial Analyst Societies (EFFAS). Die Talfahrt an den Börsen bescherte dem Standard & Poor's 500 Index den drittgrößten Verlust in der Amtszeit eines Präsidenten. Und der Dollar verzeichnete den größten Wertverlust seit der Regierungszeit von Ronald Reagan von 1981 bis 1989.

Amerikanische Staatsanleihen sind ebenfalls gut gelaufen

"Rohstoffe waren so billig, sie haben sich am besten entwickelt," sagte Martin Yokosawa, Fondsmanager bei Oberweis Asset Management in North Aurora, einem Vorort von Chicago. Die Teuerung beim Rohölpreis seit dem Amtsantritt von Bush kommt fast dem Anstieg von 73 Prozent gleich, den das schwarze Gold in den zwei Amtsperioden von Bill Clinton, seinem demokratischem Vorgänger, erlebte.

Die Gold-Rally unter Bush ist die stärkste seit Jimmy Carter Präsident war. Am 25. Oktober erreichte das Edelmetall an der Comex ein Rekordhoch von 432 Dollar je Unze. Zwischen 1977 und 1981, als Carter im Weißen Haus saß, hat sich der Goldpreis mehr als vervierfacht. Hingegen gab Gold unter Reagan 28 Prozent nach, sank 19 Prozent unter Bushs Vater und weitere 19 Prozent in der Clinton-Ära.

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Amerikanische Staatsanleihen haben sich in der Amtszeit von Bush ähnlich wie in den zwei Regierungsphasen von Clinton entwickelt. Seit seinem Einzug ins Oval Office haben Staatspapiere mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr einschließlich reinvestierten Zinsen einen Ertrag von etwa 27 Prozent eingefahren, geht aus dem EFFAS-Index hervor. In den zwei Amtszeiten von Clinton betrug der Zuwachs 31 beziehungsweise 33 Prozent. Unter Bush-Senior brachten Treasuries 7,1 Prozent ein.

Die Renditen von Staatsanleihen befinden sich seit sechs Regierungsperioden auf Talfahrt, die in der ersten Amtszeit von Reagan einsetzte. Die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe erreichte im Juni 2003 ihren Tiefpunkt bei 3,07 Prozent. Das ist nur noch ein Fünftel des Hochs von 1981 von 15,8 Prozent. "Ein Wort sagt alles: Inflation. Der Preisanstieg hat Anfang der achtziger Jahre seinen Höhepunkt erreicht. Das ist simple Erklärung," erläutert Jay Müller, Fondsmanager bei Strong Capital Management Inc. in Menomonee Falls, Wisconsin.

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Schwache Börsenbilanz

Was die Entwicklung an den amerikanischen Börsen angeht, läßt sich Bush mit Herbert Hoover und Richard Nixon vergleichen. Unter Hoover, in dessen Amtszeit der Börsencrash vom Oktober 1929 und der Beginn der Weltwirtschaftskrise fiel, brach die Benchmark 72 Prozent ein. In der Amtszeit von Nixon von 1969 bis 1974 gab es zwei Rezession und das Börsenbarometer fiel 31 Prozent.

Seit Bush seinen Amtseid abgelegt hat, hat der S&P 500-Index 16 Prozent eingebüßt, allerdings sackte der S&P im Oktober 2002 auf ein Fünfeinhalbjahrestief. Das Platzen der Internetblase der neunziger Jahre beschleunigte den Kursrutsch. Auch die Bilanzskandale bei Unternehmen wie Enron Corp. und WorldCom Inc., die Rezession im Jahr 2001 und die Terroranschläge vom 11. September 2001 belasteten die Kurse.

Dollar unter Bush im Abwärtssog

Seit Bush ins Weiße Haus eingezogen ist, hat der Dollar 21 Prozent gegenüber einem Korb von Währung der wichtigsten amerikanischen Handelspartner verloren. Der Rückgang war der größte seit einem Einbruch von 35 Prozent in der Amtszeit von Reagan. "Der Dollar hätte wahrscheinlich wegen des Handelsbilanzdefizits geschwächelt, egal wer die letzte Wahl gewonnen hat," erläutert Matthew Cobon Devisenrisikomanager bei Deutsche Asset Management in London. Das Handelsbilanzdefizit hat sich im August auf 54 Milliarden Dollar ausgeweitet. Das ist der zweithöchste Fehlbetrag in der amerikanischen Geschichte.

Ein Großteil des Dollarrückgangs trat ein, nachdem Amerikas Finanzminister John Snow im September seine G7-Kollegen dazu bewegen konnte, "mehr Flexbilität" bei den Wechselkursen zu fordern. Diese Erklärung wurde als ein Wunsch nach einem schwächeren Dollar angesehen, berichtet Cobon.

Quelle: Bloomberg
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