Enttäuschende Marge

Anleger gehen aus Zalando-Aktien raus

18.07.2017
, 13:07
Zalando verdient gut, hat aber die Gewinnmarge angesichts fortgesetzter Investitionen verfehlt.
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Der Online-Modehändler enttäucht die Anleger mit der neuesten Bilanz. Die Aktie verliert zeitweise über 7 Prozent. Manche Analysten sprechen sogar eine Verkaufsempfehlung aus. Zalando will nun mit einem neuen Kundenbindungsprogramm punkten.
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Der Werbeslogan „Schrei vor Glück" dürfte am Dienstag nicht für die Anleger von Zalando gelten. Die Papiere des Online-Modehändlers wurden nach der Vorlage von vorläufigen Quartalszahlen und einer nur enttäuschenden Profitabilität regelrecht abgestraft, wie der Abschlag von über 7 Prozent auf 39,66 Euro im Frankfurter Xetra-Handel zeigte. Mit einem Schlag machten sie damit ihre Kursgewinne der vergangenen vier Handelstage fast wieder zunichte.

Ein Händler betonte, der Online-Modehändler habe zwar die Erwartungen beim Umsatz erreicht, sie bei der Gewinnspanne aber verfehlt. Die bereinigte operative Marge, die angibt wie viel Ergebnis vom Umsatz beim Unternehmen hängen bleibt, sank nach ersten Berechnungen von 8,8 Prozent auf 7,3 bis 7,8 Prozent. Investitionen in weitere Kundenangebote haben das Unternehmen hierbei ausgebremst. Dazu zählt das Vorteilspaket "Zalando Zet", bei dem Abonnenten exklusive Premium-Leistungen erhalten sollen.

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Unter den mittelgroßen Werten im M-Dax, in dem sie sich im bisherigen Jahresverlauf im Mittelfeld befinden, machte der Einbruch die Papiere am Dienstag zum schlechtesten Indexwert. Unter der 40-Euro-Marke rutschten sie auch unter wichtige charttechnische Trendlinien ab: Neben der 20-Tage-Linie, die als kurzfristiger Indikator gilt, durchbrach die Aktie auch noch die 50-Tage-Linie, die eher von mittelfristig orientierten Anleger betrachtet wird. Erstere verläuft derzeit bei 40,635 Euro, letztere bei 41,450 Euro.

Mit Zalando Zet gegen Amazon Prime

Fundamental betrachtet waren sich Analysten aber einig, dass die negative Überraschung zwar vorerst auf die Stimmung drückt, den positiven Anlageaussichten aber letztlich keinen Abbruch tun wird. Die „Aktien-Story" rund um Zalando bleibe intakt, schrieb etwa Analyst Volker Bosse von der Baader Bank. Das Umsatzplus im zweiten Quartal von 20 Prozent belege ein überlegenes Wachstum am deutschen Modemarkt. Im Kundenbindungsprogramm Zet sieht er ein Pendant zu „Amazon Prime".

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In einer "ersten Phase" können ausgewählte Kunden in Berlin, Leipzig, Frankfurt und Hannover das Programm "Zalando Zet" testen Diese Kunden bekommen demnach eine persönliche Style-Beratung, außerdem sind die Lieferzeiten bei Bestellungen kürzer. Zudem gibt es für sie eine Retourenabholung - Rücksendungen müssen sie also nicht mehr selbst zur Post oder zum Paketshop bringen Das Treueprogramm ist in der Testphase drei Monate lang kostenlos. Wer Abonnent wird, zahlt dann 19 Euro im Jahr. Weitere Städte würden in den kommenden Monaten folgen, kündigte Zalando an. Der Online-Modehändler folgt mit "Zalando Zet" dem erfolgreichen "Prime"-Modell des Internethändlers Amazon. Das US-Unternehmen setzte den Jahresbeitrag vor einigen Monaten von 49 Euro auf 69 Euro hoch

Ähnlich sieht wie der Kollege von der Baader Bank es Christian Salis von der Privatbank Hauck & Aufhäuser, der keinen Schaden für den vielversprechenden Anlagehintergrund sieht. Er hob einen deutlichen, aber nicht berechtigten Bewertungsabschlag gegenüber den Papieren des britischen Versandhändlers Asos hervor. Langfristig habe sich Zalando außerdem das Ziel gesetzt, die nun als enttäuschend gewertete Marge auf 10 Prozent nach oben zu schrauben

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Die Schweizer Großbank UBS hat hingegen ihre Einstufung für Zalando nach den Quartalszahlen auf „Sell" mit einem Kursziel von 35 Euro belassen. Die Umsatzspanne von Zalando für das zweite Quartal impliziere ein Wachstum um 19 bis 21 Prozent, die Markterwartung liege jedoch bei 22 Prozent, schrieb Analyst Adam Cochrane in einer Studie. Die bereinigte operative Gewinnmarge (Ebit) von 7,3 bis 7,8 Prozent bleibe ebenfalls hinter der Konsensschätzung von 8,3 Prozent zurück. Das dürfte am Markt nicht gut ankommen.

Quelle: casc/dpa-AFX
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