„Aktienanleihen sind Abzockerprodukte“

18.12.2000
, 22:50
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Dass bisher nur recht wenig in der Öffentlichkeit bekannt wurde über die Auseinandersetzungen zwischen Bank und Kunde im Hinblick auf die Aktienanleihe, hängt keineswegs damit zusammen, dass es keine Beschwerden seitens der Anleger gibt. „Davon gibt es genügend, auch in unserer Mandantschaft“, berichtet Andreas Tilp. „In rund 80 Prozent der Fälle, in denen es zu einem Streit zwischen Bank und Anleger im Zusammenhang mit der Geldanlage in Aktienanleihen kommt, einigen sich beide Parteien auf einen Vergleich.“ Rund 10 Prozent der Fälle werden fallengelassen. Lediglich die restlichen zehn Prozent landen vor Gericht.

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In einem ersten Prozess vor dem Landgericht Frankfurt entschieden die Richter sogar zu Gunsten der Bank. In seinem Urteil vertrat das Gericht die Auffassung, dass Aktienanleihen nicht zu den so genannten Börsentermingeschäften zählen. Die tragende Erwägung des Gerichts ist dessen Annahme, dass das Risiko von Aktienanleihen geringer sei als das Risiko des alternativen Direkterwerbs der zugrunde liegenden Aktien.

Hohes Risiko, wenig Chance

Dem kann sogar Andreas Tilp zustimmen. „Aber es ist der falsche Ansatz“, ist der Anlegeranwalt nach wie vor überzeugt. Beim direkten Produktvergleich - wie ihn auch das Gericht angestellt habe - dürfe eben die Aktienanleihe nicht mit dem Direkterwerb von Aktien verglichen werden. „Ein Vergleich, den ich gelten lasse, das ist die Gegenüberstellung von Aktienanleihe und der Kombination aus einer 'normalen' Anleihe sowie dem Leerverkauf von so genannten Verkaufsoptionen.“ Denn aus exakt diesen beiden Bestandteilen setze sich die Aktienanleihe zusammen.

„Das Risiko-Chance-Profil einer Aktienanleihe stellt sich bei diesem Vergleich aber eben sehr viel schlechter dar als dies bei der vom Landgericht vertretenen Auffassung der Fall ist“, erklärt Tilp. „Nur, das ist den meisten Anlegern eben gar nicht bewusst, wenn sie sich für den Erwerb einer Aktienanleihe entscheiden.“

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Auf jeden Fall Schadensersatz fordern

Früher oder später werde es in dieser Frage sicher zu einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs kommen, glaubt Tilp. Bis dahin bleibe dem Anleger zumindest eine Möglichkeit: die Bank zu verklagen. „Geschädigte Käufer von Aktienanleihen, die keine Erklärung zur Börsentremingeschäftsfähigkeit unterschrieben haben, sollten die Bank auf jeden Fall zum Schadenersatz auffordern“, erklärt der Anlegeranwalt. Tilp jedenfalls bleibt bis zu einer höchstrichterlichen Klärung bei seiner Auffassung: „Aktienanleihen sind Abzockerprodukte der Banken.“

Quelle: @hh
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