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Börsenturbulenzen

Was Anleger nach dem Kursrutsch wissen müssen

Von Alexander Armbruster
 - 09:59

Die Aktienkurse fallen rund um den Globus, der „schwarze Mittwoch“ macht schon die Runde, Amerikas Präsident Donald Trump hält die Währungshüter in der Zentralbank in Washington für „verrückt“: An der Börse geht es turbulent zu gerade. Was ist da los? Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie groß sind die Kursverluste?

Alle wichtigen Börsenbarometer sind am Mittwoch deutlich gefallen: Der amerikanische S&P-500-Index und der Dow Jones um 3 Prozent, der Technikindex Nasdaq um 4 Prozent, der chinesische CSI-300-Index um 5 Prozent. In Deutschland verlor der Standardwerteindex Dax um 2 Prozent um Mittwoch und ist zudem schwächer in den Donnerstagshandel gestartet – er steht nun deutlich unter 12.000 Punkten. Zugleich hat sich Öl verbilligt: Ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostet nun 82 Dollar, immerhin 3 Dollar weniger als noch vor wenigen Tagen. Der Euro ist auf etwas mehr als 1,15 Dollar gestiegen, die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen etwas gesunken auf 3,1 Prozent, entsprechende deutsche Schuldtitel rentieren mit 0,5 Prozent.

Was steckt dahinter?

Mehrere Gründe machen die Runde. Klar ist aber: Wenn die Kurse auf breiter Front fallen, dann denken Anleger tendenziell um die Entwicklung der Weltwirtschaft insgesamt neu nach. Dann geht es nicht um Probleme in einem kleinen oder mittelgroßen Land oder Unternehmen, dann stehen große Kursbeweger im Forderung. Die Börsianer fragen sich offenkundig, ob sie grundsätzlich zu optimistisch waren. Anlass dafür haben ihnen gerade die Fachleute des Internationalen Währungsfonds gegeben. Die sagen nun etwas weniger Wirtschaftswachstum für dieses Jahr voraus auf der Welt und außerdem reden sie mehr über Risiken, und zwar ganz verschiedene.

Welche sind das?

In den Vereinigten Staaten warnen sie vor den Folgen des mit neuen dreistelligen Milliardenschulden finanzierten Konjunkturprogramms in einer Situation, in der die Wirtschaft ohnehin rund läuft – und nennen steigende Zinsen als ein Risiko. Außerdem nennen sie den Handelsstreit zwischen Washington und Peking, der nicht gelöst ist, sondern sich eher weiter zuspitzt: Die Folgen der neu eingeführten Zölle für die internationalen Wertschöpfungsketten dürften sich langsam materialisieren. Und sie treffen nicht nur die beiden Wirtschaftsgroßmächten. Sorgen machen sie sich außerdem über die Wirtschaftsprobleme in Argentinien und der Türkei und die Haushaltsideen aus Rom. Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Ölpreis, der trotz des nun vollzogenen Rückgangs deutlich höher liegt als im vergangenen Jahr und erst recht verglichen mit seinem Tiefstand zu Jahresbeginn 2016, als ein Fass vorübergehend weniger als 30 Dollar kostete.

Warum schimpft Donald Trump mit Amerikas Notenbank?

Der Präsident gibt den Währungshütern der Federal Reserve die Schuld am Kursrückgang. Sie erhöhen aus seiner Sicht die Zinsen zu schnell, „lächerlich“ findet er das nach eigenem Bekunden und hat die Entscheider um den Notenbankchef Jerome Powell nun als „verrückt“ bezeichnet. Zugleich sagte er auch, was nicht verantwortlich sei für die Kursrückgang: Sein Wirtschaftsstreit mit China.

Sind die Notenbanker „verrückt“ geworden?

Nach einhelliger Auffassung nicht. Die Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat den Kurs der Fed schon öffentlich verteidigt während des gerade laufenden Treffens von IWF und Weltbank in Bali.

Stecken sie hinter dem Kursrutsch?

Klar ist: Steigende Zinsen belasten zumindest ab einem bestimmten Niveau die Aktienkursentwicklung. Denn sie machen schlicht andere Anlageformen, Schuldtitel, attraktiver gegenüber Anteilen an Unternehmen. Anleger, die ihre Mittel frei anlegen können, schichten dann eher einmal um. So hoch, dass sie die Kurse stark gefährden, dürften die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten allerdings noch nicht sein.

Wieso erhöhen die Währungshüter gerade überhaupt die Zinsen?

Ein Grund ist Trumps Finanzpolitik. Seine Regierung befeuert die Konjunktur mit einem gewaltigen durch Schulden finanzierten Steuersenkungs- und Ausgabenprogramm. Dadurch wächst die Wirtschaft sogar noch schneller – die Notenbanker reagieren darauf bloß in der ihnen eigenen mechanischen Art und Weise, und erhöhen die Zinsen eben etwas schneller.

Können die Kurse weiter fallen?

Ja. Wie lange so eine Korrektur läuft, ist nicht klar. Das kann sich Wochen hinziehen, oder sogar Monate. Vielleicht aber eben auch nicht: Am Freitag beginnen die amerikanischen Konzerne damit, ihre Geschäftsergebnisse der vergangenen drei Monate zu berichten – fallen die Zahlen gut aus, dann steigen die Kurse vielleicht auch schnell wieder.

Besteht Grund zur Panik?

Nein. Bislang jedenfalls sieht die Kursreaktion aus wie eine durchaus nicht ungesunde Korrektur. Und nicht zu vergessen: Auch wenn es mehr Probleme gibt als noch vor sechs oder zwölf Monaten, befindet sich die Weltwirtschaft insgesamt noch in einer ziemlich robusten Verfassung.

Quelle: FAZ.NET
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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