Börsenbarometer

Der F.A.Z.-Index erscheint in neuem Gewand

Von Gerald Braunberger
06.05.2011
, 14:57
Seit 50 Jahren bildet der Index der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den deutschen Aktienmarkt besser ab als andere Indizes. Mit 20 neuen Werten und einem neuen Branchenindex Erneuerbare Energien beginnt er seine nächsten 50 Jahre.
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Der Aktienindex der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kurz der F.A.Z.-Index, ist seit einem halben Jahrhundert ein treuer und zuverlässiger Wegbegleiter des deutschen Börsenlebens. Seit seiner Gründung im Jahre 1961 hat sich an seiner Struktur nichts geändert: Der Index besteht aus 100 Aktien deutscher Unternehmen, die sich auf 12 Branchen verteilen.

Trotz dieser Kontinuität in seinem Aufbau berücksichtigt der F.A.Z.-Index durch gelegentliche Auswechslungen von Aktien und Neuordnungen innerhalb der Branchen auch den Wandel am deutschen Aktienmarkt. Um den Index auf den neuesten Stand zu bringen, ist es jetzt notwendig, 20 der 100 Werte auszutauschen. Auf der Ebene der Branchen werden die bisherigen Branchenindizes "Geschäftsbanken" und "Sonstige Finanzinstitute" zu einem neuen Branchenindex "Banken" zusammengefasst. Dafür entsteht erstmals ein aus fünf Werten bestehender Branchenindex "Erneuerbare Energien". Diese Änderungen treten am kommenden Montag, dem 9. Mai, in Kraft. Eine Auflistung der ausgeschiedenen und neu aufgenommenen Werte findet sich am Ende dieses Beitrags.

Mit dieser seit Jahrzehnten bewährten Struktur des F.A.Z.-Index gelingt es, die nicht nur aus großen Konzernen bestehende deutsche Wirtschaft in einer Maßzahl angemessener auszudrücken als der nur 30 Werte umfassende Dax. Um ein Beispiel zu geben: Der Maschinenbau ist eine der wichtigsten, allerdings auch stark mittelständisch geprägten Branchen der deutschen Wirtschaft. Im Dax findet sich mit MAN nur ein Maschinenbauwert; im F.A.Z.-Index sind es 13.

Bild: F.A.Z.

Der F.A.Z.-Index ist ebenso wie die meisten bedeutenden ausländischen Indizes - darunter der amerikanische Standard & Poor's 500 (S&P), der britische FTSE 100 ("Footsie"), der französische CAC-40 oder der japanische Nikkei 225 - ein Kursindex. Der Dax hingegen wurde, im Unterschied zu vielen bekannten internationalen Indizes, als Performance-Index konstruiert. Der Unterschied besteht darin, dass ein Performance-Index Dividendenabschläge auf Aktienkurse ignoriert. In einen Performance-Index fließen somit nicht nur die Kurse ein, sondern auch die Dividendenzahlungen. Ein Performance-Index schneidet damit immer besser ab als ein Kursindex.

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Ein Performance-Index ist nichts Verwerfliches; auch die F.A.Z. berechnet eigene Performance-Indizes. Er funktioniert aber anders als ein Kursindex. Wer etwa den amerikanischen und den deutschen Aktienmarkt vor allem über einen längeren Zeitraum vergleichen will, findet mit dem amerikanischen S&P-500 und dem F.A.Z.-Index zwei ähnlich aufgebaute Kursindizes. Ein Vergleich zwischen dem S&P-500 (oder dem Dow Jones) und dem Dax wäre weniger aussagekräftig, weil der Dax im Unterschied zu seinen amerikanischen Kollegen ein Performance-Index ist.

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Die Auswahl der Aktien für den F.A.Z.-Index geschieht nach drei Kriterien. Die Größe eines Unternehmens wird traditionell vor allem am Grundkapital gemessen. Da das Grundkapital heute eine weniger wichtige Rolle spielt, tritt der Börsenwert (Marktkapitalisierung) als Größenkriterium hinzu. Zum zweiten muss der Börsenhandel in einer Aktie liquide sein. Dieses Kriterium war bislang nicht quantifiziert. Nun wird angestrebt, dass der durchschnittliche tägliche Handelsumsatz in einer Aktie nicht dauerhaft deutlich unter 1 Million Euro fallen sollte. Drittens sollten sich neue Werte in eine sinnvolle Branchengliederung eingliedern lassen.

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Bald auch eine Berechnung in Echtzeit

Die Einbeziehung des Börsenwerts unter die Auswahlkriterien wird nicht zu häufigen Änderungen der Indexzusammensetzung als Folge starker Veränderungen von Börsenwerten einzelner Unternehmen führen. In Sondersituationen wie Insolvenzen oder Übernahmen würde ein Wert, der den Index verlässt, durch einen anderen Wert ersetzt, damit der Index immer aus 100 Aktien besteht. Von solchen Sondersituationen abgesehen, sind Änderungen der Indexzusammensetzung nur mittel- oder längerfristig geplant. Diese Stabilität gehört seit jeher zu den Markenzeichen des F.A.Z.-Index.

Deutlich beschleunigen wird sich die Berechnung des F.A.Z.-Index und seiner Branchenindizes. Bisher werden sie einmal täglich ermittelt. Im Verlauf des Juni 2011 übernimmt das Frankfurter Index-Unternehmen Structured Solutions AG die Errechnung und Verbreitung für den F.A.Z.-Index wie für die Branchenindizes permanent und in Echtzeit. Diese Echtzeitangaben werden unter anderem auf den Internetseiten www.faz.net, www.fazfinance.net sowie auf einer in Entstehung befindlichen, dem F.A.Z.-Index gewidmeten Internetseite bereitgestellt. Der Domain-Name wird noch mitgeteilt. Zudem erscheinen ab der kommenden Woche die Branchenindizes im Kursteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der F.A.Z.-Aktienindex erblickte 1961 unter maßgeblicher Beteiligung des legendären Finanzredakteurs Heinz Brestel das Licht der Welt und wurde bis zum Jahr 1950 zurückgerechnet, um die Börsengeschichte seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland nachzuvollziehen. Damals wurde der Stand vom Jahresende 1958 mit 100 Punkten festgelegt. Für die Jahre 1950 bis 1960 liegen nur Jahresschlusskurse vor. Sie lassen ein sehr kräftiges Wachstum der Aktienkurse erkennen. Der F.A.Z.-Index stieg von 19,73 Punkten Ende 1950 auf 240,75 Punkte Ende 1960.

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Von dieser Hausse angefeuert, beschloss die Bundesregierung, Staatsunternehmen wie Volkswagen und Preussag zu privatisieren und durch eine breite Streuung sogenannte "Volksaktien" zu schaffen. "Die Menschen waren geradezu von einem Fieber befallen, nicht nur die Wohlhabenden, die schon seit langem Aktien besaßen, auch die sogenannten kleinen Leute waren fasziniert", schrieb der F.A.Z.-Wirtschaftsredakteur Hans Roeper. Doch gerade zu jener Zeit endete die erste große Hausse der Nachkriegszeit.

Es folgten mehrere wenig spektakuläre Jahrzehnte für den deutschen Aktienmarkt. Die zweite bedeutende Hausse ab dem Jahr 1983 endete im damals als einschneidend wahrgenommenen Börsenkrach vom Oktober 1987. Obgleich der Index rund zwei Jahre benötigte, ehe er die in der Baisse verlorenen Punkte wieder aufgeholt hatte, sieht dieser Börsenkrach aus heutiger Perspektive weniger bedeutend aus (siehe Grafik).

Ab Mitte der neunziger Jahre zeigt sich auch im F.A.Z.-Index eine sehr kräftige Hausse, obgleich die seinerzeit besonders favorisierten Werte aus der Informationstechnologie und der Telekommunikation in diesem Index niemals eine dominierende Rolle gespielt haben. An die schwere Baisse der Jahre nach 1999 schloss sich die nächste starke Hausse an, die den Index - anders als im Dax - nicht auf die zu Beginn des Jahres 2000 erreichten Höhen getrieben hat. Auf die im Jahr 2008 begonnene Baisse folgte ab dem Frühjahr 2009 eine weitere Erholung.

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Neuaufnahmen, Abgänge und Umbenennungen im Detail

In der Geschichte des Index hat es wenige umfangreiche Veränderungen gegeben. Aber auch in diesen seltenen Fällen wurden meist mehr als 20 Aktien ausgetauscht. Den Index werden am kommenden Montag die folgenden Werte verlassen: Landesbank Berlin, Comdirect, DAB Bank, Generali Deutschland, MLP, Carl Zeiss Meditec, Pfleiderer, H&R Wasag, Crop Energies, MVV Energie, KSB Stämme, Jenoptik, Indus, Koenig & Bauer, Singulus, Arcandor, Takkt, Beate Uhse, GFK, EDOB und Constantin Medien. Hinzu kommen: Wincor Nixdorf, Fielmann, Gerry Weber, SMA Solar, Centrotherm, MTU, Rational, Krones, Pfeiffer Vacuum, Hamburger Hafen, Delticom, Bertrandt, Brenntag, Gerresheimer, Drägerwerk Vorzüge, Deutsche Euroshop, Deutsche Wohnen, Nordex, Elring Klinger und Leoni.

Volkswagen Vorzüge ersetzen Volkswagen Stämme. Solarworld und Q-Cells wechseln vom Branchenindex "IT und Elektronik" in den Branchenindex "Erneuerbare Energien". Gea verlässt den Branchenindex "Grundstoffe" und tritt in den Branchenindex "Maschinenbau" ein. Die im Branchenindex "IT und Elektronik" befindliche United Internet wird dem Branchenindex "Versorger und Telekommunikation" zugeordnet. Südzucker wechselt vom "Konsum" in die "Grundstoffe". Der Branchenindex "Konsumgüter" heißt nun "Konsumgüter und Medien". Die bisherigen Unterindizes "Bekleidung und Kosmetik" und "Sonstige Konsumwerte/Medien" entfallen.

Die F.A.Z.-Index-Famile

Der 100 deutsche Aktien umfassende F.A.Z.-Index mit seinen 12 Branchenindizes wurde im Jahre 1961 geschaffen. Er ist damit das älteste Marktbarometer aus dem Hause der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, aber nicht das einzige. Er ist wie die meisten führenden Indizes ein Kursindex. Das heißt, dass er nicht um Dividendenabschläge bereinigt wird. Der Index trug lange den Spitznamen "Orakel von Frankfurt".

Im Jahre 1994 entstand der F.A.Z.-Performance-Index als ein Index "vor allem für die professionellen Vermögensverwalter", wie der frühere F.A.Z.-Redakteur Erich Erlenbach schrieb. Im Unterschied zum F.A.Z.-Index gleicht er Kursrückgänge durch Dividendenabschläge aus. Der Performance-Index ist bisher mit 167 Werten breit gefasst. Da viele Werte klein sind, wird der Performance-Index ab Montag, dem 16. Mai, aus den 100 Werten des F.A.Z.-Index bestehen. Ebenfalls als Performance-Index konstruiert ist der F.A.Z.-Euro-Index mit 100 europäischen Aktien.

Seit Mitte 1964 existiert für den deutschen Rentenmarkt die F.A.Z.-Renten-Rendite, die über verschiedene Laufzeiten für Körbe öffentlicher Anleihen und Pfandbriefe berechnet wird. Damit ist sie repräsentativer als die zehnjährige Bundesanleihe. (gb.)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
Herausgeber.
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