Irreführung wegen Korruption

Aktionäre verklagen Airbus

Von Christian Schubert, Paris
Aktualisiert am 07.08.2020
 - 15:03
Die Zentrale des europäischen Flugzeugherstellers Airbus in Toulouse
Anteilseigner in Amerika haben Klage gegen den europäischen Flugzeughersteller eingereicht. Für den Konzern kommt die Klage zu einer Unzeit.

Die Korruptionsaffären lassen Airbus nicht los. Nachdem das Unternehmen im Januar eine Geldbuße von 3,6 Milliarden Euro an Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten zahlte, haben nun Airbus-Aktionäre in den Vereinigten Staaten das Unternehmen verklagt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters reichte der Anteilseigner Andrew Kornecki beim Bundesgericht in Newark, New Jersey, eine Sammelklage ein.

Er wirft Airbus vor, die Aktionäre knapp viereinhalb Jahren lang über die Fähigkeit des Unternehmens, Korruptionsvorwürfe zu vermeiden oder in den Griff zu bekommen, irregeführt und damit gegen amerikanisches Recht verstoßen zu haben. Beschuldigt werden der amtierende Airbus-Vorstandsvorsitzende Guillaume Faury, sein Vorgänger Tom Enders sowie der Finanzvorstand Dominik Asam und dessen Vorgänger Harald Wilhelm.

Airbus wollte zu den Vorwürfen mit Verweis auf ein laufendes Verfahren keine Stellung nehmen. Nach jahrelangen Ermittlungen war das Unternehmen im Januar verurteilt worden weil es über viele Jahre Bestechungsgelder bezahlte, um seine Passagiermaschinen oder militärisches Gerät zu verkaufen. Airbus wurde von den Gerichten allerdings zugutegehalten, von 2014 an beherzt interne Gegenmaßnahmen eingeleitet zu haben.

Die Airbus-Aktie verlor am Freitagvormittag gut 1 Prozent, erholte sich später aber wieder. Dennoch kommt die Klage zur Unzeit. Airbus steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte. Die Aktie notiert nur noch halb so hoch wie vor sechs Monaten. Seit Mai hat nur eine leichte Kurserholung eingesetzt. Immerhin gelang es Airbus im Juli 49 Maschinen auszuliefern, nach 36 im Juni.

Das Unternehmen sitzt auf einem hohen Auftragsberg, drosselt jedoch die Produktion, weil die Fluggesellschaften Maschinen nicht oder nur zögerlich abnehmen. Aufträge über 302 Flugzeuge wurden seit Jahresbeginn storniert, 369 Maschinen verkauft. Im Juli konnte Airbus erstmals seit drei Monaten wieder vier Flugzeuge verkaufen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent in Paris.
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