Scherbaums Börse

Hoffentlich Allianz versichert – das lohnt sich auch für Aktionäre

Von Christoph Scherbaum
13.08.2021
, 11:34
Allianz-Arena in München: Auch an der Börse leuchtet der Finanzriese in angenehmen Farben – trotz aktueller Turbulenzen.
Den schon etwas älteren Slogan des Finanzkonzerns kennt fast jeder. Heute klingt das auch wie eine Botschaft an die Anleger, denn die Dax-Aktie macht sich gut im Depot – trotz aktueller Problemen des Unternehmens in Amerika.
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Wenn sich ein Dax-Konzern an einem Sonntagabend genötigt fühlt, eine Adhoc-Meldung zu veröffentlichen, dann ist damit meist keine gute Nachricht verbunden. So war es auch bei einem der größten Asset-Manager der Welt, dem Allianz-Konzern Anfang August. Grund für die Meldung war (und ist weiterhin) Ärger in den Vereinigten Staaten.

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Dort haben die jeweils für die Lehrer im Bundesstaat Arkansas und für die New Yorker U-Bahn-Fahrer zuständigen Pensionsfonds die Vermögensverwaltungstochter der Allianz auf Schadenersatz verklagt. Es handelt sich um die Allianz Global Investors (AGI). Hintergrund sind hohe Verluste, die die Pensionsfonds im Zuge des durch die Corona-Pandemie bedingten Börsen-Crashs im Frühjahr 2020 mit Investments in einige AGI-Hedgefonds erlitten haben. Die Allianz kam nicht herum, einzuräumen, dass „ein relevantes Risiko besteht, dass die mit ihren Structured Alpha Fonds verbundenen Angelegenheiten erhebliche Auswirkungen auf künftige Finanzergebnisse der Allianz Gruppe haben könnten.“

Scharfe Kursreaktion

In der Folge brach am nächsten Börsentag der Aktienkurs der Allianz in der Spitze fast um zehn Prozent ein. Ein solchen Kurssturz hatte der Kurs erst einmal erlebt: Im Sommer 2002, als der Konzern eine Gewinnwarnung veröffentlichte. Viele Aktionäre werden sich jetzt vielleicht fragen, wann für den AGI-Ärger Rückstellungen gebildet werden. Seitens des Konzerns heißt es bisher, dass es nicht möglich sei, „die konkreten finanziellen Auswirkungen, einschließlich möglicher Strafzahlungen, zuverlässig abzuschätzen. Daher wurde derzeit keine Rückstellung gebildet.“

Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. Bild: Christoph Scherbaum

Deutlich besser abzuschätzen sind hingegen nach Ansicht der Analysten die positiven Aussichten für die zweite Jahreshälfte 2021. Die Investmentbank Jefferies hat zwar das Kursziel für die Allianz-Aktie von 240 auf 230 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „Kaufen“ belassen. Im Schatten der rechtlichen Probleme in Amerika scheinen Anleger das erfolgreiche zweite Quartal des Versicherers kaum registriert zu haben, hieß es in einer Studie.

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Überzeugende Halbjahreszahlen

In der Tat waren es gute Zahlen. Der Umsatz stieg im Juni-Quartal um 10,9 Prozent auf 34,3 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis um 29,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro kletterte. Daher sieht das Allianz-Management das operative Ergebnis für 2021 in der oberen Hälfte der Zielspanne von 11 bis 13 Milliarden Euro.

Der Konzern profitierte von der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-bedingten Konjunkturdelle. Besonders gut lief es in der Lebens- und Krankenversicherung. Zudem wuchs das Asset-Management-Geschäft und erreichte beim verwalteten Vermögen einen Rekordwert. Im Bereich Schaden- und Unfallversicherung wurden höhere Schäden durch Naturkatastrophen abgefedert. Dabei half das Ausbleiben der durch Corona bedingten Belastungen im Vergleich zum Vorjahr.

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Allianz-Chef Oliver Bäte wiederum macht derzeit wohl das einzig Richtige: Er schaut nach vorne. Denn Corona ist nicht das einzige Thema, mit dem sich das Allianz-Management derzeit befassen muss. Die Finanzbranche steht im Umbruch. Neue Wettbewerber aus dem Zukunftsbereich Fintech/Insurtech machen Branchengrößen das Leben schwer. Die Allianz reagiert ihrerseits mit einer Digitalisierungsstrategie. So sollen die Anzahl und Komplexität der Produkte sinken, sowie individueller an die Kundenbedürfnisse angepasst werden. Zudem werden viele Versicherungs- und Assistance-Angebote vollständig digitalisiert.

Ein Teil des Umbaus ist auch das Thema Nachhaltigkeit. Dieses gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Allianz will daher neben der finanziellen Rendite auch auf die realwirtschaftlichen Auswirkungen achten. Um das Ganze erfolgreich umzusetzen, hat der Konzern eine neue Position geschaffen. Den Chief Sustainability Officer. Die Aufgabe, 150.000 Mitarbeiter, die verwaltetes Kundengeld von mehr als 1,7 Billionen Euro managen, in die Nachhaltigkeit zu führen, wurde der Norwegerin Line Hestvik in die Hand gegeben. Bis zum Jahr 2050 sollen entsprechend kohlebasierte Geschäftsmodelle auslaufen. Darüber hinaus werden Investments auf einen positiven „Impact“ wie das Recycling von Plastik oder die Einsparung von CO2-Emissionen geprüft. Man darf als Anleger gespannt sein, wie der Dax-Konzern diese Aufgabe langfristig umsetzt.

Allianz kauft eigene Aktien zurück

Seitens der meisten Analysten ist die Aktie trotz des Rechtsstreits in Amerika weiterhin eine Kauf-Empfehlung. Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel nach der jüngsten Bilanzveröffentlichung sogar leicht von 250 auf 254 Euro angehoben. Mögliche Kosten infolge des Rechtsstreits in den Vereinigten Staaten seien zwar ein Risiko, auf der anderen Seite betonte man aber in der Studie, dass der Konzern wieder Geld in den Rückkauf eigener Aktien stecken will. Das Volumen des neuen Programms beträgt bis zu 750 Millionen Euro, soll im August starten und spätestens bis 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein. Laut Berenberg sei die Allianz aktuell attraktiv bewertet. Bei einer solchen Analysten-Aussage lohnt sich der Blick auf den langfristigen Chartverlauf der Aktie.

Nachdem die Allianz-Aktie während des Corona-Börsen-Crashs im März 2020 auf in der Spitze 117 Euro einbrach, startete eine volatile Aufhol-Rallye. Dabei ging es für die Notierungen bis zum Juni dieses Jahres auf ein 16-Monats-Hoch bei 223 Euro nach oben. Im Anschluss kam es zum besagten Kurseinbruch auf 189 Euro, woraufhin bis Mitte August aber wieder eine Kurserholung auf zeitweise rund 200 Euro folgte.

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Die 200-Tage-Linie verläuft derzeit bei 205 Euro, sodass der langfristige Aufwärtstrend erst einmal unterbrochen ist. Gelingt die Rückeroberung, wären die nächsten Kursziele das bisherige 2021er-Jahres-Hoch vom Juni bei 223 Euro und das 18-Jahres-Hoch von Februar 2020 bei 232 Euro.

Dividenden fließen verlässlich

Interessant ist auch dieses: Was die langfristige Kursentwicklung der Allianz-Aktie betrifft, hängt das Ergebnis stark davon ab, wie weit zurückgeblickt wird. Auf Zehnjahressicht beispielsweise verzeichnet die Aktie mit einem Kursgewinn von im Schnitt 8 Prozent pro Jahr ein gutes Ergebnis. In den vergangenen 15 Jahren lag das Plus dagegen nur noch bei im Mittel 3 Prozent pro Jahr, auf 20-Jahressicht haben Alt-Aktionäre mit der Allianz-Aktie sogar ein jährliches Minus von durchschnittlich knapp 2 Prozent verbucht. Fairerweise muss hier erwähnt werden, dass diese längerfristig betrachtet wesentlich schlechteren Ergebnisse vor allem aus den heftigen Kursabstürzen in den Jahren 2008 (Finanzkrise) und 2001/2002 (Dotcom-Crash) resultierten.

Ein wohl gewichtiges Argument für viele Anleger bei der Allianz ist seit Jahren die Dividende des Konzerns. Aktuell liegt diese geschätzt bei mehr als 5 Prozent, der Konzern hatte aber schon in den vergangenen Jahren mit guten Ausschüttungen bei den Aktionären für gute Stimmung gesorgt. Mit einem prognostizierten 2021er-KGV von unter 10 ist die Allianz bei allen Risiken immer noch eine Aktie, auf die ein genauerer Blick lohnt. „Risiko entsteht dann, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun“, sagte einmal der amerikanische Großinvestor Warren Buffett. Aktuell gibt es kein Analysehaus, das dazu rät, die Aktie zu verkaufen.

Quelle: FAZ.NET
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