Altersvorsorge

Die Gelassenheit der Schweden

EIN KOMMENTAR Von Philipp Krohn
19.01.2022
, 14:41
Gelassenheit und Ruhe: Eigenschaften, die viele nicht zufällig mit Schweden und seinen Rentieren verbinden.
Die Bundesregierung will eine Aktienrente prüfen. Sie könnte ein wenig zum Wohlstand im Alter beitragen. Wenn Deutschland eine Aktienrente einführt, sollte es von Schweden lernen, wie man mit Kursverlusten umgeht.
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Ende der neunziger Jahre waren die Altersvorsorgesysteme in Schweden und in Deutschland etwa auf demselben Stand. Den demografischen Wandel hatte die nationale Politik lang ignoriert. Erst allmählich setzten sich kritische Stimmen durch, die das beitragsfinanzierte System vor einem Kollaps sahen. Die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis waren sehr unterschiedlich: Schweden baute auf einen staatlichen Fonds, der Beiträge aus der gesetzlichen Rente am Aktienmarkt anlegte. Bürger, die dem Staat nicht trauten, konnten sich auch einen privaten Anbieter suchen.

In Deutschland dagegen fehlte ein solcher nationaler Konsens, was nicht zuletzt mit der Intervention einer großen Boulevard-Zeitung zu tun hatte, die gegen eine obligatorische am Finanzmarkt anlegende kapitalgedeckte Rente mobil machte. So wurde statt in der gesetzlichen Rente (1. Säule) in der privaten Altersvorsorge (3. Säule) eine Möglichkeit geschaffen, staatlich gefördert Geld anzulegen.

Das war keine völlig falsche Idee, aber das deutsche Sicherheitsdenken favorisierte eine Anlage in Anleihen, die seit der Finanzkrise unter stetig fallenden Zinsen litten. Schweden ist also besser gefahren. Was man sich von dort vor allem abschauen kann: Mit welcher Gelassenheit auch auf zwischenzeitliche Kursverluste reagiert wird. Transparenz, ein gutes Regelwerk, aber vor allem fähige Verantwortliche und eine coole Öffentlichkeit sind dafür eine Voraussetzung.

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Quelle: F.A.Z.
Philipp Krohn  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Philipp Krohn
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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