Amerikanische Ölaktien sind moderat bewertet

14.09.2005
, 19:48
Mit Öl kann man derzeit gut verdienen
Die Analysten sehen für die Ölindustrie an der Börse noch Spielraum nach oben. Ein Grund dafür ist der steigende Bedarf Chinas. Skeptiker warnen aber vor einer Nachfrageschwäche wegen des hohen Ölpreises.

Die Ölindustrie und angrenzende Branchen gehören an der Wall Street in diesem Jahr zu den Gewinnern. Der Hurrikan „Katrina“ und seine Zerstörungen an der für die Erdöl- und Erdgasindustrie so wichtigen amerikanischen Golfküste haben die Kurse zunächst einmal weiter nach oben getrieben.

Der Amex Oil Index, in dem zwölf große internationale Ölkonzerne von Exxon-Mobil über BP bis zu Total gebündelt sind, hat seit Jahresbeginn um 45 Prozent auf 1.043 Punkte zugelegt, angetrieben von den stetig steigenden Preisen für Rohöl.

Allein seit der Ankunft des Hurrikans an der Golfküste ging es für den Index um 9 Prozent nach oben. Das in New York gehandelte Öl hat nach dem Hurrikan zwischenzeitlich einen Höchststand von mehr als 70 Dollar erreicht, mittlerweile notiert der Rohstoff wieder unter 64 Dollar.

Gewinne können höher ausfallen als gedacht

Trotz der rasanten Kurssteigerungen kann man in der Ölbranche nicht von einer Börsenblase sprechen, denn die Bewertungen werden von guten Ergebnissen gestützt. Exxon-Mobil hat zum Beispiel ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des für dieses Jahr erwarteten Ergebnisses von rund 13. Das ist weniger als der Durchschnitt im breitgefaßten Börsenindex S&P 500 (rund 16).

Selbst einer der größten Börsen-Überflieger aus der Branche, der amerikanische Raffineriebetreiber Valero, scheint mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 nicht überbewertet. Valero hat seit dem Hurrikan an der Börse um 24 Prozent zugelegt, seit Jahresanfang liegt das Plus bei 150 Prozent.

Wenn es nach Wall-Street-Analysten geht, könnten die Gewinne von Energiekonzernen in diesem Jahr noch deutlich höher ausfallen als bisher gedacht. Nach Angaben von Reuters erwarten sie für das laufende Quartal im Durchschnitt ein Ergebniswachstum gegenüber dem Vorjahr von 50 Prozent. Vor dem Hurrikan lag die Schätzung noch bei 28 Prozent. Exxon-Mobil wird im Gesamtjahr wohl einen Rekord-Nettogewinn von mehr als 30 Milliarden Dollar erwirtschaften.

Grundsätzlich steigender Ölbedarf

Sowohl die Gewinne als auch die Aktienkurse hängen allerdings ganz maßgeblich von der weiteren Entwicklung des Ölpreises ab. Darüber gibt es sehr verschiedene Auffassungen. Mehrere Wall-Street-Banken sagten in den vergangenen Tagen, sie rechneten aufgrund der hohen Ölpreise zumindest mit einer leichten Abschwächung der Nachfrage - was sich dann wiederum in niedrigeren Preisen niederschlagen könnte.

Ein Indiz dafür sieht Ed Keon, Investmentstratege von Prudential Equity, in einer gesunkenen Nachfrage nach Benzin in Amerika. Andere Analysten meinen hingegen, daß solche punktuellen Nachfragedellen an grundsätzlichen Trends wie dem rasant steigenden Ölbedarf von China und Indien nichts änderten - und der Ölpreis deshalb auf hohem Niveau bleiben werde.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Nachfrage und des Ölpreises führt zu sehr unterschiedlichen Anlageempfehlungen: So reduzierte Keon in dieser Woche den Anteil von Energieaktien in seinem Modell-Portfolio um 2,5 Punkte auf 8,5 Prozent. Dagegen hat die Investmentbank CSFB den Energiesektor auf „übergewichten“ hochgestuft.

Verknappung durch „Katrina“ bringt höhere Margen

Innerhalb der Ölindustrie gehören im Moment die Betreiber von Raffinerien wie Valero oder Tesoro zu den begehrtesten Werten an der Börse. Dies erklärt sich mit den begrenzten Raffineriekapazitäten in Amerika. Schon vor „Katrina“ arbeitete die Branche an der Auslastungsgrenze.

Der Hurrikan hat 10 Prozent der Kapazitäten lahmgelegt, die Hälfte davon für einige Monate. Diese Verknappung bringt den Betreibern von funktionsfähigen Raffinerien höhere Margen und höhere Gewinne. Nach Ansicht von Analysten werden Raffinerien noch einige Zeit lang ein Engpaß sein, was den Betreibern weiter gute Kursperspektiven gibt. Für Valero zum Beispiel haben einige Analysten kürzlich ihre Kursziele weiter erhöht. Die Deutsche Bank ging bis auf 165 Dollar - derzeit kostet das Papier 111 Dollar.

Quelle: lid., F.A.Z., 15.09.2005
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