Anlagestrategie

Über das Verhältnis von Risiko und Ertrag bei Fonds

Von Hans Heuser
27.06.2001
, 18:31
Nobelpreisträger William F. Sharpe
Eine Kennzahl gibt Aufschluss über das Verhältnis von Risiko und Ertrag bei Investmentfonds.

Hohe Chance gleich hohes Risiko. Die meisten Anleger in Deutschland haben mittlerweile verstanden, dass es das eine nicht ohne das andere geben kann. Das haben vor allem die starken Kursverluste der vergangenen Monate noch einmal sehr schmerzhaft ins Bewusstsein der Anleger zurückgerufen.

Aber ganz so einfach ist die Sache dann eben doch nicht. Denn wer sich beispielsweise für eine Anlage in einem auf US-Aktien ausgerichteten Fonds entscheidet, der sollte zwar sehr wohl wissen, dass sein Anlagerisiko vergleichsweise hoch ist. Wer allerdings vor der Frage steht, für welchen Fonds aus der Gruppe der knapp 90 auf US-Aktien ausgerichteten Anlagepools er sich entscheiden soll, dem hilft diese Erkenntnis nicht viel weiter.

Spezifische Analyse notwendig

Hier muss die Analyse sehr viel spezifischer erfolgen. Dann erst lassen sich nämlich Aussagen darüber treffen, welcher Fondsmanager seinen Ertrag mit einem relativ hohen Risiko eingefahren hat, und welcher der Fondsexperten sein Portfolio eher durch ruhige Fahrwasser zu einem ansehnlichen Ertrag gelenkt hat.

Einen Ansatz für eine solche Aussage zum Verhältnis zwischen eingegangenem Risiko und erzieltem Ertrag stellt eine Kennzahl namens „Sharpe Ratio“ dar. Sie ist benannt nach ihrem "Erfinder", dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler William F. Sharpe. Der hat die Berechnung und Idee seiner Formel bereits 1964 erstmals veröffentlicht und für seine Arbeiten im Jahr 1990 den Nobelpreis erhalten.

Was die Überschussrendite aussagt

Sharpes Formel misst die Überschussrendite eines Fonds unter Berücksichtigung des eingegangenen Risikos. Unter Überschussrendite wird dabei die über eine risikolose Geldanlage - in der Regel Festgeld - hinausgehende Rendite verstanden. Ein Beispiel: Wenn der risikolose Geldmarkt vier Prozent und der ausgewählte Fonds zehn Prozent abgeworfen haben, dann hat der Fonds eine Überschussrendite von sechs Prozent eingefahren. Diese Zahl wird nun ins Verhältnis gesetzt zum Risiko, ausgedrückt in der Volatilität, also der Schwankungsbreite einer Anlage.

Eine positive Sharp Ratio zeigt an, dass gegenüber der risikolosen Geldmarktanlage eine Mehrrendite erwirtschaftet wurde. Zum anderen zeigt sie an, in welchem Verhältnis diese Mehrrendite zum eingegangenen Risiko steht. Umgekehrt verdeutlicht eine negative Sharp Ratio, dass noch nicht einmal die Geldmarktverzinsung übertroffen wurde.

Aufschlüsse für die Fondsauswahl

Was bringt die Kennzahl dem Anleger? Wer beispielsweise vor der Wahl zwischen zwei Fonds steht, die beide in den vergangenen drei Jahren eine jährliche Rendite von 15 Prozent erzielt haben, der sollte den Fonds bevorzugen, der diese Rendite mit der geringeren Schwankungsbreite der Wertentwicklung, der Volatilität also, erreicht hat. Hier fällt die Entscheidung also relativ leicht.

Muss der Anleger aber zwischen zwei Fonds wählen, von denen der eine zwar etwas schwächer in der Rendite, aber eben auch etwas weniger risikobehaftet ist, so gibt die Sharpe-Ratio die notwendige Hilfestellung. Wer nämlich Wert auf ein möglichst geringes Risiko bei annehmbar hohem Ertrag legt, der sollte dann unter sonst gleichen Bedingungen den Fonds mit der höheren Sharpe-Ratio bevorzugen.

Quelle: @hh
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