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Scherbaums Börse

Für Anleger ist jetzt Eigenverantwortung wichtig

Von Christoph Scherbaum
Aktualisiert am 03.04.2020
 - 11:17
Für Privatanleger ist der Zeithorizont wichtig.
Weitere Abstürze sind nicht auszuschließen, doch nach Meinung einiger Fachleute zeichnet sich langsam eine Bodenbildung an der Börse ab. Anleger müssen daher einen langen Zeitraum für ihre Investitionen einplanen.

Die überwiegende Zahl der Deutschen ist bekanntlich seit vielen Jahren skeptisch gegenüber Aktien und den Finanzmärkten. Der Corona-Crash war entsprechend für viele ein weiteres Argument aus der Kategorie „ich habe es ja immer gesagt“. Wir Deutschen gehen Umfragen zufolge lieber zum Zahnarzt als zum Bank- oder Finanzberater. Auch das Internet nutzen wir nur wenig, um uns über Finanzthemen zu informieren.

Das dürfte nach der Corona-Krise nicht anders sein. Im Gegenteil. Viele Menschen werden ihre Abneigung gegenüber der Börse sogar intensivieren. Dabei verschließen sie aber ihre Augen vor einer weiterhin unangenehmen Realität, wenn es um den eigenen Vermögensaufbau geht. Die Situation nach Corona wird unverändert so sein, dass es weiterhin keine Zinsen auf Sparbüchern oder für Anleihen gibt. Letztlich spart sich ein jeder ärmer, denn die Ersparnisse auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten verlieren unter Berücksichtigung der Inflation stetig an Wert, der Weg zur Rendite geht also zum Teil nur über den Finanzmarkt.

Aus der Vergangenheit lernen

Fakt ist: So etwas wie das Coronavirus hatte keiner an der Börse auch nur im Ansatz ahnen können. Die bekannten Crash-Propheten rühmen sich zwar jetzt wieder in den sozialen Medien ob ihrer Einschätzungen, doch eine Pandemie hatte niemand auf dem Schirm, der irgendwann in den letzten Jahren einmal das Wort Crash in den Mund genommen hat.

Klar ist: Der Monat März kann für die internationalen Finanzmärkte als historisch angesehen werden. Weltweit sollen sich allein die Buchverluste der vergangenen Wochen bei Aktien auf über 15.000 Milliarden Dollar summiert haben. Eine unglaubliche und unvorstellbare Zahl.

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„Dazu kommen noch die Buchverluste bei Unternehmensanleihen, die mittlerweile auch für eine mittlere Bonität eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 10 Prozent einpreisen“, so Thomas Böckelmann von Euroswitch. Auf Indexebene seien die Verluste seit Jahresbeginn zwar noch moderat und hätten aber noch nicht das Ausmaß der beiden jüngsten schärferen Rezessionen 2000/2003 und 2008/2009 erreicht.

Das macht Mut auf der einen Seite. Auf der anderen ist dieses Szenario in erster Linie den Gegenmaßnahmen von Notenbanken und Fiskalpolitik zu verdanken, „die in Europa von der Aussetzung des Stabilitätspaktes bis hin zu Superlativen wie 2.500 Milliarden Dollar Helikopter-Geld in den Vereinigten Staaten reichen“, ergänzt der Experte weiter.

Virus-Eindämmung ist Schlüsselfaktor

In wie weit wir an den Börsen nun schon einen Boden gesehen haben – die Meinungen hierzu gehen auseinander. „Zwar sind weitere, abrupte Kursrückgänge nie auszuschließen, dennoch zeichnet sich aus unserer Sicht die Bodenbildung an den Märkten langsam ab“, sagt Michael Jensen, Head of Asset Management und Managing Director bei Moventum AM.

Eine wirkliche Stabilisierung hänge aber davon ab, wie sich die Infektionszahlen weiter entwickelten. Einen guten Anhaltspunkt liefern die Erfahrungen aus der Vergangenheit: „In den vergangenen 20 Jahren sahen wir drei Krisen, die jeweils so neu waren, dass es keine gelernten Reaktionen darauf gab: den 11. September, Lehman Brothers und mit Abstrichen die Euro-Krise“, so Jensen. „Die jetzige Pandemie gehört ebenfalls in diese Kategorie.“

„Die Erfolgsaussichten bei der Eindämmung des Virus sind der Schlüsselfaktor für die Marktpsychologie. Die leicht verbesserten medizinischen Daten der vergangenen Tage genügen noch nicht, um zu einer Senkung der Volatilität zu führen“, resümiert derweil Stephen Jones, Chief Investment Officer bei Kames Capital und ergänzt: „Auch lässt sich auf dieser Basis nicht sagen, ob die Finanzmärkte bereits die Talsohle durchschritten haben. Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ist nur dann möglich, wenn die Marktstimmung glaubt, dass die derzeit geltenden Kontrollen und Beschränkungen eindeutig greifen.“

Grundregeln für Anleger

Am Ende des Tages muss jeder Anleger für sich selbst entscheiden, wie das persönliche Chance-Risiko-Profil aussieht. Welche Anlagedauer habe ich im Fokus und wie viel Risiko möchte ich eingehen? Die Vergangenheit mit all ihren Krisen lehrt uns, dass höhere Renditen nur realistisch sind, wenn Anleger einen längeren Zeithorizont und zwischenzeitliche Wertschwankungen einplanen.

Das heißt wiederum auch, dass gerade jüngere Anleger einen längeren Zeitraum für Investments an der Börse wählen sollten, um so das Kapital arbeiten zu lassen. Sie können Rückschläge wie die aktuelle Situation besser aussitzen als beispielsweise die Generation der Rentner. Entsprechend raten ja auch viele Finanzexperten ab einem bestimmten Alter, die risikoreicheren Anlagen systematisch zu reduzieren, um den eigenen Lebensabend gut zu gestalten.

Das bedeutet auch, dass Finanzprodukte wie beispielsweise strukturierte Wertpapiere wie Derivate nur noch einen kleinen Anteil in einem Depot eines älteren Anlegers haben sollten. Wichtig sind entsprechende Instrumente dann vor allem zur Risikoabsicherung eines großen Depots.

Alles andere ist eine Geschmacksfrage und vom individuellen Vermögen abhängig. Und: Spätestens seit Anfang des Jahres 2018 ist es eigentlich auch recht schwer geworden, einfach und unwissend irgendwelche riskanteren Derivate-Produkte ins eigene Depot zu kaufen, die nicht zum Risikoprofil des Anlegers passen. So muss jedem vor dem Kauf von strukturierten Wertpapieren ein gesetzlich vorgeschriebenes Basisinformationsblatt zur Verfügung gestellt werden. Dies ist nicht auf strukturierte Wertpapiere beschränkt, sondern gilt auch für kapitalbildende und fondsgebundene Lebensversicherungen und ist auch für Investmentfonds relevant.

Kein „zweites Lehman“ am Derivatemarkt

Laut dem Branchenverband DDV droht am Zertifikatemarkt kein „zweites Lehman“. Der Deutsche Derivate Verband begründet es damit, dass in den vergangenen Jahren im Zentrum der Finanzmarktgesetzgebung der Verbraucherschutz stand. „Regelwerke wie die MiFID II sorgen dafür, dass Privatanleger sehr gut aufgeklärt werden und damit in der Lage sind, eigenverantwortlich Anlageentscheidungen zu treffen“, heißt es von Seiten des Verbands. Davon unabhängig würden derzeit Marktturbulenzen in den meisten Anlageprodukten für Kursverluste sorgen, so auch bei Zertifikaten.

Dennoch weist der DDV daraufhin, dass anders als beim Fall Lehman Brothers im Jahr 2008 die aktuellen Kursverluste rein marktbedingt sind. „Es liegt keine Insolvenz eines Emittenten vor. Produkte mit Kapitalschutz werden zur Endfälligkeit zu 100 Prozent zurückgezahlt, bei anderen Produkten hängt der Rückzahlungsbetrag von der weiteren Entwicklung an den Kapitalmärkten ab, die sich nach einem scharfen Einbruch in der Vergangenheit bislang immer wieder erholt haben“, so der DDV. Ebenso argumentieren die Experten, dass die aktuellen Kursverluste bei strukturierten Wertpapieren noch keinen Schluss darauf zulassen, wie hoch der Rückzahlungsbetrag am Laufzeitende ist. Es sei eine reine Stichtagsbetrachtung.

Letztlich muss jeder Anleger selbst wissen, wie, wann und wo er investieren möchte und welches Risiko er mit welchem Kapital eingeht. Es ist nicht der Bank- oder Anlageberater, der dies entscheidet, wie eine aktuelle Studie es untermauert. Demnach wünschen nur 29 Prozent der Deutschen sich, dass ihre Bank in der Krisenzeit aktiv auf sie zugeht und sie zu den aktuellen Themen und Entwicklungen berät.

Quelle: FAZ.NET
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