Anlegerpresse

An Bernd Förtsch führt kein Weg mehr vorbei

Von Martin Hock
30.11.2021
, 14:38
Kulmbach in Franken: Nun endgültig die Zentrale für Börsen-Magazine
Mit der Übernahme der drei Anlegertitel des Finanzen-Verlags durch Bernd Förtschs Börsenmedien AG sinkt die Pluralität in der Anlegerpresse weiter.
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Es ist nun mehr als 20 Jahre her, da hatten Börsenzeitschriften Hochkonjunktur. Im ersten Quartal des Jahres 2000 wurde rund eine Million Exemplare dieser Zeitschriften verkauft, die vor allem die heißesten und neuesten Aktientipps präsentierten. Doch mit der abkühlenden Börseneuphorie und dem aufkommenden Internet schrumpfte das Interesse an ihnen. Im vergangenen Quartal brachten es die einzelnen Magazine noch auf 10 bis 30 Prozent ihrer Spitzenauflagen.

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Auch die Zahl der Anbieter hat sich ausgedünnt – und ist nun noch einmal geringer geworden. Denn die Kulmbacher Börsenmedien AG, die unter anderem das wöchentlich erscheinende Anlegermagazin „Der Aktionär“ herausgibt, übernimmt den Münchener Finanzen Verlag. Damit gehen die Titel „Börse Online“, „Euro“ und „Euro am Sonntag“ im Verlag des nicht ganz unumstrittenen Verlegers Bernd Förtsch auf.

Dieser hatte die Börsenmedien AG 1989 als Buchverlag gegründet. 1994 startete die Zeitschrift „Bulle & Bär“, 1996 „Der Aktionär“, die 1998 miteinander verschmolzen. Bekannt wurde der Verlag einem größeren Publikum mit dem Auftritt Förtschs in der Sendung „3satBörse“ im Jahr 1999. Förtsch, der anfangs wenig erfolgreich mit Nebenwerten wie der Achterbahn AG oder dem niederländischen Broker van der Moolen zu punkten versuchte, sprang bald erfolgreich auf den Neuer-Markt-Zug auf und erwarb sich den Beinamen „Mr. Dausend“, als er der Aktie des später in die Insolvenz gegangen Set-Top-Boxen-Herstellers Infomatec einen Kurs von 1000 Euro prophezeite.

Richtig glücklich wurde Förtsch damit eher nicht. Es gab Ermittlungen der Finanzaufsicht, Durchsuchungen der Geschäftsräume, ganz zu schweigen von den schon früher üblichen maßlosen Beschimpfungen im Internet. Mit der Verknüpfung von Fondsmanagement, Börsenjournalismus, Anlegerfernsehen, Direktbank und privatem Investieren setzte sich Förtsch von jeher dem Verdacht aus, es dabei nicht immer so genau zu nehmen und dass weniger seine Anleger und Leser davon profitieren als vielmehr er selbst. Er selbst wurde dabei aber nie belangt, trotzdem immer wieder ermittelt wurde. Gleich zwei stellvertretende Chefredakteure des „Aktionärs“ wurden dagegen aber zu Bewährungsstrafen wegen Marktmanipulation verurteilt.

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Nichtsdestoweniger baute Förtsch, der seit dem Neuer-Markt-Trubel öffentlich eher wenig in Erscheinung tritt, erfolgreich ein Imperium auf. Das Manager Magazin verzeichnete ihn im Oktober 2021 auf seiner traditionellen Reichstenliste mit einem geschätzten Vermögen von rund 700 Millionen Euro auf Platz 265.

Nun also gehen drei weitere Anlegertitel in Förtschs Börsenmedien AG auf. Vor drei Jahren schon hatte diese die Online-Plattform Finanztreff.de übernommen und wird künftig auch boerse-online.de betreiben. Im Einzelverkauf von Druckerzeugnissen steigt der Anteil der Börsenmedien AG nach eigenen Angaben im Segment der Wirtschaftstitel von 27 auf nun 49 Prozent – für Börsentitel dürfte dieser Anteil sehr viel höher sein, so dass an den Kulmbachern hier praktisch kaum noch ein Weg vorbei führt. Ob dies für ein meinungsgetriebenes Sujet wie Aktientipps für Privatanleger von Vorteil ist, mag bezweifelt werden.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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