Aktienanleihen

Mit hohen Zinsen werden die Anleger gelockt

Von Hans Heuser
19.12.2000
, 09:11
Auf den ersten Blick starke Prozente: Bis zu 27,5 Prozent Zinsen, tönen die Banken in der Werbung. Aber selbst erfahrene Anleger sollten sich genau informieren, auf was sie sich einlassen.
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Vielen gelten sie als Wolf in der Herde friedlicher Schafe. Als so genannte Aktienanleihen haben die Banken in Deutschland während der letzten zwei Jahre mit Papieren auf sich aufmerksam gemacht, über deren tatsächliches Risiko sich noch heute die Experten streiten.

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Die Funktionsweise ist schnell erklärt: Im Grunde handelt es sich um einen Verwandten der festverzinslichen Wertpapiere. Die haben nach traditioneller Definition eine festgelegte Laufzeit, einen festgelegten Zinscoupon sowie einen festen Nennwert, zu dem sie zurückgezahlt werden. Was die Festlegung von Zinshöhe und Laufzeit betrifft, so stehen die Aktienanleihen den herkömmlichen Zinspapieren kaum nach.

Die Risiken nicht unterschätzen

Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Rückzahlung zum Nennwert. Denn der Emittent einer Aktienanleihe kann sich kurz vor Ende der Laufzeit entscheiden: Je nachdem, welche Form für ihn günstiger ist, zahlt er entweder den Nennwert des Papiers zurück. Oder liefert stattdessen eine vorher vereinbarte Menge Aktien liefern. (siehe Beitrag Beispielrechnung Aktienanleihe“)

Was die Aktienanleihen auszeichnet, das ist ein vergleichsweise hoher Zinskupon, mit dem die Emittenten ihre Kunden locken können. Allerdings sollten sich Anleger im klaren darüber sein, dass sie sich diese hohen Zinsen mit einem erheblich größeren Risiko einkaufen, als es herkömmliche Anleihen aufweisen. An genau diesem Punkt setzt nämlich auch die Kritik der Experten an. Andreas Tilp von der Tübinger Anwaltskanzlei Tilp und Kälberer beispielsweise nennt die Aktienanleihe ein Abzockerprodukt der Banken. (siehe Beitrag „Aktienanleihen sind Abzockerprodukte“)

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Die Bank hat die Wahl, nicht der Kunde

Knapp 450 solcher Papiere von 17 Emissionshäusern sind derzeit an der Börse notiert. Der besondere Haken bei solchen Papieren: Die ausgebende Bank entscheidet kurz vor der Fälligkeit des Papiers, ob sie ihren Kunden in bar auszahlt, also den Nennwerte der Aktienanleihe zurückzahlt oder ob sie ihrem Kunden lieber eine bestimmte, vorher vereinbarte Anzahl von Aktien ins Depot bucht.

Für die Depoteinbuchung wird sie sich immer dann entscheiden, wenn der Wert der Aktien zum Ausübungszeitpunkt der Anleihe unterhalb des Nominalbetrags liegt. Die Bank kommt's billiger, der Anleger hat den Schaden. Allerdings bietet ihm die Bank für das vergleichsweise hohe Risiko ja auch eine ansehnliche Verzinsung. Mit bis zu 27,5 Prozent werden die Aktienanleihen verzinst. Diesen Spitzenwert erreicht die vom Kölner Bankhaus Oppenheim aufgelegte Nokia-Anleihe, die noch bis Ende November 2001 läuft. Als Faustregel gilt hier: Je höher die Schwankungsbreite einer Aktie, um so mehr Zinsen muss eine Bank für eine Aktienanleihe auf diesen Wert bieten.

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Allenfalls bei Seitwärtsbewegung der Kurse interessant

Allerdings übersehen die Skeptiker, dass es sich bei Aktienanleihen durchaus nicht um Teufelszeug handeln muss. In bestimmten Marktsitiuationen lassen sich mit dieser Wertpapierart gut Gewinne erzielen. Das gilt beispielsweise für Phasen, in denen festverzinsliche Wertpapiere nur geringe Zinsen abwerfen. Oder in Zeiten, in denen sich der Aktienmarkt stagniert beziehungsweise nur geringe Schwankungen nach oben oder unten aufweist.

Allerdings sollten sich Anleger auf keinen Fall blenden lassen von den hohen Zinsen der Aktienanleihen. Das hat Wolfgang Baum am eigenen Konto erfahren müssen. (Siehe Beitrag: “Man kann viel verlieren“) Im Prinzip lässt sich festhalten: Wer vom langfristigen Erfolg einer Aktie - ob via Anleihe oder per Direktinvestment erworben - nicht so richtig überzeugt ist, der sollte von beidem die Finger weglassen.

Quelle: @hh
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