Anlagestrategie

Aktienanleihen müssen richtig gewählt werden

28.08.2002
, 18:23
Aktienanleihen: Begrenzte Chance, hohes Risiko
Lässt sich mit Aktienanleihen von hohen Volatilitäten profitieren? Im Prinzip ja, aber mit Vorbehalten.

Ähnlich wie nach den Attentaten im vergangenen September waren die Finanzmärkte Mitte Juli und Anfang August des laufenden Jahres extrem nervös. Denn die Kurse setzten nicht nur den schon im vergangenen Jahr begonnenen Abwärtstrend weiter fort, sondern sie schienen urplötzlich geradezu in den Keller zu fallen. Im Unterschied zu vorher kamen aber nun die soliden Werte an die Reihe. Allen voran die Versicherungen. Nichts schien mehr sicher zu sein.

Die Unsicherheit war unheimlich groß und zeigte sich auch an entsprechenden Maßzahlen. Der VDax als Kennziffer für die bei der Optionspreisbewertung verwendete Volatilität erreichte auf Grund der starken Schwankungen der Aktien Rekordstände von über 60 Prozent, am Mittwoch liegt er immer noch bei kapp 43 Prozent. Unter normalen Marktverhältnissen pendelt er um die 20-Prozent-Marke.

Hohe Volatilitäten machen derivative Instrumente teuer

Was lässt sich daraus schließen? Alle Finanzinstrumente, bei deren Bewertung die Volatilität eine Rolle spielt, sind - abgesehen von exotischen Konstruktionen - teuer geworden. Wer sich also beispielsweise mit Puts gegen fallende Kurse absichern will oder gar mit Calls auf steigende Kurse spekulieren möchte, muss unheimlich viel dafür bezahlen.

Und wie reagiert der professionelle Händler darauf? Er versucht diese Instrumente zu verkaufen, statt zu kaufen. Denn er erhält beim Verkauf einen hohen Gegenwert. Später dann, wenn die Volatilität noch weiter gefallen ist, kann er die Option dann günstig zurückkaufen. Er selbst sichert sich gegen Kursrisiken über ein speziell konstruiertes Bündel an Optionen ab oder mit Futures, bei denen die Volatilität bei der Preisbestimmung keine Rolle spielt.

Für „Otto Normalanleger“ ist das allerdings zu kompliziert oder schlicht nicht möglich. Weil er beispielsweise noch nie an der Terminbörse Eurex gehandelt hat und die Regeln nicht kennt. Aber es gibt Alternativen, die geschickt gewählt denselben Effekt haben können.

Discount-Zertifikate oder Aktienanleihen ...

Discount-Zertifikate oder Aktienanleihen sind vom Prinzip her nichts Anderes, als einen Put zu verkaufen. Fällt die Aktie, auf den sie sich bezieht, so erhält der Anleger die Aktie am Ende der Laufzeit angedient. Allerdings etwas günstiger, als bei einem direkten Kauf, da er die Optionsprämie einkassiert. Bei der Aktienanleihe in Form des erhöhten Kupons und beim Discount-Zertifikat durch den Abschlag, den es im Vergleich zur Aktie hat. Steigt die Aktie dagegen, ist die maximale Rendite begrenzt. Nämlich auf den Geldmarktzins plus den Betrag, den die Option im Markt gebracht hat.

... müssen unbedingt geschickt gewählt werden

Je höher nun die Volatilität ist, desto günstiger wird die Aktienanleihe oder das Zertifikat. Das heißt, die maximale Rendite nimmt zu. Wichtig ist dabei allerdings, den Ausübungspreis der integrierten Option oder den so genannten Wandlungspreis des Zertifikats richtig zu wählen. Denn die Wirkung der Volatilität ist am größten, wenn der leicht über dem aktuellen Kurs des gewählten Basisinstrumentes liegt (siehe Grafik, ein Index als Basiswert).

Auch die Wahl der Restlaufzeit ist wichtig. Allerdings gibt es da einen Zwiespalt. Denn für die Berechnung von Optionspreisen unterschiedlicher Laufzeit werden verschiedene Volatilitäten verwendet. Die sind in der Regel um so geringer, je länger die Laufzeit. Umgekehrt reagieren „kurze“ Volatilitäten stärker auf Markturbulenzen, als „lange“. Wer also auf die Volatilität spekuliert, wird kurze Restlaufzeiten wählen. Und dann wird es schwierig, den passenden Strike zu finden.

Die „Vision“ des Anlegers muss stimmen

Grundsätzlich ist die Idee richtig, bei hohen Volatilitäten Aktienanleihen zu kaufen. Allerdings nur, wenn der Anleger auf einen Seitwärtstrend der gewählten Aktie setzt oder wenn er sie sich bei weiter fallenden Kursen sowieso ins Depot legen möchte. Gleichzeitig sind nur die Instrumente interessant, die just in diesem Augenblick auf den Markt kommen. Denn beim Rest passen in der Regel die verschiedenen Parameter nicht mehr zusammen.

Quelle: @cri
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