Anleihemarkt

Deutlich eingetrübte Lage am amerikanischen Anleihemarkt

02.12.2004
, 14:59
Der Chart zeigt die Entwicklung der Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen
Die Renditen am amerikanischen Rentenmarkt sind in den vergangenen Tagen weiter gestiegen. Der seit einigen Monaten bestehende Abwärtstrend bei den Renditen ist dadurch inzwischen gebrochen worden.
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Die schon seit geraumer Zeit zu beobachtende unterschiedliche Entwicklung an den Rentenmärkten in Europa und in Amerika hat sich in den vergangenen Tagen weiter fortgesetzt. Während hierzulande der richtungsweisende Rententerminkontrakt Bund-Future am Mittwoch sogar ein neues Hoch erklommen hat, sind die Kurse beim amerikanischen Pendant zuletzt beständig gefallen.

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Der damit verbundene Renditeanstieg hat in Amerika inzwischen auch schon charttechnischen Schaden angerichtet. So haben sowohl die zehn- als auch die dreißigjährigen Renditen der Staatsanleihen ihre zuvor seit Juni gültigen Abwärtstrends verletzt. Das ist als negatives Signal zu werten und Charttechniker wie Mark Arbeter vom amerikanischen Finanzdienstleister Standard & Poor´s leiten daraus weitere Verlustgefahren ab. Bei den zehnjährigen Staatsanleihen, die momentan 4,34 Prozent abwerfen, rechnet Arbeter jetzt jedenfalls mittelfristig mit einem Anstieg in den Bereich zwischen 4,6 und 4,8 Prozent.

Renditedifferenz zuletzt sprunghaft gestiegen

Gedeckt wird diese Entwicklung auch durch den Konjunkturbericht, den die amerikanische Notenbank am Mittwoch vorgelegt hat. Denn im sogenannten Beige Book wird der amerikanischen Konjunktur ein robustes Wachstum attestiert. In vielen Gebieten sei zuletzt sogar eine Verbesserung der Arbeitsmarktlage festzustellen gewesen. Beim niederländischen Broker SNS Securities schlußfolgert man daraus, daß die Fed ihren Zinserhöhungszyklus vermutlich fortsetzen wird. Dem stehen in Europa sich zuletzt wieder eintrübende Konjunkturperspektiven gegenüber, die sich auch in der am Berichtstag von der Europäischen Zentralbank beschlossenen Rücknahme der Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt in Europa manifestieren.

Da der Rentenmarkt in Europa zudem vom festen Euro gestützt wird, dürften amerikanischer und europäischer Rentenmarkt zunächst tendenziell weiter auseinanderdriften. Allerdings ist zu beachten, daß sich durch die jüngsten Kursbewegungen alleine in den vergangenen Wochen die Renditedifferenz im Zehnjahresbereich um 17 Basispunkte auf rund 63 Basispunkte zugunsten amerikanischer Anleihen ausgeweitet hat. Das ist der höchste Abstand seit Dezember 2000 und Chris Lupoli, Zinsstratege bei UBS, meint dazu: „Die Differenz hat sich in sehr kurzer Zeit enorm ausgeweitet. Da stellt sich die Frage, inwieweit sich das noch fortsetzen kann.“

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Schwacher Dollar läßt Anleger ihre Positionen überdenken

Damit diese Differenz kurzfristig noch deutlich größer wird, müßten jetzt schon überraschend gute Konjunkturzahlen aus Amerika kommen. Ob diese tatsächlich bevorstehen, darauf wird schon am Freitag der amerikanische Arbeitsmarktbericht einen wichtigen Hinweis geben. Wie jeden Monat ist es daher wichtig, darauf zu achten, ob es zu Abweichungen vom vorhergesagten Zuwachs von 190.000 bei den neu geschaffenen Stellen kommt. Sollten die Daten nicht sehr überzeugend ausfallen, könnte es auch wieder einmal zu einer technischen Gegenbewegung bei den amerikanischen Anleihekursen kommen.

Grundsätzlich ist aber zu beachten, daß die Schwäche des Dollar auch etliche Besitzer amerikanischer Staatsanleihen dazu bringt, sich von ihren Papieren zu trennen. Und das hält den Druck auf die Renditen auch unabhängig von den neuesten Konjunkturdaten zunächst natürlich grundsätzlich aufrecht. Das sieht offenbar auch die UBS so, die bis Mitte 2005 mit einer Ausweitung des Renditeaufschlag bis auf einen Prozentpunkt ausgeht.

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Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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