Anleihemarkt

Hoher Ölpreis hilft Anleihen mit Inflationsschutz

08.10.2004
, 13:29
Der rekordhohe Ölpreis birgt Inflationsgefahren. Das führt zu einer steigenden Nachfrage nach inflationsgeschützten Anleihen in Amerika.
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In Amerika haben sich inflationsgeschützte Anleihen (TIPS) besser entwickelt als gewöhnliche Staatsanleihen. Der Grund: Einige Investoren spekulieren darauf, daß der kräftige Anstieg der Ölpreise sich sehr bald in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen wird. Rohöl hat sich in diesem Jahr bisher 62 Prozent verteuert.

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"Der Ölpreisanstieg wird zu einer Wachstumsabschwächung und vorübergehend zu einer höheren Preissteigerungsrate führen", erklärte Thomas M. Hoenig, Präsident der Fed Kansas City am Mittwoch in einer Rede gegenüber Managern in Lincoln, Nebraska.

So ist die Risikoprämie der TIPS, deren Ertrag an die Inflationsrate gekoppelt ist, gegenüber zehnjährigen Treasuries von 2,25 Prozentpunkten am 21. September auf ein Monatshoch von 2,38 Prozentpunkten gestiegen. Auch bei den Auktionen von TIPS nimmt die Nachfrage zu. "Die Teuerung der Energiepreise kommt den TIPS zugute," sagt Mark Spindel, bei International Finance Corp. für die Investments zuständig.

Höheres Inflationsrisiko?

Im Vergleich zu gewöhnlichen Staatsanleihen weisen TIPS einen niedrigeren Zinssatz auf den Nominalwert auf, der mit den höheren Verbraucherpreisen steigt. Der Renditeunterschied zwischen TIPS und gewöhnlichen Treasuries spiegelt die Erwartungen der Anleger wieder, wie sich die Inflation während der Laufzeit der Papiere entwickelt.

Zwischen Mai und September schlugen sich traditionelle Staatsanleihen besser als inflationsgeschützte Anleihen, weil die Zinserhöhungen der Notenbank die Sorgen über die Inflationsgefahr dämpften, erläutern Investoren. Am 21. September, als die Fed die Zinsschraube anzog und erklärte, die Inflation "werde wahrscheinlich recht niedrig bleiben", verringerte sich der Renditevorsprung auf 2,25 Prozentpunkte.

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Seit dem 21. September hat sich jedoch der Rohölpreis etwa 12 Prozent verteuert und ist auf den Rekordwert von 53 Dollar je Barrel geklettert. "Der Ölpreis geht schon seit einiger Zeit nach oben und wir hatten recht nette Wachstumszahlen," berichtet James Evan, Fondsmanager bei Brown Brothers Harriman & Co. in New York. "Das signalisiert, daß die Konjunktur möglicherweise stärker ist als wir dachten und erhöht das Risiko unerwünschter Inflation. Das allein schon kommt den TIPS zugute."

Steigende Nachfrage

Auch bei den Auktionen steigt die Nachfrage. Bei der Auktion von zehnjährigen TIPS am Donnerstag erhielt das Finanzministerium 2,44mal mehr Orders als Papiere vorhanden waren. Im Juli begab das Finanzministerium zehn- und 20jährige inflationsgeschützte Anleihen im Volumen on 21 Mrd. Dollar. Damals war die Emission 1,89fach überzeichnet, was unter dem Durchschnitt des 2,18fachen bei den letzten zwölf Emissionen lag. Bei den 22 Primärhändlern für Staatsanleihen erreichte der durchschnittliche Handel mit TIPS in den zwei Wochen bis zum 29. September erstmals seit mindestens 1999 mehr als acht Milliarden Dollar, zeigen Fed-Daten.

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Allerdings dürften weitere Zinserhöhungen die Aufwärtsbewegung bei den TIPS bremsen, erläutert Dominic Konstam, Leiter Analysen Festverzinsliche bei Credit Suisse First Boston in New York. Die Entwicklung der Eurodollar-Terminkontrakte zeigt, daß die Händler dieses Jahr mit mindestens einer weiteren Zinsanhebung rechnen.

Gedämpft wird der Preisdruck durch die niedrigeren Preise für Autos und Kleidung. Ohne Lebensmittel und Energie verteuerten sich die Verbraucherpreise zwischen Januar und August um 1,7 Prozent. Das ist zwar die niedrigste Rate seit Mai, liegt aber über dem Durchschnitt von 1,45 Prozent für 2003.

Sollte der Ölpreis länger 50 Dollar je Barrel überschreiten, rechnen die Investoren im nächsten Jahr mit einem Anstieg der Verbraucherpreise, erläutert Gemma Wright, Zinsstrategin bei Barclays in New York. "Wenn der Preis von Öl und anderen Rohstoffen sich verteuert, "werden TIPS im Vergleich zu traditionellen Anleihen zweifelsfrei attraktiver," sagt Dan Bernstein, Leiter Analyse bei Bridgewater Associates in Westport, Connecticut.

Quelle: Bloomberg
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