Anleihemarkt

Italienische Staatsanleihen sind noch nicht aus dem Schneider

03.06.2011
, 17:46
Bis jetzt haben sich die Märkte noch nicht zu sehr auf Italien eingeschossen. Doch auch dieses EU-Land hat mit volkswirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Grund genug für die DZ Bank um bei italienischen Staatsanleihen skeptisch zu sein.

Aktuell kreisen die Geier in Europa vor allem über Griechenland. Doch als ob die EU damit nicht schon genügend Probleme hätte, gesellen sich auch noch andere Mitgliedsstaaten mit ebenfalls großen Schwierigkeiten hinzu.

Bei einem dieser Problemfälle handelt es sich um Italien. Ähnlich wie in Griechenland lässt sich dort zwar gut Urlaub machen, volkswirtschaftlich gesehen gibt es aber einige gravierende volkswirtschaftliche Schwachstellen.

Grundsätzlich hakt es auf der Finanz- und auch der Wachstumsseite. Deutlich wurde das auch jüngst erst wieder bei den neu vorgelegten Konjunkturdaten. Denn im ersten Quartal 2011 war das Plus beim Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2010 niedriger als die von Volkswirten erwarteten 0,3 Prozent ausgefallen.

Bild: DZ BANK AG

Wachstums- und Finanzprobleme belasten

Enttäuschungen dieser Art sind für Italien allerdings kein Einzelfall. Das Land ist vielmehr seit langem das Schlusslicht in der EU beim Wirtschaftswachstum. Von 2001 bis 2010 wuchs die Wirtschaft durchschnittlich nur um 0,2 Prozent im Jahr. In der EU waren es dagegen im Schnitt 1,1 Prozent. Und der Abstand hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch vertieft. Und auch in diesem und dem kommenden Jahr rechnen die Volkswirte der DZ Bank nur mit einer sehr schwachen wirtschaftlichen Dynamik. Für 2011 wird nur ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent prognostiziert und für 2012 mit einem leicht stärkerem Wachstum. Vor diesem Hintergrund besteht kaum Aussicht, der viel zu hohen Jugendarbeitslosigkeit Herr zu werden.

Neben dem Wachstumsproblem hat Italien ebenfalls schon traditionell mit zu hohen Schulden zu kämpfen. In der Euro-Zone sitzt man nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters nach Griechenland mit 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung den größten Schuldenberg gemessen am Bruttoinlandsprodukt vor sich her. Dabei erlauben die EU-Verträge eigentlich nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent.

Viel zu feiern gibt es zum 150. Geburtstag, den die italienische Republik in diesem Jahr begeht somit nicht. Vielmehr besteht bereits seit Anfang der 90er Jahre ein Teufelskreis aus schwachem Wachstum und stetig steigenden Staatsschulden, wie die Volkswirte der DZ Bank kritisieren. Und eine Wende zum Besseren zeichnet sich derzeit auch deshalb nicht ab, weil die fragile Mitte-Rechts-Koalition des von Sex- und Korruptionsvorwürfen belasteten Regierungschefs Silvio Berlusconi vermutlich nicht die Kraft für einschneidende Reformen aufbringen wird.

Um dem grundsätzlich bestehenden volkswirtschaftlichen Dilemma zu entkommen, ist laut den DZ Bank Analysten aber dringend eine durchgreifende Reformpolitik erforderlich. Angegangen werden müssten aus ihrer Sicht vor allem die schwache Arbeitsproduktivität. Oberste Priorität müsste zudem natürlich der Finanzpolitik in Form eines Schuldenabbaus eingeräumt werden. Dies sollte nach Einschätzung der DZ Bank Volkswirte überwiegend über die Ausgabenseite erfolgen, aber auch Steuererhöhungen sollten in Betracht gezogen werden.

Ratingagentur schießt Warnschuss ab

Dass es inzwischen fünf vor zwölf ist, zeigt sich auch jüngst von der Ratingagentur Standard & Poor's ausgesprochenen Warnung vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes. Begründet wurde dies neben der Wachstumsschwäche mit dem fehlenden politischen Willen zu Reformen.

Sollte es tatsächlich zu einer Abstufung kommen, würde das die Kreditkosten weiter erhöhen. Das ist aber angesichts des Schuldenberges problematisch, zumal das Volumen der ausstehenden Staatsanleihen Italiens das Vergleichsniveau der ausstehenden Bundesanleihen übersteigt, wie die Experten der DZ Bank zu bedenken geben. Italien werde jedenfalls weiterhin von den Märkten als Wackelkandidat innerhalb der EWU angesehen wird. Dies gelte umso mehr, da sich Italien nicht dem Sog um die Diskussion einer baldigen Umschuldung Griechenlands entziehen kann.

Die darin zum Ausdruck kommende Skepsis beruht auch darauf, dass ein Großteil der Anleihen am Markt bereits in den kommenden beiden Jahren fällig wird. Da das Volumen sehr hoch ist, befürchtet die DZ Bank in einem Umfeld erhöhter Risikoaversion weitere Spreadausweitungen. Vor diesem Hintergrund bleiben die DZ Bank Analysten bei der Empfehlung einer Untergewichtung italienischer Anleihen.

Die deutlich bessere fundamentale Situation von Italien im Vergleich zu anderen Peripherie-Staaten und die Tatsache, dass die Anleihen größtenteils von Inländern gehalten werden, mache jedoch eine Eskalation der Schuldenspirale wie in Griechenland unwahrscheinlich. Ausruhen sollte man sich darauf aber nicht. Denn wenn es in einem Worst-Case Szenario dennoch so weit kommen sollte, dass sich die Situation in der EWU weiter verschärft und die Kreditwürdigkeit Italiens nochmals deutlich leidet, so wäre der Stiefelstaat wohl nur mit Garantien zu retten, befürchten die DZ Bank Analysten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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