Anleihemarkt

Schwache Konjunkturzahlen halten Renditen in Europa niedrig

12.11.2004
, 12:27
Der Chart zeigt die Entwicklung der Rendite bei den zehnjährigen deutschen Bundesanleihen
Die Konjunktur in der Euro-Zone hat sich im dritten Quartal enttäuschend entwickelt. In Reaktion darauf ist die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen auf den tiefsten Stand seit Juli 2003 gefallen.
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Das Verhalten der Kurse am Rentenmarkt stellt weiterhin viele Experten vor große Rätsel. Denn obwohl der Ölpreis zuletzt deutlich gefallen ist, steigen die Anleihekurse weiter. Dabei war es bislang so, daß der hohe Ölpreis wegen seiner dämpfenden Effekte auf die Konjunktur immer wieder als wichtigstes Argument für die entgegen der meisten Prognosen fallenden Renditen ins Feld geführt worden war.

Doch auch ohne diesen kursstützenden Faktor hat der Terminkontrakt Bund-Future mit Kursen von aktuell 117,59 Prozent ein neues Jahreshoch markiert. Der Ölpreis kann somit nicht der alleinige Preistreiber gewesen sein. Und wie es im schnelllebigen Tagesgeschäft an den Finanzmärkten eben so ist, wurde zur Begründung eines Trends bereits ein neues Argument gefunden.

Enttäuschende BIP-Zahlen in Europa

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Diese Mal greift man auf die neuesten Konjunkturzahlen aus Europa zurück, denn die sind enttäuschend ausgefallen und deuten an, daß die Wirtschaft in der Eurozone weiter an Fahrt verliert. Nach 0,7 Prozent im ersten und 0,5 Prozent im zweiten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt in den zwölf Ländern der Währungsunion im dritten Quartal voraussichtlich nur noch um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen, erklärte die Statistikbehörde Eurostat unter Berufung auf Daten aus sechs Ländern am Freitag.

Auch für die 25 Länder der gesamten Europäischen Union verzeichneten die Statistiker in ihrer ersten Schätzung nur noch 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum. Volkswirte hatten für die Eurozone im Mittel der Prognosen mit einem BIP-Plus auf Quartalssicht von 0,4 Prozent und von 2,0 Prozent im Jahresvergleich gerechnet.

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Zahlen wie diese machen es nachvollziehbar, warum sich die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen mit 3,802 Prozent auf den tiefsten Stand seit Juli 2003 geschoben hat, während die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen zuletzt wieder auf 4,25 Prozent gestiegen ist. Denn mit einem im dritten Quartal von der Eurozone verbuchten Plus beim BIP von 1,9 Prozent hinkt Europa deutlich hinter Amerika her, wo die Wirtschaft im dritten Quartal im Jahresvergleich um 3,9 Prozent gewachsen ist.

Renditen zeigen Zweifel am Konjunkturaufschwung

Fast beschwörerisch redet zwar die Bundesregierung einer baldigen Konjunkturbelebung das Wort. Aber die Renditen am europäischen Rentenmarkt signalisieren, daß zumindest die dortigen Akteure diesbezüglich ihre Zweifel haben. Dazu paßt der Kommentar von Bob Maes, Rentenmarkt-Analyst bei der KBC Bank: „Der Markt hat große Zweifel an der Nachhaltigkeit der konjunkturellen Erholung“, lautet seine Einschätzung.

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Zu erklären ist das unterschiedliche Kursverhalten europäischer und amerikanischer Anleihen zudem über den festen Dollar, der in Europa die Importkosten senkt und die Exportchancen dämpft, während der Effekt in Übersee genau umgekehrt ist. „Jeder schaut auf den Euro und ein starker Euro bedeutet starke Futures und niedrigere Renditen“, erklärt dazu Charles Berry, Rentenhändler bei der LBBW.

Insgesamt betrachtet lassen es die Rahmendaten am sinnvollsten erscheinen, trotz der zumeist anderslautenden Prognosen der Anleiheexperten weiter auf einen Fortbestand der Hausse am Rentenmarkt zu setzen. Erst wenn der Trend hin zu fallenden Renditen auch im Chart gebrochen wurde, scheint die Zeit für ein Umdenken gekommen. Und dann werden sich bestimmt auch wieder viele fundamentale Gründe finden, die den Trendwechsel vermeintlich plausibel erklären.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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