Anleihen

„Bondguru“: Bundesanleihen kaufen, Treasuries verkaufen

29.11.2004
, 18:10
Anleger sollten bei anhaltender Dollarschwäche eher auf europäische denn auf amerikanische Rentenpapiere setzen, so der bekannte Rentenfondsmanager Bill Gross. Ein schwacher Dollar werde in Amerika die Preise steigen lassen.
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Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds bei der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co. (Pimco), empfiehlt Anlegern, europäische Anleihen sowie amerikanische inflationsgeschützte Papiere zu kaufen, solange der Dollar weiter gegenüber dem Euro fällt.

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Deutsche Bundesanleihen mit einer Laufzeit von einem bis zehn Jahren haben den Anlegern in diesem Jahr 5,7 Prozent eingebracht, verglichen mit 1,57 Prozent für Treasuries. Die Anleger sollten "bei US-Staatsanleihen vorsichtig sein," rät Gross in seinem Dezember-Bericht, einer monatlichen Studie, die auf der Internetseite von Pimco veröffentlicht wird. "Solange der Euro gegenüber dem Dollar steigt, gibt es Gründe, deutsche Bundesanleihen gegenüber den amerikanischen Treasuries zu bevorzugen."

Dollarabwertung als Weg des geringsten Widerstandes ...

Die europäische Einheitswährung hat seit Anfang September 8,8 Prozent gegenüber dem Greenback gewonnen. Das veranlaßte UBS AG, JPMorgan Chase & Co und Merrill Lynch & Co. vergangene Woche, ihre Dollarprognose zu senken. Sie argumentieren, das Rekord- Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten schwäche die Währung des Landes. Im zweiten Quartal wuchs das Loch in der Leistungsbilanz auf 166,2 Milliarden Dollar an.

"Die Vereinigten Staaten geben zu viel aus, essen zu viel, trinken zu viel," schrieb Gross. "Dadurch ist unser gräßliches Leistungsbilanzdefizit auf sechs Prozent vom Bruttoinlandsprodukt gestiegen - so einen hohen Wert hat es in Amerika nie zuvor gegeben und ist eher das Spiegelbild eines Dritte-Welt-Staates in einer Finanzkrise."

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Der Euro erreichte am 26. November ein Rekordhoch von 1,3330 Dollar je Euro. Er notierte am Montag bei 1,3265 Dollar. "Der Dollar wird weiter fallen, weil es für Amerika der einfachste Weg ist, ihre nicht im Gleichgewicht befindliche, finanzlastige Wirtschaft zu korrigieren," schrieb Gross. "Wir haben in jüngster Zeit einige Positionen reduziert. Wir sind jedoch weiterhin zuversichtlich, daß ein schwacher Dollar und die disinflationären Auswirkungen eines stärkeren Euros für ein Engagement in Bundesanleihen sprechen," schrieb Gross in der Dezember-Ausgabe.

... dürfte in Amerika zum Preisauftrieb führen

Nach den Berechnungen von Pimco erhöht ein Rückgang von zehn Prozent beim handelsgewichteten Dollar die Teuerungsrate in Amerika in den nächsten 24 Monaten um einen halben Prozentpunkt. Gross wiederholte seine Empfehlung vom letzten Monat, inflationsgeschützte Anleihen, kurz TIPS genannt, zu kaufen, um sich gegen ein Anziehen der Inflation zu schützen.

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Von einem größeren Inflationsdruck dürften am stärksten "die kürzeren TIPS-Laufzeiten auf einer Basis von fast eins zu eins profitieren. In geringerem Ausmaß profitieren auch TIPS im mittleren Laufzeitenbereich, also mit einer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren," schrieb der Bondmanager. Pimco verwaltet insgesamt 415 Milliarden Dollar. Die Investments in TIPS sind seit 2003 auf 6,4 Milliarden Dollar gestiegen, ist der Internetseite zu entnehmen.

Quelle: Bloomberg
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