Anleihen

Bund-Future durchbricht den Aufwärtstrend

26.10.2005
, 13:40
Wurde die Zinswende in den vergangenen Monaten immer wieder verfrüht ausgerufen, so hat der Bund-Future in den vergangenen Wochen deutlich nachgegeben. Inzwischen ist er sogar unter den mittelfristigen Aufwärtstrend gefallen.

Nach Jahren sinkender Renditen wurde in den vergangenen Monaten zwar immer wieder die Zinswende ausgerufen. Allerdings kam es bisher immer nur zu vorübergehenden Korrekturen. Der Markt tendierte dazu, die Kurse der Anleihen danach auf neue Höchststände zu treiben.

Die Marktteilnehmer schienen nicht an eine nachhaltige Wende zu glauben und wollten sich aus diesem Grund offensichtlich nicht gegen den Trend stellen. Allerdings scheint sich diese Einstellung in den vergangenen Wochen verändert zu haben.

Geldpolitische und Preisentwicklung wird ungünstiger für den Rentenmarkt

Das dürfte einerseits damit zusammenhängen, daß die amerikanische Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten von einem Rekordtief von einem Prozent auf inzwischen 3,75 Prozent angehoben hat. Weitere Zinsschritte scheinen angesichts der immer mehr durchschlagenden Wirkung von hohen Rohstoff- und Energiekosten auf die allgemeine Preisentwicklung absehbar zu sein.

Bild: Bloomberg

Selbst in Europa äußerten sich in jüngster Zeit sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Bundesbank bedenklich über die aktuellste Entwicklung auf der Preisseite. Zusammen mit der sich offensichtlich verbessernden Stimmung - siehe Ifo-Index - scheinen auch hier die Marktteilnehmer zunehmend umzudenken und ihre Positionen wenn nicht ungedingt abzubauen, so doch wenigstens gegen fallende Kurse und damit steigende Renditen abzusichern. Was gibt es dafür idealeres, als den Verkauf von ein paar Terminkontrakten?

Auf Basis von deflationären Ängsten und sonstigen Krisenszenarien wurden die Rentenmärkte in den vergangenen Monaten auch angesichts der lange Zeit lockeren Geldpolitik und angesichts extrem hoher Geldmengen ausgereizt bis um letzten. Sollten sich diese Szenarien nicht materialisieren und sollten die Zentralbanken künftig noch restriktiver mit der Geldversorgung umgehen, dann dürften die Rentenmärkte abgesehen von zwischenzeitlichen taktischen Manövern nicht nur keine Phantasie mehr nach oben haben, sondern Risiken nach unten bieten. Vor allem auch dann, wenn die sich abzeichnende große Koalition die Mehrwertsteuer erhöhen und auf diese Weise für einen weiteren Preisschub sorgen sollte. Denn ähnlich wie bei der Einführung des Euro, könnten die Unternehmen versucht sein, bei einem entsprechenden Impuls bei Preiserhöhungen kräftig zuzulangen.

Anleger strömen antizyklisch immer noch in Rentenfonds

Aus dieser Sicht ist es um so verwunderlicher, daß die Anleger ihr Geld nach wie vor stark in Rentenfonds stecken. Es scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben, daß sich der langfristige Zinszyklus nun langsam aber sicher auf die andere Seite neigen könnte. Aus diesem Grund dürfte die überdurchschnittliche Performance dieser Produkte der Vergangenheit angehören. Möglicherweise kommt es auch zu deutlichen Enttäuschungen.

Charttechnisch hat sich das Bild mit Blick auf den Bund-Future eingetrübt. Denn mit den deutlichen Kursverlusten in den vergangenen Tagen ist er unter die 200-Tage-Linie und auch unter den mittelfristigen Aufwärtstrend gefallen, der im Juni des vergangenen Jahres etabliert worden ist. Mit einem Minus von 41 Stellen auf 120,60 Prozent hat der Kontrakt nicht nur die Marke von 121 Prozent unterschritten, sondern auch die nächste Unterstützungsmarke von 120,47 Prozent im Blick. Sollte auch sie herausgenommen werden, dürften weitere Kursverluste nicht überraschen.

Insgesamt scheinen sich Absicherungsstrategien immer mehr zu empfehlen. Günstige Gelegenheiten dürften sich bei Zwischenerholungen bieten, die dann auftreten werden, wenn sich überzogene Zinssorgen vorübergehend etwas legen. Zur Absicherung können Anleger entweder Futures verkaufen, Verkaufsoptionen erwerben, die Laufzeit festverzinslicher Zinspapiere verkürzen oder gar auf variabel verzinsliche Papiere setzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot