Anleihen in norwegischen Kronen

Öffentliche Emittenten sorgen für große Auswahl

Von Martin Hock
12.09.2011
, 17:14
Fleißiger Kronen-Emittent: die KfW
Des Deutschen liebste Fluchtwährung ist ihm abhanden gekommen. Aber es gibt Alternativen - und mehr Gelegenheiten als man meinen mag.

Nachdem die Schweizer Notenbank vor einigen Tagen beschlossen hat, die Aufwertung des Schweizer Frankens zu bekämpfen, ist deutschen Anlegen ihre liebste Fluchtwährung abhanden gekommen. Aber es gibt Alternativen - und als deren liebste hat sich rasch die norwegische Krone herauskristallisiert.

Wer dabei nicht unmittelbar beispielsweise über Devisenzertifikate in Kronen investieren möchte, für den bietet sich als Fremdwährungsspekulation Anleihen in norwegischen Kronen an.

Öffentliche Emittenten überwiegen

Die Auswahl ist groß. Selbst unter dem Gesichtspunkt eines hinlänglich liquiden Handels von wenigstens 10.000 Euro innerhalb von 30 Tagen finden sich noch 56 Anleihen in norwegischer Landeswährung, die an deutschen Börsen gehandelt werden.

Bild: F.A.Z.

Der Großteil der Emittenten sind dabei indes öffentliche Einrichtungen, weniger Staaten, als Banken der Kommunen oder öffentliche Förderbanken. So gehört etwa die deutsche KfW-Gruppe zu den großen Emittenten, doch auch die spanische Förderbank Credito Oficial, die finnische Municipality Finance, die dänische Kommunekredit haben Kronen-Anleihen ausstehen, die auch an deutschen Börsen gekauft werden können.

Weniger aktiv sind die Staaten selbst: Selbstverständlich hat Norwegen Kronen-Anleihen begeben, aber ansonsten ist die kanadische Provinz Ontario die einzige Gebietskörperschaft, die unmittelbar als Anleihenemittent auftritt, sieht man von einer in wenigen Monaten auslaufenden finnischen Anleihe ab.

Gute Ratings, niedrige Renditen

Das Rating der Emittenten ist darob auch entsprechend gut und liegt im Durchschnitt knapp unter Aa1, der zweithöchsten Bonitätsnote, die die Rating.-Agentur Moody's zu vergeben hat.

Entsprechend niedrig sind die Renditen, die bei ein bis drei Jahren Restlaufzeit zumeist zwischen 2 und 3 Prozent liegen. Aber dies ist ja auch nicht die Hauptsache, liegt doch der Gewinn einer Fremdwährungsanleihe in den Wechselkursgewinnen. Wer etwa vor einem Jahr die 2013 fällige norwegische Staatsanleihe mit einem Kupon von 6,5 Prozent erworben hätte, könnte bei einem Verkauf heute (von Steuern und Stückzinsen abgesehen) ein Plus von 8,8 Prozent verbuchen, obwohl der Kurs der Anleihe von 110,6 Prozent auf 108,9 Prozent gefallen ist.

Denn in Euro gerechnet, betrug der Ankaufwert der Anleihe vor einem Jahr knapp 3 Prozent weniger als heute. Der Währungsgewinn von 4,5 Prozent macht damit die Kursverluste mehr als wett. Hinzu kommen leichte Währungsgewinne beim Zinskupon, der beim Kauf 5,88 Prozent der Nominale entsprach, bei Auszahlung aber schon 5,96 Prozent.

Deutsche Autobauer auch vertreten

Wer mit etwas höheren Anleiherenditen jenseits der Wechselkursgewinne starten will, sollte einen Blick auf die Angebote deutscher Autohersteller werfen: Deren Rating liegt zwar nur bei „A2“ bzw „A3“, dafür rentieren die Papiere je nach Restlaufzeit mit 2,7 bis 3,5 Prozent. Auch eine 2013 fällige Anleihe der Deutschen Bank London rentiert mit 3,55 Prozent.

Die höchsten Renditen bieten eine Anleihe der staatlichen spanischen Förderbank Credito Oficial sowie der Royal Bank of Scotland. Während bei erster Emittentin die Euro-Sorgen ein wenig auf die Kurse drücken, so ist die britische Bank ein Sorgenkind der Bankenkrise.

Wie immer gilt es aber beim Kauf die Geld-Brief-Spannen zu schauen. Weniger liquide Papiere weisen bisweilen höhere Renditen aus, die aber aufgrund hoher Briefkurse nicht tatsächlich zu erzielen sind.

Kursschwankungen aushalten

Lazlo Belgrado, Leiter der Rentenabteilung der Luxemburger Fondstochter der belgischen KBC-Bank ist von der Sicherheit von Anleihen in norwegischen Kronen überzeugt. Das Land habe eine Nettovermögensposition von mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen hohen Haushaltsüberschuss und habe mittels der hohen Öleinnahmen auch für den demografischen Wandel vorgesorgt. Damit sei das Land vielleicht das einzige in der Welt, das das Rating „Aaa“ wirklich verdient habe.

Wer mit Fremdwährungsanleihen spekuliert, muss indes zum einen Wechselkursschwankungen aushalten können, zum anderen rechtzeitig reagieren, wenn sich der Wind einmal dreht. Das kann an den Devisenmärkten schnell gehen, auch wenn dies bei Norwegen derzeit kein Anlass dafür in Sicht ist.

Wie so oft gilt aber auch hier, dass die großen Gewinne gemacht sind. Denn an den Devisenmärkten gehörte die norwegische Krone in den vergangenen Jahren stets zu den Kursgewinnern gegenüber dem Euro, wenngleich andere Währungen, wie eben der Franken, der Yen und verschiedene Rohstoff-Währungen sich noch besser entwickelt hatten. Eine anhaltende Euro-Krise kann der norwegischen Krone und den Kursen von Anleihen in dieser Währung aber durchaus zu weiteren Kursgewinnen verhelfen.

Wer auf kurzfristige Aufwertungen spekuliert, dem stehen noch verschiedene bald fällige Anleihen, deren Kurse im Bereich um 100 Prozent notieren. Ob dieses Vorgehen angesichts niedriger Kupons und von Gebühren aber so erfolgversprechend ist, sei dahin gestellt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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